Beate Uhse ist pleite | Wirtschaft | DW | 15.12.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Beate Uhse ist pleite

Sex sells - auf dieses Motto konnte sich der Erotikhändler Beate Uhse seit mehr als 70 Jahren verlassen. Doch seit längerem stockte das Geschäft mit Schmuddelfilmen, Dildos und Dessous. Nun kommt die Teil-Insolvenz.

Mit Erotik hat die jüngste Entscheidung des Traditionshauses Beate Uhse wenig zu tun. Man wolle Insolvenz beantragen, heißt es aus der Unternehmenszentrale in Flensburg. "Der Vorstand der Beate Uhse AG, Michael Specht, hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Sanierung der gesamten Gruppe in Eigenverwaltung nachhaltig umzusetzen."

Die Insolvenzanmeldung betreffe aber ausschließlich die Beate Uhse AG in ihrer Funktion als Holding, für die Tochtergesellschaften der Beate Uhse AG werde keine Insolvenz beantragt. "Damit halten die operativen Gesellschaften in Deutschland und den Niederlanden ihren Geschäftsbetrieb uneingeschränkt aufrecht und die Handlungsfähigkeit wird gesichert."

Lange Problemliste

Das Unternehmen wurde 1946 von Beate Uhse gegründet und hat heute nach eigenen Angaben 345 Mitarbeiter in sieben Ländern. Seit Mai 1999 ist die Aktie an der Frankfurter Börse gelistet. Dass Beate Uhse in größeren Schwierigkeiten steckt, war schon länger bekannt. Das Unternehmen kämpft mit Imageproblemen, rückläufigen Umsätzen und anhaltenden Verlusten. Vor allem die Konkurrenz im Internet macht zu schaffen. Die Zahl der Filialen ist in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Aktuell sind es bundesweit noch 43. Das Erotik-Unternehmen ist auch online vertreten.

Beate Uhse Galerie (imago)

Beate Uhse war eine deutsche Pilotin und Unternehmerin. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie den Erotikhänlder. 2001 verstarb sie im Alter von 82 Jahren.

Beate Uhse hatte zum wiederholten Mal die Vorlage des Jahresberichts für 2016 verschieben müssen und Umsatz- und Gewinnprognosen nach unten korrigiert. Die Bilanz sollte nunmehr an diesem Freitag vorgelegt werden. Die Finanzaufsicht BaFin hat Beate Uhse bereits Zwangsgelder in Höhe von 220.000 Euro angedroht, weil das Unternehmen Hinweispflichten einer Aktiengesellschaft nach dem Wertpapierhandelsgesetz verletze. 

Konkreter Hintergrund des Insolvenzantrags sind nun aber gescheiterte Bemühungen, eine Umschuldung im Zusammenhang mit einer Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro zu erreichen. Die Anleihe hätte im Sommer 2019 zurückgezahlt werden müssen und ist mit 7,75 Prozent hochverzinst. Nun habe es aber keine Einigung mit den Gläubigern geben können. Daher habe die Zahlungsunfähigkeit der Beate Uhse AG gedroht. Mit Blick auf das angestrebte Insolvenzverfahren sagte Specht: "Wir haben damit einen Weg eingeschlagen, bei dem wir sehr zuversichtlich sind, die Unternehmensgruppe als Ganzes sanieren zu können."

nm/zdh (dpa, rtr, afp)

 

Die Redaktion empfiehlt