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Wissen & Umwelt

Bedenklich: Barbie und ihr digitales Makeover

Die neue "Hello Barbie" kann sich mit unseren Kindern unterhalten - sie speichert die Gespräche und Geräusche aber auch in der Cloud ab. DW hat mit dem Entwickler über mögliche Gefahren gesprochen.

Der Spielzeughersteller Mattel hat sich mit dem Startup ToyTalk zusammengetan, um eine interaktive Barbie-Puppe zu entwickeln, die mit einem Mikrofon, einem Lautsprecher, und einer Wi-Fi-Schnittstelle ausgestattet ist.

Dank der Spracherkennungssoftware von ToyTalk soll die neue Barbie richtige Gespräche mit den Kindern führen können. Dafür werden die Audiodaten via WLAN in eine Cloud übertragen. Kritiker befürchten nun, dass dies Hacker - oder sogar Menschen mit anderen, bösen Absichten - geradewegs den Weg ins Kinderzimmer ebnen könnte.

DW: "Hello Barbie" kann Kindern bei deren Unterhaltungen zuhören und - auch nach einer Weile - sich wieder darauf beziehen. Können Sie kurz erklären, wie diese Technik funktioniert?

Oren Jacob: Nehmen wir an, Sie spielen ein Spiel auf Ihrem Smartphone und das System merkt sich den aktuellen Spielstand - in welchem Level Sie gerade sind, oder welchen Charakter Sie zum Beispiel ausgewählt haben. Das ist heute bei fast allen Handys so - bei Candy Crush Saga oder Angry Birds etwa. Und dieses Konzept können Sie eben auch einsetzen, um sich an die Lieblingsfarbe eines Kindes zu erinnern, oder an das Lieblingseis, den Kuchen oder an den liebsten Urlaubsort. All diese Dinge kann man dann später wieder abrufen.

Barbie stellt den Kindern Fragen zu ihren Wünschen, was sie begeistert oder wovon sie träumen - und gleichzeitig antwortet sie auch und bleibt in ihrer Rolle.

Das Kind führt also mit der Puppe ein ganz normales Gespräch, und diese Informationen werden dann über eine WLAN-Verbindung ins Internet übertragen?

Wenn das Kind Barbies Gürtelschnalle drückt und sagt "Hi Barbie, how are you?", wird das Mikrofon aktiviert. Dann wird das Audio via WLAN an einen unserer Server geschickt.

Oren Jacob (Foto: Toytalk).

Oren Jacob ist der Geschäftsführer von ToyTalk in San Francisco

Und die ToyTalk-Server versuchen dann, das Audio als Sprache zu erkennen. Wir tun unser Bestes, um den Satz und die Sprache des Kindes richtig zu verstehen. Dann entscheiden wir, ob Barbie guter Laune ist - und wie sie darauf reagieren soll. Barbies Antwort nimmt dann denselben Weg zurück durchs Internet, und durch ihren Lautsprecher hört man sie dann sagen: "Hi I'm fine, how are you today?"

Also wenn das Kind mit der Puppe redet, wird die Sprache analysiert, und ein Algorithmus - die Software - generiert daraufhin die Antwort?

Die Software wählt eine Antwort aus, von denen, die wir bereits aufgenommen und gespeichert haben. Und das macht den Unterschied zu Siri und Google oder jetzt Cortana, die das Web durchsuchen und eine passende Textantwort durch die automatische Sprachausgabe wiedergeben, die ein bisschen wie ein Roboter klingt. Das machen wir nicht so.

Alles was Barbie sagt, wurde im Voraus extra aufgenommen. Durch den Algorithmus entscheidet sich dann - je nach Situation - welche Antwort diese bestimmte Barbie in der Unterhaltung zurückschickt.

Was wird denn alles in der Cloud gespeichert?

Die Audio-Aufnahmen von den Kindern selbst werden gespeichert. Damit wollen wir die Spracherkennung für Kinder in Zukunft verbessern. Und das sind auch die Daten, über die die Eltern die Kontrolle haben. Denn wenn Sie mit Hello Barbie starten, muss ein Elternteil einen passwortgeschützten Account anlegen. Da werden alle Daten gespeichert.

Als Eltern können Sie dann hören, was Ihr Kind in der vergangenen Woche zu Barbie gesagt hat. Die meisten Eltern tun das auch - und haben dabei einen Heidenspaß, weil es sehr lustig ist, was die Kinder so alles von sich geben.

Ist denn die Sorge über Hacker begründet? Oder noch schlimmer: über pädophile Hacker. Ist das überhaupt möglich?

Alles ist theoretisch möglich. Aber keiner von Barbies Inhalten ist auf dem Gerät gespeichert. Sie liegen in unserer Cloud, und die ist ein relativ sicherer Ort. Hier wäre eine ziemlich ausgeklügelte Methode erforderlich, um dort hineinzukommen. Alle Übertragungen - zu der Puppe und von der Puppe, laufen über sichere HTTPS-Verbindungen.

Und die Eltern haben jederzeit Kontrolle über diese Daten. Also alles, was ihnen nicht gefällt, können sie löschen - und dann es ist weg. Alles in allem ist das ein ziemlich sicheres System. Datenschutz und Sicherheit ist unser oberstes Gebot.

Was ist der nächste Schritt, wenn Hello Barbie richtig funktioniert?

Barbie (Foto: Toytalk).

Hello Barbie - eine Ersatzfreundin?

Es gibt noch eine Menge Arbeit, um solche situationsbedingten Gespräche, richtig zu programmieren. Und das war auch der eigentliche Grund, aus dem wir das Unternehmen gegründet haben. Hello Barbie ist das erste große Produkt, das mit dieser Absicht entstand.

Weitere Sprachen - über Englisch hinaus zu lernen - wird der nächste große Schritt nach vorn: Mandarin, Spanisch, Deutsch, Hindi, Hebräisch ... es könnten 40 Sprachen innerhalb der nächsten Jahre werden.

Die großen Technologieunternehmen, die in den Vereinigten Staaten daran arbeiten, haben schon einen guten Standard bei Erwachsenen erreicht. Bei mobilen Geräten ist diese Funktion schon sehr ausgereift. Aber bei Kindern ist das noch nicht der Fall. Deren Sprache ist anders. Und das genauso für Kinder zu entwickeln, wird noch mal eine Weile dauern.

Sie erwähnten die Entwicklung des Charakters. Wie ist Barbie denn eigentlich?

[Lacht] Barbie ist lustig, eifrig und sie ist sicherlich neugierig. Und Barbie hat auch ein paar Ansichten zu bestimmten Dingen. Es hat Spaß gemacht mit anzusehen, wie das Autorenteam bei Mattel wirklich anfangen hat, sich in den Charakter hineinzuversetzen. Es ist eine moderne Methode, junge Mädchen und Jungs mithilfe von Barbie positiv zu beeinflussen. Das ist eine spannende Entwicklung.

Oren Jacobs ist Geschäftsführer von ToyTalk in San Francisco. Die "Hello Barbie" soll 75 US-Dollar (67 Euro) kosten und wird ab Herbst 2015 erhältlich sein.

Das Interview führte Sonya Angelica Diehn.