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Aktuell Deutschland

Bayern-Sponsoren drängen Hoeneß angeblich zum Rückzug

Jetzt rückt auch noch der Titan von ihm ab. Ex-Bayern-Torwart Kahn hat dem Vereinspräsidenten Hoeneß geraten, die Ämter ruhen zu lassen. Noch schlimmer wäre aber, wenn auch die Sponsoren zu einem ähnlichen Urteil kämen.

In die Steuersache Uli Hoeneß kommt Bewegung. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" haben die Anwälte des Bayern-Präsidenten der ermittelnden Staatsanwaltschaft einen Deal angeboten. Ziel der Verteidiger sei es, ihrem prominenten Mandanten eine Hauptverhandlung und eine drohende Gefängnisstrafe zu ersparen. Nach Informationen des Blattes aus Kreisen der bayerischen Staatsregierung und Justiz soll Hoeneß bereit sein, dafür – neben einer Geldstrafe – eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung zu akzeptieren.

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Die Hoeneß-Steueraffäre

Dann spätestens wäre sowieso das Ende von Uli Hoeneß als Präsident des milliardenschweren FC Bayern München gekommen. Wichtige Aufsichtsräte des Vereins drängen Hoeneß nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ohnehin zum - vorübergehenden - Rückzug von der Spitze des Kontrollgremiums. Wie der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe berichtet, soll Hoeneß sein Amt nach dem Champions-League-Finale am 25. Mai bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lassen. Darauf hätten sich die großen Sponsoren des Vereins - namentlich Adidas, Audi, Volkswagen und die Deutsche Telekom - verständigt. Die Entscheidung soll Hoeneß demnach auf der Aufsichtsratssitzung am Montag selbst bekannt geben.

Zorn der Fans

Ursprünglich hätten die Chefs der vier Konzerne einen noch früheren Rückzug angestrebt, diesen dann aber wegen des Einzug ins Champions-League-Finale und einer Sympathiewelle für den Bayern-Boss verworfen, heißt es in dem Bericht. Demnach fürchteten die Unternehmen, sich sonst den Zorn der Fans zuzuziehen. Laut "Spiegel" wollen die Bayern-Aufsichtsräte Hoeneß den schwierigen Schritt aber schmackhaft machen, indem sie ihm die Tür für eine Rückkehr offen halten: Sollte die Staatsanwaltschaft seine Selbstanzeige anerkennen und die Affäre mit der Nachzahlung der Steuern samt Zuschlag zu den Akten legen, soll Hoeneß sein Amt wieder übernehmen können.

Optimistischer Blick: Oliver Kahn in seiner Zeit im Tor (Foto: ddp)

Oliver Kahn, Ex-Kapitän der Nationalmannschaft und der Bayern-Elf

Auch der langjährige Bayern-Leistungsträger Oliver Kahn kann sich diesen Weg vorstellen. "Für ihn als Mensch ist es schon  richtig, sich ein bisschen zurückzuziehen, bis diese Sache geklärt ist. Und dann kann man ja schauen, je nachdem, wie diese Geschichte  ausgeht, wie es weitergeht", sagte Kahn im Aktuellen Sportstudio des ZDF: "Dieser permanente Druck der Öffentlichkeit kann auch mal über die Kräfte eines Menschen hinausgehen." Der langjährige Bayern-Kapitän zeigte aber nicht nur Mitleid  für den damaligen Klub-Manager, sondern kritisierte auch dessen Vorgehensweise. "Wenn man mal in so einer schwierigen Situation ist, ist es am  besten, gleich sofort am Anfang reinen Tisch zu machen und zu sagen, okay, da gibt es Probleme, das sollte ich mich vielleicht jetzt mal rausnehmen, mich zurückziehen, auch mit Rücksicht auf meine Familie und mich als Mensch", so Kahn.

Immer noch kritische Stimmen zum Verhalten des Fußball-Managers kommen aus der CDU/CSU - vielleicht weil Umfragen zufolge der Steuerfall Hoeneß der Union jüngsten Umfragen zufolge schadet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte der "Bild am Sonntag": "Er hat mehr als großen Mist gebaut. Steuerhinterziehung ist grundsätzlich eine Straftat." Der CDU-Politiker spielte damit an auf das lange Interview, dass die Wochenzeitung "Die Zeit" mit Hoeneß geführt hatte. Dort hatte der frühere Fußballprofi eingeräumt, er habe mit seiner jahrelangen Hinterziehung von Steuern "Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch". Zur Klage von Hoeneß, er schlafe schlecht, sagte der auch in politischen Kreisen als streng geltende Finanzminister: "Ich empfände es als schwierig, wenn Uli Hoeneß sagen würde: Mir geht es prima, ich schlafe bestens."

ml/gmf (dpa SID afp)

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