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Welt

Baustein einer afrikanischen Währungsunion?

Die westafrikanische Franc-Zone ist ein Überbleibsel der Kolonialzeit. Bereits 1948 übernahm die französische Zentralbank die Geldversorgung für 14 westafrikanische Länder. Wie stabil ist der Franc CFA heute?

Der Franc CFA in Westafrika (Foto: AP)

Gemeinsame Währung vieler westafrikanischer Staaten: der Franc CFA

Bis 1994 lag der Wechselkurs stabil bei 50 FCFA zu einem französischen Franc (FF). Erst 1994 musste auf 100 FCFA zu einem FF abgewertet werden – eine Auflage des Internationalen Währungsfonds, um die defizitären Zahlungsbilanzen der Länder zu stabilisieren. Schließlich kam es 1999 zur Einführung des Euro. Außer dem Wechselkurs (666 FCFA = 1 €) hat sich für die Länder der Währungszone nichts geändert. Die französische Zentralbank garantiert weiterhin die Konvertibilität des FCFA und hält besondere Reserven als Zahlungsgarantie für die Länder der Währungszone, trägt also ein gewisses Risiko, wenn sich die FCFA-Länder zu hoch verschulden. Aus diesem Grund hat die französische Zentralbank seit jeher ein Auge auf die makroökonomische Politik der Länder der Währungszone. Ähnlich den Maastricht-Kriterien in der Euro-Zone unterliegen die westafrikanischen Länder strengen Begrenzungen der staatlichen Kreditaufnahme.

Stabiler Wechselkurs

Dies ist letzten Endes auch das Erfolgsrezept der westafrikanischen Währungszone: Die Mitgliedsländer haben über lange Zeiträume eine vergleichsweise stabilitätsorientierte Geld- und Fiskalpolitik betrieben. Dadurch gab es bis in die 1990er Jahre kaum Abwertungsdruck auf den FCFA. Es war für lange Zeit von Vorteil für die Länder, einen stabilen Wechselkurs untereinander und mit Europa zu haben. Es gab allerdings auch seit jeher Kritik an der festen Parität des FCFA. Damit war nämlich den Mitgliedsländern die Möglichkeit genommen, durch eine aktive Wechselkurspolitik – also eine strategische Unterbewertung – ihre Exporte zu fördern, so wie es viele Entwicklungsländer, vor allem die asiatischen Länder, erfolgreich betrieben haben.

Exportindustrie verhindert?

Öl Pipeline in Nigeria (Foto: AP)

Die Exporte beschränken sich meist auf Rohstoffe

Dadurch wurde möglicherweise auch verhindert, dass sich in den westafrikanischen Ländern eine nennenswerte Exportindustrie entwickeln konnte. Sie sind nach wie vor überwiegend Rohstoffexporteure. Für dieses Charakteristikum der afrikanischen Volkswirtschaften gibt es allerdings auch viele andere Gründe. Sonst wären die Länder außerhalb der Währungszone, die ihre Währungen immer wieder nach unten angepasst haben, weiter in ihren Bemühungen, sich zu industrialisieren.

Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit

Verarbeitung von Kakao-Bohnen in Ghana (Foto: dpa)

Landwirtschaftliche Produkte werden kaum exportiert

Nach der Einführung der festen Parität des FCFA zum Euro flammte die Diskussion über die Vor- und Nachteile für die westafrikanischen Länder erneut auf. Den Argumenten für die damit verbundene Stabilität stehen die Argumente hinsichtlich der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Länder der Franc-Zone gegenüber. Vor allem, seit der Euro seinen Wert gegenüber dem US-Dollar weiter erhöht hat, sind die Länder der Franc-Zone im Nachteil. Die Reisen der westafrikanischen Eliten zum Shopping nach New York haben sicherlich zugenommen. Die Absatzchancen potenzieller Exportprodukte, z.B. in der für die Armen besonders wichtigen Landwirtschaft und Agroindustrie, haben sich aber weiter verschlechtert. Dies gilt vor allem, seitdem sich die Handelsbeziehungen Afrikas allmählich von Europa und USA nach Asien verlagern.

Zukunftsmusik? Eine Afrikanische Währungsunion

Afrikanischer Flaggenaufzug zur Gründung der AU in Durban

Die Staaten der Afrikanischen Union arbeiten an einer gemeinsamen Währung

Auch die westafrikanischen Länder betreiben zunehmend Handel – Rohstoffexporte und Industriegüterimporte – mit China, Korea und anderen asiatischen Ländern, die ihre Währungen mehr oder weniger fest an den US-Dollar gekoppelt haben. Wo liegt die Zukunft für die Franc-Zone? Die Mitgliedsländer der Afrikanischen Union (AU), zu denen auch die Länder der Franc-Zone gehören, haben sich dazu verpflichtet, bis 2021 eine gemeinsame Währung und eine gemeinsame Zentralbank einzurichten, aufbauend auf den bestehenden regionalen Integrationsräumen, wie etwa der Franc-Zone. Es könnte also durchaus sein, dass die Franc-Zone der Kern einer gemeinsamen afrikanischen Währungsunion sein wird – dann aber unabhängig vom Euro. Ein ambitioniertes, aber durchaus nicht unrealistisches Ziel für die Zukunft.

Gastautor: Dr. Peter Wolff, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik
Redaktion: Katrin Ogunsade