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Wirtschaft

BayernLB streicht mehr als ein Viertel der Stellen

Die zweitgrößte deutsche Landesbank steht vor einem radikalen Umbau. Das Auslandsgeschäft soll zurückgefahren werden, 5600 der insgesamt 19.200 Arbeitsplätze fallen weg.

Zentrale der BayernLB in München

BayernLB streicht 5600 Stellen

Der Stellenabbau solle bis zum Jahr 2013 abgeschlossen werden, kündigte BayernLB-Chef Michael Kemmer am Montag (01.12.2008) in München an. Dabei seien auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. "Das ist ein schmerzhafter Schritt für die Mitarbeiter, aber letztlich unumgänglich", sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU). Die Bank muss im Zuge der Finanzkrise Belastungen von weit mehr als fünf Milliarden Euro verkraften.

"Eine andere Bank"

Nach dem Konzernumbau will sich die Bank künftig auf Bayern, Deutschland und ausgewählte Regionen in Europa konzentrieren. Die Auslandsaktivitäten werden zurückgefahren, das umstrittene Investmentgeschäft fällt ganz weg.

Michael Kemmer, Vorstandsvorsitzender der BayernLB

Vorstandschef Michael Kemmer muss den Personalabbau managen

"Die BayernLB wird nach der Restrukturierung und Redimensionierung eine andere Bank sein", sagte Kemmer. Mit dem Ausstieg aus vielen anderen Bereichen werde sich das Geschäft der Bank um rund ein Drittel reduzieren. Künftig ruhe das Geschäftsmodell auf den Säulen Mittelstand, Großkunden, gewerbliches Immobiliengeschäft und Privatkunden. Im Mittelpunkt soll die Zusammenarbeit mit den Sparkassen stehen, die im Zuge des Umbaus ihren Anteil an der BayernLB deutlich reduzieren. Bisher halten sie die Hälfte der Anteile, die andere Hälfte liegt in den Händen des Freistaats Bayern.

Mit einer Finanzspritze von 10 Milliarden Euro will die Landesregierung dem angeschlagenen Institut nun unter die Arme greifen, wie Finanzminister Fahrenschon (CSU) am Montag (01.12.2008) ankündigte. Durch die Kapitalerhöhung steigt der Anteil des Freistaats Bayern an der Landesbank auf mehr als 80 Prozent. Zusätzlich gewähre der Bund Garantien in Höhe von 15 Milliarden Euro.

Rückzug aus dem Ausland

Insgesamt will die BayernLB in den kommenden Jahren rund 670 Millionen Euro in der Verwaltung sparen. Neben dem Personalabbau ist daher vorgesehen, das Auslandsgeschäft zurückzufahren. Aus Asien will sich die BayernLB komplett zurückziehen, die Niederlassungen in Hongkong, Schanghai, Peking, Tokio und Bombay werden geschlossen, ebenso der Stützpunkt Mailand. Die Zweigstellen in London und New York sollen den Plänen zufolge "deutlich" verkleinert werden.

Ein Restrukturierungsprogramm ist auch für die Tochtergesellschaft Hypo Group Alpe Adria vorgesehen. Die BayernLB hatte die österreichische Bank 2007 übernommen und damit ihr Engagement in Südosteuropa ausgebaut. Das Geschäft in dieser Region habe ungeachtet der geplanten Restrukturierung auch in Zukunft eine große Bedeutung, hieß es weiter.

Gewerkschaft kritisiert Stellenabbau

Der geplante Stellenabbau trifft derweil auf Widerstand. "Wir sehen unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt", erklärte der Landesbezirksleiter der Gewerkschaft ver.di in Bayern, Josef Falbisoner. Politik und Management hätten bei der Landesbank ein beispielloses Debakel angerichtet. "Aber die einzigen, die jetzt die Konsequenzen zu spüren bekommen, sind die Beschäftigten." Die Gewerkschaft erneuerte ihre Forderung nach einem "Rettungspaket" für die Beschäftigten. Zudem müssten die politisch Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

BayernLB-Zentrale in der Landeshauptstadt München

Verwaltungsrat beschließt Umbau der Landesbank

In einer Krisensitzung hatte der Verwaltungsrat der BayernLB am Samstag (29.11.2008) den Umbau der Landesbank beschlossen. Die Pläne des Gremiums sehen unter anderem vor, dass die Bank ihr Geschäft mit riskanten US-Hypothekendarlehen komplett einstellt. Viele dieser Wertpapiere hatten seit dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise im Sommer 2007 drastisch an Wert verloren.

Die BayernLB hatte in den vergangenen Monaten immer wieder neue Belastungen aus der Krise gemeldet. Zuletzt war Ende November bekannt geworden, dass sich der Kapitalbedarf der Bank auf insgesamt 10 Milliarden Euro beläuft. Gut einen Monat zuvor hatte die zweitgrößte deutsche Bank als erstes Kreditinstitut um Hilfe aus dem staatlichen Rettungsfonds Soffin gebeten. Mit einer Bilanzsumme von zuletzt 415,6 Milliarden Euro ist die BayernLB die siebtgrößte Bank in Deutschland. (fw)

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