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Asien

Bedroht in Afghanistans Männergesellschaft

Erneut ist eine Frauenbeauftragte in Afghanistan ermordet worden. Aktivistinnen kritisieren die Regierung in Kabul und fordern mehr internationale Unterstützung für die Rechte der Frauen in Afghanistan.

Immer wieder werden in Afghanistan Frauen zur Zielscheibe von Attentaten. Bei den Opfern handelt es sich nicht nur um Frauenrechtlerinnen und Frauenbeauftragte, vielen wird zum Verhängnis, dass sie einfach in der Öffentlichkeit stehen oder auch nur einen Beruf ausüben. Die Liste der Opfer ist lang: Schuldirektorinnen, Lehrerinnen, Rechtsanwältinnen, Polizistinnen, Radiomoderatorinnen, Parlamentsabgeordnete - Dutzende afghanische Frauen sind im vergangenen Jahrzehnt brutal ermordet worden. Die Täter kommen nicht nur aus den Reihen der Taliban und anderer radikal-islamistsicher Organisationen, sondern auch aus den eigenen Familien.

In der afghanischen Verfassung ist festgeschrieben, dass "alle afghanischen Bürger, egal ob Mann oder Frau, die gleichen Rechte und Pflichten vor dem Gesetz haben". Doch in der Realität ist Afghanistan immer noch eine von Männern dominierte, tief konservative Stammesgesellschaft.

Modernisierung und traditionelle Rolle

Nadschia Seddiki, Frauenbeauftragte der Provinz Laghman, bei einer Rede (Foto: DW)

Die Frauenbeauftragte der Provinz Laghman, Nadschia Seddiki, wurde von Unbekannten erschossen

Dennoch hat sich für afghanische Frauen in den vergangenen Jahren vieles verbessert, vor allem in den Städten. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist zurückgegangen. Mehr als 2,5 Millionen Mädchen gehen inzwischen zur Schule, mehr als jemals zuvor. Frauen studieren, Frauen arbeiten, und einige wenige Frauen sitzen im Parlament. Die Parlamentsabgeordnete Fawzia Koofi hält massive Unterstützung von außen für nötig, damit diese positiven Entwicklungen nicht abgewürgt werden. Schließlich sei es ganz einfach, die neuen Rechte für Frauen und Mädchen wieder zurückzunehmen, denn "Frauen machen keinen Ärger, Frauen kämpfen nicht, Frauen zerstören das Land nicht." Frauen seien in der von Männern dominierten Gesellschaft Afghanistans stets nur das zweite Geschlecht, so die Abgeordnete Fawzia Koofi.

Porträt der afghanischen Abgeordneten Fawziah Koofi (Foto: AP)

Die Abgeordnete Fawziah Koofi fordert mehr Unterstützung durch das Ausland

Auch Sima Samar, die Vorsitzende der Afghanischen Menschenrechtskommission, vermisst einen systematischen politischen Schutz für Frauen und ihre Einbeziehung beim Aufbau des neuen Staates. Das gelte für die afghanische Regierung von Präsident Hamid Karsai, aber auch für die in Afghanistan engagierten westlichen Staaten. "Die Männer wurden eben zuerst gemacht, darum sind sie wichtiger als wir Frauen", urteilt die Chefin der afghanischen Menschenrechtskommission sarkastisch.

Sie lebt mit permanenten Todesdrohungen, hat Freundinnen und Weggefährtinnen durch Anschläge verloren. Sima Samar prangert das afghanische Justizsystem an und fragt: "Wenn sich eine Frau aus Not verbrennt, wer ist dann dafür verantwortlich? Etwa niemand, weil sie sich selber angezündet hat?" Afghanistans Gesetze und Rechtsprechung böten Frauen keinen Schutz, sagt die Menschenrechtlerin, und fügt hinzu: "Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, unabhängig von Volkszugehörigkeit, Stammesrecht oder Religion."

"Männer mit Waffen werden hofiert"

Porträt von Sima Samar (Foto: dapd)

Die afghanische Menschenrechtlerin Sima Samar wurde mit dem Alternativen Nobelpreis 2012 ausgezeichnet

Mary Akrami engagiert sich seit 1999 für die Ausbildung und den Schutz von Frauen in Afghanistan. Ihre Hilfsorganisation bietet Frauen Zuflucht, die von zu Hause weglaufen sind, weil sie nicht zwangsverheiratet oder nicht länger vergewaltigt oder misshandelt werden wollen. Solche Frauen schweben in Lebensgefahr, weil sie angeblich die Ehre der Familie beschmutzen. Auch Mary Akrami verlangt mehr Unterstützung für die Rechte der Frauen in Afghanistan: "Sobald ein Mann eine Waffe hat, wird er von den stärksten Mächten der Welt hofiert. Die afghanischen Frauen werden von niemandem hofiert." Alphabetisierungskurse reichten nicht aus, um die Frauen in Afghanistan vor Gewalt zu schützen und ihre Rechte durchzusetzen. "Die Frauen dieses Landes sind stark und bereit zu kämpfen, aber wir brauchen Solidarität", fordert Mary Akrami.

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