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Ostmitteleuropa

Bayerisch-böhmische Zukunft

- Der Freistaat versucht, die Chancen der EU-Osterweiterung offensiv zu nutzen und die Risiken zu mindern.

Prag, 13.12.2001, PRAGER ZEITUNG, deutsch

Bayern stellt sich der Herausforderung der EU-Osterweiterung. Zwar erwartet man in den Grenzregionen zu Tschechien einige Probleme bei der Anpassung, doch die bayerische Landesregierung will die Chancen, die ein Beitritt der Kandidatenländer bringt, offensiv nutzen und hat deshalb ein Standortpaket Ostbayern im Umfang von 100 Millionen Euro bewilligt.

"Die Hauptanpassungslast der EU-Osterweiterung tragen das Grenzland und die dortigen Unternehmen. Wir haben uns in Zukunft auf die Konkurrenz durch das Niedriglohn- und Höchstfördergebiet der Tschechischen Republik einzustellen, die zweifelsohne verschärften Wettbewerb bedeutet und zu einer möglichen Verdrängung von Arbeitsplätzen mit niedriger Qualifikation führen kann. Dazu kommt nach einer Übergangszeit ein höheres Maß an Pendlern", so umschreibt der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu die Ausgangslage.

Dass die Erweiterung nicht nur Risiken, sondern Chancen bringt, zeigt eine Studie des ifo-Institutes zur Auswirkung der Erweiterung auf die bayerische Wirtschaft. Demnach wird der Beitritt einen dauerhaften Wachstumsimpuls von 1,7 Prozent bringen, die Beschäftigung im Freistaat wird dadurch um knapp ein Prozent zunehmen, die Arbeitslosigkeit um über 23.000 nach unten gehen.

Allerdings werden der Studie zufolge die unmittelbaren Grenzregionen kurz- bis mittelfristige Nachteile in Kauf nehmen müssen. "Das ist der Bereich, wo auf breiter Front schon jetzt gegengesteuert werden muss. Wir wappnen unsere Grenzregionen mit dem Standortpaket Ostbayern. Sie sollen so bald wie möglich von den Chancen der Osterweiterung profitieren können," meint Wiesheu. Neue Möglichkeiten sind nach Ansicht des Ministers Back-office-Arbeitsplätze wie zum Beispiel bei der Auftragsabwicklung; die Anbindung an die Wirtschaftsregionen Nürnberg, Bayreuth und Regensburg sowie Netzwerke auf unternehmerischer Ebene.

Mit den 100 Millionen Euro aus der E.ON-Privatisierung sollen vor allem arbeitsplatzintensive Neu- und Erweiterungsinvestitionen in den ost- und nordostbayerischen Grenzlandkreisen von Passau bis Hof unterstützt werden. Kleinen und mittleren Unternehmen werden Sonderkonditionen im Mittelstands-Kreditprogramm gewährt. Darüber hinaus wird die Initiative zur Ansiedelung von Kfz-Zulieferindustrien in Oberfranken mittels eines Zuliefererparks unterstützt.

Alles in allem sieht man in Bayern hoffnungsfroh in die bayerisch-böhmische Zukunft. Der niederbayerische IHK-Präsident Gerhard Thiele meint: "Eine große Zahl von Firmen aus unserem Raum hat bereits seit der Grenzöffnung die Chance ergriffen und eine Vielzahl von Kontakten geknüpft, ist Austauschbeziehungen oder Kooperationsabkommen eingegangen und hat Tochterunternehmen in Tschechien und den anderen mittel- und osteuropäischen Staaten gegründet. Wir wollen die Chancen einer noch engeren wirtschaftlichen Verflechtung weiter nutzen." (ykk)

  • Datum 13.12.2001
  • Autorin/Autor Ewald Trojansky
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1UIT
  • Datum 13.12.2001
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