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Amerika

Bedrohung von links

Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Ralph Nader tritt in mehr als 30 US-Bundesstaaten zur Wahl an. Die Demokraten sind alarmiert, denn jede von ihm gewonnene Stimme könnte John Kerry den Wahlsieg kosten.

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Kandidat Nader: Gefahr für Kerry

Bei der US-Präsidentschaftswahl 2000 spielte Ralph Nader das berühmte Zünglein an der Waage - mit den für ihn abgegebenen Stimmen wäre Al Gore, der damalige Kandidat der Demokratischen Partei, Präsident geworden. In diesem Wahlkampf könnte der Konsumentenanwalt und Systemkritiker Nader seinem Mitbewerber John Kerry ebenfalls gefährlich werden.

Doch der von der Demokratischen Partei hart bedrängte Nader denkt nicht daran, sich aus dem Rennen zurückzuziehen. Wenn man ihn fragt, was John Kerry tun muss, um seine Unterstützung zu erhalten, ist Naders Antwort ebenso verblüffend wie eindeutig: "Er muss meinen Wahlkampf unterstützen."

Schlüsselstaaten

Nader bekam bei der Wahl im Jahr 2000 landesweit fünf Prozent der Stimmen. Damals war er der offizielle Kandidat der amerikanischen Grünen, die jetzt einen chancenlosen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Doch auch wenn Nader, der für die Reformpartei antritt, nur 0,5 Prozent der Stimmen erhält, könnte er in einigen der Schlüsselstaaten wie Florida, Colorado, Minnesota, New Hampshire oder New Mexiko Kerrys Wahlerfolg gefährden.

Beispiel Minnesota: Hier liegen Präsident George W. Bush und John Kerry in den Umfragen derzeit bei jeweils 45 Prozent, Ralph Nader kommt auf 2,7 Prozent. Wie anderswo auch, könnte es genau dieser bescheidene Stimmenanteil sein, der verhindert, dass Kerry die zehn Wahlmännerstimmen Minnesotas für sich gewinnt.

"Keine Antworten"

Nader ficht das nicht an. Er sagt, im Jahr 2000 haben viel mehr demokratische Wähler für Bush gestimmt als für ihn. Außerdem hätten weder Republikaner noch Demokraten eine Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit. Zum Beispiel die Verschwendung von Steuergeldern im hochgerüsteten Militäretat der USA: "Wer redet denn endlich einmal darüber, wie wir Frieden schaffen? Und darüber, wie wir unsere Steuergelder sinnvoll einsetzen, so dass sie unserer Bevölkerung nutzen. Anstatt sie für unnötige F-22-Kampfflugzeuge und andere Massenvernichtungswaffen auszugeben. Die brauchen wir nicht mehr nach dem Untergang der Sowjetunion", sagt Nader.

Instrumentalisierung

Beide Parteien haben versucht, Nader für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Im Frühjahr 2004 traf sich John Kerry mit Ralph Nader in Washington, um ihn für seine Kandidatur zu gewinnen. Vergeblich. Die Republikanische Partei hat ihrerseits alles dafür getan, Naders Kandidatur in wichtigen Schlüsselstaaten zu ermöglichen. In Michigan und Iowa kamen zwei Drittel der erforderlichen Unterschriften für seine Zulassung zur Wahl von registrierten Wählern der Republikanischen Partei. Und in Florida entschied der von Republikanern dominierte Oberste Gerichtshof zugunsten der Zulassung Naders.

Chuck Todd, Politikexperte beim US-Magazin "National Journal", glaubt dennoch nicht, dass Nader mit dem Ausgang der diesjährigen Präsidentschaftswahl am 2. November 2004 etwas zu tun haben wird: "Wenn Kerry in den Umfragen gut dasteht, dann wird Ralph Nader keinen Einfluss haben. Wenn Nader gut dasteht, dann wäre das ein schlechtes Zeichen für John Kerry." Gegenwärtig liegt Nader landesweit bei 1,5 Prozent.

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