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Politik

Bedrohliche Situation für Bundeswehr in Afghanistan

Die Situation für die deutschen Soldaten in Afghanistan ist kritisch. Das machte Bundesverteidigungsminister Struck bei seinem Besuch der Truppe deutlich und betonte, er rechne mit weiteren Anschlägen.

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Struck will Soldaten nicht in Kampf gegen Drogenbarone schicken

Die Auslandseinsätze der Bundeswehrsoldaten sind lebensgefährlich. Das hat Bundesverteidigungsminister Peter Struck gerade in jüngster Zeit immer wieder betont. Als ob es eines Beweises bedurft hätte, war am Samstagabend (27.8.2005) kurz vor seinem Truppenbesuch im Feldlager des deutschen Wiederaufbauteams im nord-afghanischen Feisabad eine Granate eingeschlagen.

Noch mehr Anschläge vor der Wahl?

Im Gespräch mit dem Lagerkommandeur von Feisabad, Oberst Peter Baierl, hat der Minister am Montag (29.8.2005) erfahren, dass nur durch Glück kein Soldat verletzt oder gar getötet wurde. Das mit sieben Mann belegte Zelt war zum Zeitpunkt, als das Geschoss einschlug, leer. Baierl zog umgehend Konsequenzen und befahl die Verlegung aller Soldaten ins "gehärtete Gebäude", die jetzige Küche. Insgesamt sei die Sicherheitslage "teilweise unruhig und nicht stabil", bilanziert Baierl.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (l) begrüßt am Montag (29.08.2005) afghanische Soldaten in Kundus (Afghanistan)

Struck im Gespräch mit afghanischen Soldaten

Auch Struck spricht von einer "bedrohlichen Situation". Vor der Wahl zum ersten demokratischen afghanischen Parlament am 18. September 2005 sei mit weiteren Anschlägen der afghanischen Drogenbarone und Warlords gegen ausländische Soldaten zu rechnen. "Man muss sich schon Sorgen machen um die Sicherheit unserer Soldaten", sagt Struck.

400 deutsche Soldaten trotzen den Warlords

Die deutschen Soldaten der beiden Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in Feisabad und Kundus, denen der Verteidigungsminister kurz vor der Bundestagswahl einen Besuch abstattet, gehören zu den abgeschiedensten Außenposten seines Einflussbereiches.

Seit einem Jahr sind die deutschen Soldaten in Feisabad stationiert, seit zwei Jahren im 240 Kilometer entfernten Kundus. Der Auftrag der gut 400 deutschen Soldaten: die Macht der Kabuler Zentralregierung in den fernen Provinzen festigen, die Sicherheit gewährleisten, den Wiederaufbau flankieren. Es soll also kein Kampfeinsatz sein, eher eine Art bewaffnete Entwicklungshilfe. Ohne die ausländischen Soldaten würde Afghanistan schnell in die Hände von Warlords, Drogenhändlern und Taliban fallen, warnt Struck.

Deutschen halten sich raus

Mohnanbau in Afghanistan

Deutsche Soldaten treffen bei ihren Rundgängen häufig auf Opium-Anbaugebiete

Das Mandat für die deutschen Truppen in Afghanistan endet am 13. Oktober 2005. Dann muss der neu gewählte Bundestag erneut darüber abstimmen. Das Bundestagsmandat soll von derzeit 2250 auf 3000 Soldaten aufgestockt werden. Aus dem heiklen Kampf gegen den Drogenanbau sollen sich die deutschen Soldaten aber nach dem Willen der Bundesregierung heraushalten. "Dabei soll es auch bleiben", sagt Struck.

Dafür müssen die deutschen Soldaten aber ihre Augen regelrecht verschließen, denn zwischen den Bundeswehrstandorten Kundus und Feisabad liegt eines der weltweit größten Anbaugebiete der Opiumpflanze Mohn, aus der Heroin gewonnen wird. 87 Prozent des weltweit produzierten Rohopiums kamen 2004 laut Angaben der UNO aus Afghanistan.

Kabul führt Kampf gegen Mohnanbau allein

Doch Verteidigungsminister Struck weiß: Sollte das Einsatzmandat der deutschen Truppen auf die Rauschgiftbekämpfung ausgeweitet werden, stellten sich die Soldaten in die Schusslinie der mächtigen Drogenbarone und ihrer bewaffneten Helfer. Trotzdem seien die Deutschen keineswegs untätig, betont Struck: Die Drogenbekämpfung sei eine "nationale Aufgabe der afghanischen Armee", die Deutschen leisteten "logistische Unterstüzung". (ana)

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