Bauhaus Dessau würdigt Architekt Carl Fieger | Kunst | DW | 14.01.2018
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Kunst

Bauhaus Dessau würdigt Architekt Carl Fieger

Er war ein enger Wegbegleiter von Bauhausgründer Walter Gropius und entwarf die bekannte Kornhaus-Gaststätte in Dessau. Trotzdem geriet der Name Carl Fieger in Vergessenheit. Das soll sich jetzt ändern.

"Damit wird einem ganz großen Architekten endlich Ehre zuteil", sagte eine Sprecherin der Stiftung Bauhaus Dessau. Carl Fieger habe auch unter sich ändernden politischen Verhältnissen an seiner Grundhaltung zur Moderne festgehalten.

Der 1960 verstorbene Architekt, Gestalter und Zeichner arbeitete einige Jahre im Atelier von Peter Behrens, einem Pionier des modernen Industriedesigns in Berlin, wo auch Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier beschäftigt waren. Hier lernte Fieger auch Walter Gropius kennen und schätzen. 1927 nahm er seine Tätigkeit als Architekturzeichner am Bauhaus auf,  wurde ein enger Weggefährte des  Bauhausgründers und unterrichtete auch an der berühmten Architektur-, Kunst- und Designschmiede. "Als Architekt sei Fieger maßgeblich an vielen ikonischen Bauten der Moderne beteiligt gewesen", so die Stiftung Bauhaus. 

Kornhaus mit langer Geschichte 

Eines seiner bekanntesten Gebäude ist das Dessauer Kornhaus. Das Gebäude an der Elbe ist Teil eines einmaligen Ensembles von Bauhausbauten in der Stadt, darunter das  Bauhausgebäude, die Meisterhäuser und die Laubenganghäuser. Ursprünglich am Ufer der Elbe um 1730 als fürstlicher Kornspeicher unter Leopold I. von Anhalt Dessau gebaut, wurde im 19. Jahrhundert ein Großteil des fünfgeschossigen Gebäudes abgetragen und als Baumaterial versteigert. In das verbliebene Verwalterhaus zog 1820 eine Poststation ein, 1843 wurde ein Ausschank angegliedert, der sich schnell zum beliebten Ausflugslokal entwickelte und im Laufe der Jahrzehnte immer wieder vergrößert wurde.

Die Ausflugsgaststätte Kornhaus an der Elbe in Dessau-Roßlau (picture-alliance/dpa)

Das Kornhaus in Dessau lockt wegen seiner idyllischen Lage zahlreiche Ausflügler an

Um dem wachsenden Andrang gerecht zu werden, beschloss die Stadt Dessau 1926, einen Neubau zu errichten. Drei Jahre später entschied man sich für den Entwurf Fiegers, der den Zeitgeist der Moderne des 20. Jahrhunderts verkörperte. Der Architekt nutzte die einzigartige Lage mit imposanter Fernsicht über die Elbniederung und schuf ein Gebäude wie ein Schiffsdeck. Eingeweiht wurde es am 6. Juni 1930.

Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz: 2012 wurde es originalgetreu auch im Innenraum von den Fußböden über die Farbgestaltung bis hin zur Form des Tresens nach den Plänen Fiegers wiederhergestellt. Immer noch lockt es als Ausflugslokal zahlreiche Gäste an.

Das Jubiläumsjahr wirft seine Schatten voraus 

Fiegers Gesamtwerk wird ab dem 22. März 2018  sieben Monate lang in der Ausstellung "Vom Bauhaus zur Bauakademie" zu sehen sein, darunter Originalzeichnungen, Architekturmodelle, Möbel sowie Fotografien. Auch sein eigenes Wohnhaus errichtete er im Bauhaus-Stil. 

Nach seiner Zeit am Bauhaus, das auf Druck der Nationalsozialisten 1933 geschlossen wurde, wurde Fieger die Aufnahme in die Reichskulturkammer verwehrt, was quasi einem Berufsverbot gleichkam.Er arbeitete fortan nur noch für befreundete Architekten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in der DDR für die Deutschen Bauakademie in Ost-Berlin tätig und entwarf den ersten Plattenbau der Stadt. Er starb 1960 in Dessau. Die späte Würdigung Fiegers in einer Sonderschau findet im Vorfeld des Festjahres 2019 statt, in dem mit zahlreichen Veranstaltungen an die Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren erinnert wird. 

suc/sti (dpa, kornhaus-dessau.de)

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