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Wirtschaft

Baumwoll-Industrie zittert vor China

China will seine gewaltigen Baumwollreserven reduzieren. Das könnte die Nachfrage und die Preise in den Keller treiben. Auch afrikanische Produzenten sind besorgt.

Seit der Finanzkrise gab es starke Schwankungen beim Preis für Baumwolle. China, der weltgrößte Produzent, suchte daher ein Mittel, um seinen Millionen Baumwollbauern etwas Planungssicherheit zu geben.

"Chinas Ziel ist es, die Einkommen der Landbevölkerung zu schützen und so zu verhindern, dass noch mehr Leute vom Land in die großen Städte ziehen", sagt Ray Butler von Cotton Outlook, einem Informationsanbieter für die Baumwollindustrie.

Ein Berg von Baumwolle

China hat in den vergangenen Jahren daher gewaltige Vorräte an Baumwolle angehäuft - 12,8 Millionen Tonnen. "Das ist mehr, als China in eineinhalb Jahren verbraucht", so Butler. Das Land ist wegen seiner Textilindustrie auch der weltgrößte Verarbeiter und Importeur von Baumwolle.

Der Rohstoff Baumwolle kurz vor der Ernte

Der Rohstoff Baumwolle kurz vor der Ernte

Das Horten bindet allerdings Kapital, die Lagerung kostet viel Geld, und aktuell verkauft die Regierung die Baumwolle unterhalb des Einkaufspreises. "Das ganze ist sehr teuer, und ich glaube, das chinesische Finanzministerium ist mit der Situation nicht besonders glücklich", so Butler.

"Wir hatten in den letzten Jahren eine Politik der staatlichen Reservebildung", sagt Hao Fengzhen, Direktorin von Chinas Nationaler Baumwollbörse. "Vielleicht wechselt die Regierung in diesem Jahr zu einer Politik der Preisziele." Das wäre der Versuch, Marktpreisen wieder mehr Bedeutung zu geben, ohne die Kontrolle ganz aufzugeben.

Konsequenzen weltweit

Bereits im Februar hat China eine Änderung seiner Politik angekündigt. Seitdem hält die Baumwollindustrie den Atem an und wartet auf Details. Sicher ist nur, dass ein Abbau der chinesischen Reserven Konsequenzen für Produzenten weltweit hätte. Die USA wären als größtes Exportland ebenso betroffen wie kleine afrikanische Länder.

Gabriel Mwalo (Foto: DW/A. Becker)

Gabriel Mwalo vom Cotton Board in Tansania

"Wir machen uns Sorgen", sagt Gabriel Mwalo von Tansanias "Cotton Board", der Aufsichtsbehörde über die Baumwollindustrie des Landes. "China kauft Baumwolle aus Tansania. Wenn China jetzt anfängt, seine Reserven aufzulösen, dann werden sie wohl weniger von unserer Baumwolle kaufen."

Alles für den Export

Tansanias Baumwollwirtschaft ist schon jetzt nicht besonders leistungsfähig. Ein Rückgang der Nachfrage würde das ganze Land betreffen: 40 Prozent der Bevölkerung leben von der Baumwolle, sagt Mwalo. "Unsere Erträge sind selbst für afrikanische Standards sehr niedrig. Außerdem haben wir hier kaum Wertschöpfung. Wir exportieren 70 Prozent unserer Baumwolle."

Das benachbarte Mosambik ist sogar noch abhängiger vom internationalen Markt. "Alle unsere Spinnereien und Textilfirmen sind schon vor Jahren zusammengebrochen", sagt Gabriel Paposseco, Vizedirektor des nationalen Baumwollinstituts. "Deshalb exportieren wir 100 Prozent unserer Baumwolle." Nur die Körner werden im Land zu Öl oder Tierfutter weiterverarbeitet.

Mosambik sucht daher dringend Geldgeber, um wieder eine textile Wertschöpfungskette aufzubauen. Im Mai dieses Jahres findet in der Hauptstadt Maputo eine Konferenz für potentielle Investoren statt.

Auch in Mosambik liegen die Baumwollerträge weit unter dem internationalen Durchschnitt. "Unsere Farmer sind arm", sagt Paposseco. "Oft fehlt ihnen das Geld, um gutes Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel zu kaufen."

Gentechnik - Gefahr oder Ausweg?

Gute Erfahrungen habe das Land mit Programmen wie Cotton Made in Africa oder der Better Cotton Initiative gemacht. Dabei werden Bauern in nachhaltigen Anbautechniken geschult, um höhere Erträge und bessere Qualität zu erzielen. Der Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle im Rahmen dieser Programme ist allerdings ausgeschlossen. Paposseco hofft, dass in einigen Jahren die komplette Baumwolle des Landes nach diesen Standards produziert wird.

Abdelrahman Abdellatif, Experte aus dem Sudan (Foto: DW/A. Becker

Abdelrahman Abdellatif, Experte aus dem Sudan

Gen-Baumwolle ist in Mosambik ohnehin nicht zugelassen. Ganz im Gegensatz zu Sudan. Dort werden gentechnisch veränderte Sorten seit zwei Jahren kommerziell angebaut. "Der Anteil der Gen-Baumwolle liegt bereits bei mehr als 25 Prozent der gesamten Produktion", sagt Abdelrahman Abdellatif von der Landwirtschaftlichen Forschungsgesellschaft des Sudan. Für das kommende Jahr sei ein Anstieg auf 50 Prozent durchaus wahrscheinlich, zumal bald neue Sorten zur Verfügung stünden. "Die meisten davon kommen aus China", sagt der Agrarwissenschaftler und lacht: "China bekommt von uns Öl und führt dafür hier die Gen-Baumwolle ein."

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