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Politik

"Beam me up!"

Der demokratische Abgeordnete James Traficant aus Ohio hat in den letzten Jahren keinen Fettnapf ausgelassen und soll nun aus dem Kongress geschmissen werden. Udo Bauer über den Rudolf Scharping von Washington D.C..

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Einen Rücktritt lehnt er ab, Traficant sucht den Showdown - im Gegensatz zu Rudolf Scharpings Fall ist Unterhaltungswert garantiert. "Wahrscheinlich werden sie mich rausschmeißen, ich kann es ihnen nicht verübeln." Das war die erste Reaktion von James Traficant, nachdem ein Ethikausschuss des Repräsentantenhauses ihn vergangene Woche schuldig gesprochen hatte. Für die Ausschussmitglieder ist Traficant schlichtweg ein untragbarer und noch dazu korrupter Politiker, andere halten ihn für einen schrägen Vogel, schrill und immer provokativ. Für den kleinen Rest ist er schlichtweg Kult.

Das liegt zunächst einmal an seiner äußeren Erscheinung: Seine Garderobe ist bewusst billig, frühe 70er Jahre, seine Anzüge stonewashed und hauteng, sein Haar sieht aus wie mit dem Schneebesen frisiert. Und dann sind da natürlich auch noch seine Redebeiträge, mit denen er seit fast 18 Jahren den Kongress beglückt. Sie sind selten länger als eine Minute, dafür aber gespickt mit Beschimpfungen, vor allem gegen seinen Lieblingsfeind, die US-Steuerbehörde IRS (O-Ton Traficant: "Internal Rectal Service"). In jede Rede gehört außerdem obligatorisch das Captain Kirk-Zitat "Beam me up!"

Mit Messern und Bomben

Die Reporter von Capitol Hill lieben James Traficant. Er ist zwar ein politisch unbedeutender Hinterbänkler, aber immer für einen frechen Spruch gut. Nach der Verurteilung durch die Sittenwächter des Kongresses fragten sie ihn, was er denn jetzt zu tun gedenke. Seine Antwort: "Ich besorge mir jetzt jede Menge Messer und Bomben und kämpfe mich hier raus. Dann schnappe ich mir ein Schwert und steche jedem in die Eier!"

Woher er diesen Humor nimmt, ist allen ein Rätsel, denn er wird in dieser Woche vom Plenum des Repräsentantenhauses wohl mit Schimpf und Schande aus dem Kongress gejagt, und Ende des Monats droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren wegen Korruption und Machtmissbrauchs. Er hatte unter anderem seine Kongress-Mitarbeiter zu Arbeiten auf seiner Farm und seinem Boot verpflichtet.

Wie John Wayne

Der 61-jährige ehemalige Sheriff aber ist fest entschlossen, seinen letzten Auftritt vor dem Kongress in dieser Woche zum Showdown eskalieren zu lassen. Zitat: "Ich gehe zu meiner Hinrichtung wie Willie Nelson oder John Wayne und ich werde das hohe Haus besudeln und beschimpfen." Und dann will Traficant der erste Amerikaner werden, der seinen Wahlkreis aus dem Knast heraus vertritt. Bisher hatten die Wähler in Ohio ihn immer mit bis zu 70 Prozent der Stimmen in den Kongress gewählt. Dass er jetzt tatsächlich wiedergewählt wird, daran glaubt er wohl selber nicht. Oder doch? Beam me up!

  • Datum 22.07.2002
  • Autorin/Autor Udo Bauer
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2V2a
  • Datum 22.07.2002
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