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Wissen & Umwelt

Bedrohung aus der Plastikflasche

Viele Plastikartikel enthalten die Chemikalie Bisphenol A. Gefährlich oder nicht – darüber streiten sich die Experten. Britische Forscher haben jetzt die Wirkung auf den Menschen untersucht.

Eine Flasche mit Bisphenol A (Foto: DW)

Schon kleinste Mengen Bisphenol A können gesundheitsschädlich sein
Foto:DW

Polycarbonat-Kunststoffe enthalten die Chemikalie Bisphenol A. Die könnte schon in kleinsten Mengen gesundheitsschädigend sein. Andreas Gies vom Bundesumweltamt in Berlin warnt: Bisphenol A ist in vielen Gegenständen, die wir im Alltagsleben benutzen – in DVDs zum Beispiel. Aber auch aus den Innenverkleidungen von Konservendosen kann Bisphenol A abgegeben werden. Trinkgefäße können ebenfalls Kunststoffe enthalten, die im Laufe der Zeit die Chemikalie freisetzen.

Konservendosen mit diversem Inhalt (Foto: DW)

Auch die Innenverkleidung von Konservendosen kann Bisphenol enthalten
Foto: DW

Es wirkt wie ein Hormon

Bisphenol A wirkt wie das Hormon Östrogen, das beweisen Tierversuche. Bekommen Schneckenweibchen nur geringe Mengen Bisphenol A, ist eine Überproduktion von Eiern die Folge. Bei Männchen verkümmert der Penis und sie werden unfruchtbar.

Affen entwickeln bei Zugabe von Bisphenol A Hirnschäden. Aber was passiert beim Menschen?

Schnecke im Tierversuch (Foto: DW)

Im Tierversuch wirkt Bisphenol wie Östrogen - weibliche Schnecken etwa produzieren mehr Eier
Foto: DW

Andreas Gies vom Bundesumweltamt verweist auf den Einfluss von Bisphenol A auf die Entwicklung von Tieren - vor allem vor der Geburt und kurz nach der Geburt. Das betrifft nicht nur die Entwicklung der Geschlechtsorgane, sondern auch die Entwicklung des Verhaltens, aber auch die Entstehung von Krankheiten wie Krebs im späteren Leben. Er befürchtet, dass diese Störungen auch beim Menschen vorkommen könnten.

Die Gefahr lauert fast überall

Eine naheliegende Befürchtung, denn einmal verarbeitet, tritt die Chemikalie schleichend aus dem Kunststoff aus und gelangt über die Nahrungskette oder durch den Hausstaub in den menschlichen Körper. Auch das Erhitzen von Gefäßen, die Bisphenol A enthalten, ist eine große Gefahrenquelle: dabei tritt die 55-fache Dosis des gefährlichen Stoffs aus.

Wie gefährlich ist die Substanz?

Blaue und grüne Plastikflaschen (Foto: DW)

Schwer zu umgehen: selbst Plastikflaschen enthalten Bisphenol
Foto: DW

Kunststoffe, die aus Bisphenol A hergestellt werden, sind leicht, sind transparent und sind gut zu verarbeiten. Sie haben Werkstoffeigenschaften, die kaum durch einen anderen Kunststoff zu ersetzen sind. Jedes Jahr werden etwa acht Prozent mehr Kunststoffe aus Bisphenol A hergestellt. Das ist viel. Britische Wissenschaftler in Exeter haben jetzt bei 90 Prozent der Bevölkerung hohe Mengen Bisphenol A nachgewiesen. Tamara Galloway und David Melzer untersuchten als Erste die Wirkung der Chemikalie auf den Menschen. Forschungsobjekt: Urinproben von knapp 1500 US-Amerikanern. Die nachgewiesene Menge setzten sie in Bezug zu Krankheiten der Probanden. Die Resultate sind erschreckend: so hat der Epidmiologe festgestellt, dass diejenigen mit der höchsten Konzentration von Bisphenol A im Urin mehr als doppelt so oft an Diabetes oder Herzerkrankungen leiden. Außerdem konnte er nachweisen, dass ihre Leberenzyme defekt sind. Da Menschen in der Regel über einen langen Zeitraum hinweg nicht von ihren Ernährungsgewohnheiten abweichen, nehmen sie auch eine konstante Dosis Bisphenol A zu sich. Und gerade die Langzeitbelastung mit der Chemikalie halten die Wissenschaftler aus Exeter für problematisch.

Eine Babyflasche mit Kennzeichnung (Foto: DW)

Wer Bisphenol vermeiden will, muss auf Kennzeichnungen achten
Foto: DW

Expertenmeinungen sind nicht eindeutig

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, hat eine Höchstdosis von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag festgelegt. Bisphenol A sei nur kurze Zeit im Körper, bevor es über den Urin ausgeschieden werde und deshalb ungefährlich – so die Begründung. Doch wie stark es in dieser kurzen Zeit in den menschlichen Organismus eingreift, weiß bislang niemand wirklich genau. Deswegen raten viele Wissenschaftler zur Vorsicht und empfehlen, Bisphenol A nicht mehr dort zu verwenden, wo Mensch und Umwelt ständig mit der Chemikalie in Kontakt kommen. Wer die Berührung mit Bisphenol A vermeiden will, sollte auf mögliche Produktkennzeichnungen achten. Oder zum Beipspiel statt Plastikflaschen Flaschen aus Glas benutzen.

Autor: Irene Bräuninger (Online-Fassung: Maria Lesser)

Redaktion: Judith Hartl

Diesen Beitrag sehen Sie in der aktuellen Ausgabe von Projekt Zukunft, dem Wissenschaftmagazin auf DW-TV

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