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Amerika

Beben am Feuergürtel

Innerhalb weniger Tage haben Erdbeben die Pazifikküste erschüttert - in Kalifornien und im Südwesten Perus. Sind es die Vorboten eines schlimmen Bebens, das Bewohner und Experten schon seit langem befürchten?

Seit Generationen sitzt den Kaliforniern die Angst im Nacken: vor "The Big One", dem großen Beben. Mit den Erdstößen vom Sonntagmorgen ist sie wieder hochgekrochen. "Ich dachte, jetzt kommt es", ist in Tweets aus San Francisco zu lesen. "Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht, und immer wenn es länger als zehn Sekunden bebt, denkst du: Jetzt ist es soweit", sagte ein Einheimischer dem Sender CNN.

"The Big One" steht in Kalifornien für ein Schreckensszenario wie beim Erdbeben im Jahr 1906. Es legte San Francisco mit einer geschätzten Stärke von 7,8 auf der Richterskala in Trümmer und kostete 3000 Menschen das Leben. Seither bangen die Bewohner im Südwesten der USA bei jedem größeren Erdbeben, zuletzt im April 2014, dass es die Vorboten einer verheerenden Erschütterung wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts sein könnten.

Zusammenhang im "Feuerring" nicht nachgewiesen

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 46 Prozent wird es innerhalb der kommenden 20 Jahre in Kalifornien ein schweres Erdbeben geben, mit einer Stärke von mindestens 7,5. Das sagen Geologen des südkalifornischen Erdbebenzentrums voraus - orientiert haben sie sich dabei an der Regelmäßigkeit bisheriger starker Beben. Von den Erdbeben der jüngeren Zeit lasse sich trotzdem nicht auf das Herannahen des nächsten "Big One" schließen, sagt Rainer Kind, Erdbebenforscher vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam: "Leider kann man da keine Vorhersagen machen, das ist immer noch ausgeschlossen."

Mann vor einem vom Erdbeben zerstörten Haus in Napa, Kalifornien - Foto: Justin Sullivan (Getty Images)

Erdbebenschäden in Napa (Kalifornien): "Nicht so schlimm, wie es hätte kommen können"

Wenige Stunden, nachdem in Kalifornien an diesem Sonntag die Erde mit einer Stärke von 6,0 bebte, wurde sie in der ländlichen Gegend im Südwesten Perus mit einer Stärke von 6,6 erschüttert. Schon am Samstag hatte es Berichte über ein Beben im chilenischen Valparaíso gegeben. Auch hier ist Experte Rainer Kind zurückhaltend mit Zusammenhängen: "Dass einzelne Beben über Tausende Kilometer Entfernung miteinander in Verbindung stehen, lässt sich bisher auf keinen Fall beweisen."

Was alle drei aktuellen Erdbebenregionen miteinander verbindet, ist die Lage am so genannten "Feuerring". Das ist ein rund 40.000 Kilometer langer Gürtel an den Küsten des Pazifiks. Er verläuft von Feuerland bis Alaska über Japan bis Südostasien - in der Mitte die pazifische Platte, die sich an mehreren Kontinenten reibt. In dieser Zone liegen fast 90 Prozent der weltweit rund 1500 aktiven Vulkane, und 90 Prozent der Erdbeben treten dort auf. "Entlang der gesamten Küste von Mexiko bis Südchile schiebt sich beispielsweise die ozeanische Platte unter den Kontinent - sie ist allerdings aufgeteilt in mehrere Einzelplatten, die sich auch unabhängig voneinander verschieben", so Rainer Kind. Deswegen könne man gleichzeitige Beben in unterschiedlichen Gebieten nicht miteinander in Verbindung bringen.

Verwerfung unter dem Sunset-Boulevard

Erdbeben in Peru 2007 - Foto: Carlos Lezama (AFP)

Erdbeben in Peru 2007: Hunderte Menschen verschüttet

Die Folgen des Bebens in Kalifornien seien "nicht so schlimm, wie es hätte kommen können", sagte der Direktor der Rettungsdienste Mark Ghilarducci am Tag danach. Rund 150 Menschen liegen zur Behandlung in Krankenhäusern, der Sachschaden wird auf rund 760 Millionen Euro beziffert. Der Potsdamer Erdbebenforscher Rainer Kind ist indessen erstaunt über das Ausmaß der Zerstörung: "Vermutlich hängt es damit zusammen, dass das Beben nahe der Bucht von San Francisco war. Dort gibt es viele Schlamm-Ablagerungen und Aufschüttungen - diese schwachen Erdschichten werden leicht in große Schwingung versetzt und können starke Zerstörung hervorrufen." Allgemein werde in Kalifornien viel für den Erdbebenschutz getan, vor allem in Sachen sicherer Bauweise. Dennoch sind viele Siedlungen in der Region auf tektonischen Verwerfungen gebaut und stehen damit in einer besonderen Gefahrenzone - zum Beispiel Downtown Los Angeles oder der berühmte Sunset-Boulevard.

In Peru sind nach offiziellen Angaben durch das Erdbeben keine Menschen ums Leben gekommen. Es lief damit deutlich glimpflicher ab als das Beben im Jahr 2007 - erst Mitte August hatte das Land der 496 Menschen gedacht, die damals in der Region Ica von den Trümmern begraben wurden.