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Aktuell Deutschland

Beate Zschäpe will im NSU-Prozess aussagen

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe will im NSU-Prozess ihr Schweigen brechen. Ihr Anwalt teilte mit, er werde für seine Mandantin am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München eine Erklärung verlesen.

Zschäpes Rechtsanwalt Mathias Grasel bestätigte damit einen Bericht von "Spiegel Online". Er wollte keine Angaben machen, ob Zschäpe im Anschluss an die von ihm verlesene Erklärung auch zu Antworten auf Nachfragen bereit ist. Auch zum Inhalt der geplanten Aussage machte er keine Angaben.

Grasel vertritt Zschäpe erst seit Juli als vierter Verteidiger. Das Verhältnis zu ihren anderen drei Verteidigern gilt als zerrüttet. Nach der Nachberufung des Münchner Verteidigers hatte es bereits Spekulationen geben, Zschäpe könnte ihr Schweigen beenden.

Aussage schon länger geplant

Zschäpe mit Verteidiger Grasel

Zschäpe mit Verteidiger Grasel

"Spiegel Online" berichtet, dass bereits seit Wochen feststeht, dass Zschäpe aussagen will. Demnach sollen auch die zuständigen Richter Bescheid gewusst haben. Zschäpes Altverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm, waren in die Pläne nicht eingeweiht, schreibt "Spiegel Online" weiter.

Der eigentliche Termin der Aussage hätte bereits Ende Oktober sein sollen, er wurde aber verschoben. Zschäpe habe den Termin für ihre Aussage bis zuletzt geheim halten wollen. Unter anderem habe sie so verhindern wollen, dass die Hinterbliebenen der Opfer und die Überlebenden der Anschläge des NSU extra nach München anreisen.

Langes Schweigen

Ihre Altverteidiger Heer, Stahl und Sturm hatten das Schweigen für die beste Verteidigungsstrategie gehalten. Offenbar hat Zschäpe erst durch Grasel und den im Hintergrund agierenden Strafverteidiger Hermann Borchert die Unterstützung bekommen, die sie brauchte, um ihre Aussage tatsächlich in Angriff zu nehmen, so "Spiegel Online". Dass sie unter ihrem Schweigen leidet, habe Zschäpe im März 2015 einem psychiatrischen Gutachter anvertraut.

Die Angeklagte hatte sich zweieinhalb Jahre und 240 Verhandlungstage nicht zu den Vorwürfen gegen sie geäußert. Die 40-Jährige steht zusammen mit fünf Helfern des rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vor Gericht. Sie ist wegen Mittäterschaft an den zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und mehr als ein Dutzend Banküberfällen angeklagt, die der NSU-Zelle vorgeworfen werden. Zschäpe hatte sich nach dem mutmaßlichen Suizid ihrer Komplizen Uwe Böhnhard und Uwe Mundlos im November 2011 der Polizei gestellt. Ihr drohen eine lebenslange Freiheitsstrafe, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und möglicherweise Sicherungsverwahrung.

Angehörige und Opfer kündigten bereits ihr Kommen an

Die Ombudsfrau für die Opfer des NSU, Barbara John, erwartet von Zschäpe nun ein Zeichen der Reue gegenüber den Angehörigen. "Ich hoffe, dass sie nicht nur an sich denkt, sondern auch an die Familien", sagte die von der Bundesregierung eingesetzte Ombudsfrau der Nachrichtenagentur AFP. Sie wisse von ihren vielen Begegnungen mit den Familien der Hinterbliebenen und mit den Opfern der zwei dem NSU zugeschriebenen Bombenanschläge, wie wichtig diesen eine Antwort auf die Frage nach dem Warum der Taten sei.

"Sie würde die Familien befreien von einer bohrenden Frage, wenn sie auch sagt, warum es gerade die ermordeten Opfer getroffen hat." Die Familien fragten sich, warum ausgerechnet ihr Vater, ihr Ehemann, ihr Bruder oder ihre Tochter getötet worden seien. "Das ist für die Familien eine große Belastung. Dieses Dunkel könnte sie erhellen", sagte John.

Das Büro der Ombudsfrau informierte laut John umgehend nach Bekanntwerden der Aussagebereitschaft Zschäpes die Familien der NSU-Opfer. Trotz des kurzfristigen Termins kündigten laut John die Familien von sechs Ermordeten an, am Mittwoch zum Oberlandesgericht München kommen zu wollen. Außerdem hätten fünf der von den Kölner Bombenanschlägen betroffenen Opfer ihr Kommen angekündigt, sagte John.

chr/cr (Spiegel Online, afp, dpa)