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Kultur

Baustart für umstrittene Potsdamer Garnisonkirche

2005 wurde der Grundstein gelegt, aus Geldmangel verschob sich der Wiederaufbau des Garnisonkirchturms immer wieder. Jetzt fiel endlich der Startschuss, der mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel gefeiert wurde. 

"Der neue Turm soll wie einst über zwei Jahrhunderte hinweg wieder ein architektonisches Zeichen in der Stadtlandschaft werden", sagte der evangelische Altbischof und Kuratoriumsvorsitzende der Baustiftung, Wolfgang Huber, beim Festgottesdienst in Potsdam. "Und er soll werden, was er noch nie war, ein Zentrum für Frieden und Versöhnung."

Die einst auf Erlass 1730 von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen erbaute Garnisonkirche hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Johann Sebastian Bach spielte hier auf der Orgel, Zar Alexander I. und Napoleon besuchten den Sarg Friedrichs des Großen, Lutheraner und Reformierte feierten ihren ersten gemeinsamen Gottesdienst. 

Gemälde der Garnisonkirche von Carl Hasenpflug, 1827 (picture alliance/akg-images)

So sah die Garnisonkirche um 1827 aus

1933 dann inszenierten die Nazis in dem Gotteshaus ihre Reichtagseröffnung. Damit sei die Kirche zu einem symbolischen Ort "für die Vorbereitung einer unvergleichlichen Gewaltherrschaft" geworden, betonte Huber während des Festakts. "Eben darum wollen wir an diesem Ort Geschichte kritisch erinnern. Wo sollten wir die Notwendigkeit des Friedens erkennen, wenn nicht hier?" 

Wo sich früher der prachtvolle Kirchturm erhob, steht heute eine provisorische Kapelle. Die Garnisonkirche selbst wurde während des II. Weltkriegs beim Luftangriff auf Potsdam am 14. April 1945 stark zerstört: Das Innere des Kirchenschiffs brannte aus, der Turm mit dem Glockenspiel stürzte in sich zusammen. 1968 wurde der Sakralbau auf Geheiß von Walter Ulbricht, dem Vorsitzenden des Staatsrats der DDR gesprengt - trotz Konzepten zur Sicherung der kriegsbeschädigten, aber intakten Mauern.

Zunächst wird nur eine Grundvariante errichtet 

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestags des Bombenangriffs auf Potsdam wurde 2005 der Grundstein von für den Wiederaufbau gelegt. Die Kosten für den rund 90 Meter hohen Turm sollen sich auf rund 40 Millionen Euro belaufen, die notwendigen Spenden kamen nicht zusammen. Doch jetzt hat der Bund nach jahrelangem Tauziehen um die Finanzierung zwölf Millionen Euro für das Bauvorhaben freigegeben, weitere fünf stellt die evangelische Kirche an Krediten zur Verfügung. Zunächst soll eine schmucklose Grundvariante errichtet werden, weil unter anderem für den Turmaufsatz weiter das Geld fehlt.

Kritik am Wiederaufbau 

Protestplakat gegen die Garnisonkirche (picture alliance/dpa/R. Hirschberger)

Zu den Kritikern am Wiederaufbau zählen zahlreiche Initiativen - auch von evangelischen Christen

Der Wiederaufbau des Turms ist wegen der preußischen Militärgeschichte der Garnisonkirche und der Nutzung durch die Nazis nicht unumstritten. Beim Festakten protestierten etwa 50 Gegendemonstranten mit einem Megafon und Trillerpfeifen lautstark gegen den Baubeginn. Schon zuletzt hatten sich Kritiker an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewandt, der Schirmherr des Bauprojekts ist.

Wolfgang Huber sieht das anders: "Dort, wo noch bis 1968 große Teile des Turms der Garnisonkirche von Krieg und Zerstörung zeugten und die Gemeinde das Gebäude wieder mit Leben füllte, beginnen wir neu", sagte er in seiner Predigt. "Wir wollen uns der Verantwortung stellen, die sich aus geschichtlichem Versagen und Unheil ergibt." 

Der Gottesdienst zum Baustart stand unter dem Motto "Eine Kultur des Friedens bauen".  Das Geläut des Glockenspiels wurde übrigens bereits 1987 von der in Iserlohn gegründeten Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V. wiederhergestellt und der Stadt Potsdam 1991 übergeben. Es steht heute hinter der Garnisonkirche und wartet auf seinen Einsatz.

suc/stu  (epd/dpa, garnisonkirche-potsdam.de)

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