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Fußball

Bayern kämpft sich ins Halbfinale

Trotz einiger Wackler setzt sich der FC Bayern München im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Benfica Lissabon durch. Die Bayern spielen nicht überzeugend, halten dem Druck der Portugiesen aber stand.

Die Saudade do Portugal, die traurige, wehmütige Seele Portugals, ist legendär - dieses nicht zu beschreibende Gefühl aus Melancholie, Sehnsucht und Schmerz. Auch nach dem Viertelfinal-Rückspiel von Portugals Rekordmeister Benfica Lissabon gegen den FC Bayern München trägt das kleine Land am Atlantik wieder Trauer. Zumindest der Teil der Portugiesen, deren Herz an Benfica hängt. Trauer gemischt mit trotzigem Stolz. Denn trotz einer Energieleistung und 90 Minuten höchsten Einsatzes hat es für die "Adler" nicht gereicht. Nach einer knappen 0:1-Niederlage im Hinspiel, kamen sie im Rückspiel gegen den deutschen Meister nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus. Nachdem der Mexikaner Raul Jimenez die Portugiesen in der 27. Minute in Führung gebracht hatte, glich Arturo Vidal elf Minuten später aus (38.). Kurz nach dem Seitenwechsel sorgte Thomas Müller für das 2:1 (52.). Talisca traf mit einem schönen Freistoß in der 77. Minute zum 2:2-Endstand.

Guardiola schont Lewandowski

In der Hexenkessel-Atmosphäre des mit 66.000 Zuschauern ausverkauften Estadio da Luz verzichtete Bayern-Coach Pep Guardiola zunächst auf seinen gefährlichsten Angreifer, Robert Lewandowksi, und setzte auf defensive Stabilität. Javi Martinez spielte neben Joshua Kimmich im Abwehrzentrum, vorne gab Müller den einzigen echten Stürmer. Benfica verteidigte ebenfalls mit zwei dichten Reihen, so dass es lange dauerte, bis hochkarätige Chancen entstanden. Die Bayern übernahmen zwar die Kontrolle über das Spiel, doch häufig fehlten Präzision und Effektivität. Vor allem über die Außenspieler, Franck Ribery links und Douglas Costa rechts, versuchten die Münchener zum Erfolg zu kommen. Auch Kapitän Philipp Lahm, der zum 103. Mal für den FC Bayern in der Königsklasse auflief, und damit den Rekord von Oliver Kahn einstellte, brachte viele Bälle von rechts in den Strafraum. Allerdings fand er erst in der 19. Minute zum ersten Mal einen Abnehmer. Müller setzte den Ball knapp neben das Tor.

Benfica tat sich ohne seinen gesperrten Top-Torjäger Jonas und den verletzten Regisseur Nicolas Gaitan schwer. Meist ging der Ball schon im Aufbau verloren und es kam erst gar kein Angriff zustande - bis Vidal in der 27. Minute Benfica-Verteidiger Eliseu viel zu viel Platz ließ. Eliseu flankte auf Jimenez, der in zentraler Position von drei Bayern-Spielern umringt wurde, von denen aber keiner an die Flanke herankam. Und auch Torhüter Manuel Neuer patzte: Er lief viel zu weit nach links aus seinem Tor heraus, und hatte keine Chance, den Ball zu erreichen. So sprang das Leder von Jimenez' Stirn ins leere Tor.

SL Benfica vs. FC Bayern Muenchen, Tor Jimenez (Foto: Getty Images/O. Passos)

Raul Jimenez brachte den FC Bayern mit seinem Tor zum 1:0 kurz aus dem Konzept

Das Stadion kochte, die Bayern wirkten leicht geschockt. Drei Minuten später grätschten Xabi Alonso und Kimmich an einer flachen Hereingabe vorbei, aber Neuer hielt den schwachen Schuss von Jimenez diesmal fest. Dann endlich war die Bayern-Taktik erfolgreich: Lahm flankte von rechts, Benficas Torwart Ederson kam heraus, klärte mit einer Faust vor dem einköpfbereiten Müller, und aus dem Rückraum traf Vidal mit einem Volleyschuss aus 18 Metern ins verwaiste Tor.

Schiedsrichter verschont Martinez

Wenige Minuten nach Wiederanpfiff schien das Duell entschieden: Nach einer Ecke legte Martinez den Ball per Kopf ab, Müller fuhr eines seiner langen Beine aus und staubte zum 2:1 ab. Vorrübergehend herrschte im Estadio da Luz gespenstische Stille. Kurz Zeit später hätte Costa das Spiel endgültig entscheiden können, der Brasilianer ließ sich bei einem Alleingang in den Strafraum aber von Landsmann Ederson noch den Ball vom Fuß klauen (54.). Eine Viertelstunde später stand Benficas Torwart erneut im Fokus, als er einen einfachen Ball durch die Hände gleiten ließ und Glück hatte, dass das Leder von seinem Knie noch zur Ecke abgelenkt wurde (72.).

SL Benfica vs. FC Bayern Muenchen, Spielszene (Foto: Getty Images/O. Passos)

Bayern und Benfica schenkten sich nichts - der Einzug ins Halbfinale war für die Münchener hart erkämpft

Anschließend wurde es wieder laut im Estadio da Luz: Martinez war letzter Mann und foulte den durchgebrochenen Goncalo Guedes von hinten, doch Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden zeigte dem Spanier nicht die verdiente Rote, sondern nur die Gelbe Karte (74.). Das Stadion tobte, Benfica-Trainer Rui Vitoria ebenfalls - und zwar so sehr, dass Kuipers ihn auf die Tribüne schickte. Kaum dort angekommen, erlebte Vitoria mit, wie Talisca den Freistoß unhaltbar für Neuer ins kurze obere Eck zirkelte. Wo eben noch lautstarke Entrüstung herrschte, brach sich Jubel Bahn. Benfica drängte nun auf einen weiteren Treffer und bekam die Chance durch einen weiteren Freistoß von Talisca. Diesmal zielte er auf das lange Eck, verfehlte den Kasten aber um wenige Zentimeter. Anschließend hätte der eingewechselte Lewandowski wieder für Ruhe sorgen können, doch auch er scheiterte bei einem Konter an Ederson. So blieb es beim 2:2. Für Guardiola und die Bayern geht der Traum vom Champions-League-Titel weiter.

"Natürlich haben wir uns das so nicht vorgestellt, dass wir mit 0:1 in Rückstand geraten", sagte Thomas Müller anschließend im ZDF. "Es war ein bisschen wie im Hinspiel. Wir waren tonangebend, aber Benfica hat gezeigt, warum wir sie oft als unangenehm betitelt haben." Voll des Lobes war Pep Guardiola: "Wir haben nach dem 0:1 gut und stabil gespielt", sagte er. "Wir brauchten nur ein oder zwei Tore zu schießen, und das haben wir geschafft." Guardiola baute seine persönliche Erfolgsstatistik aus: In seinen vier Jahren beim FC Barcelona und drei Jahren beim FC Bayern kam er in der Champions League immer mindestens ins Halbfinale.

Titelverteidiger Barcelona scheidet aus

Atletico Madrid gegen FC Barcelona, Torjubel Antoine Griezmann (Foto: Getty Images/AFP/J. Soriano)

Antoine Griezmann (l.) war mit zwei Toren der Matchwinner

Eine ungeschriebene Regel bleibt auch in diesem Jahr in der Champions League bestehen: Der Titelverteidiger gewinnt den "Henkelpott" nicht. Vorjahressieger FC Barcelona ist im Viertelfinale gescheitert. Stattdessen setzte sich Atletico Madrid im spanischen Duell gegen den Favoriten um Superstar Lionel Messi durch. Acht Tage nach der 1:2-Niederlage in der spanischen Liga in Barcelona gewannen die Madrilenen das Rückspiel vor heimischem Publikum mit 2:0 (1:0) und schafften damit den Sprung ins Halbfinale. Der Franzose Antoine Griezmann erzielte vor 54.000 Zuschauern im Estadio Vicente Calderon beide Tore: In der 36. Minute per Kopf, in der 88. Minute verwandelte er einen Handelfmeter.

Am Freitag wird in Nyon in der Schweiz das Halbfinale ausgelost. Mögliche Gegner für die Bayern sind dann neben Atletico Madrid die Top-Teams Manchester City und Real Madrid, das am Dienstag mit 3:0 gegen den VfL Wolfsburg gewann.

Alle wichtigen Momente, Tore und strittige Szenen aus der Partie Benfica Lissabon gegen FC Bayern gibt es hier noch einmal zum Nachlesen im DW-Liveticker.

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