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Bauern

Vom Mitbewohner zum "Agrarindustriellen" - richtig gut klang es nur selten. Doch der berühmte Dichter Adelbert von Chamisso weiß es besser: "Denn wäre nicht der Bauer, so hättest Du kein Brot".

Bauer ist ein sehr altes Wort und ein einziges Stichwort reicht nicht hin, es zu ergründen. Versuchen wir es trotzdem. Bauer war zunächst keine Berufsangabe, sondern bezeichnete den Dorfgenossen, den Mitbewohner. Sie betrieben zwar Landwirtschaft, bauten aber nur für den Eigenbedarf Korn und Feldfrüchte an.

Bürger brauchen Brot

Mit dem Entstehen der Städte wurde das anders. Nun brauchte man Korn und alles was da so wuchs auch für die Städter. In der Ständegesellschaft waren die Bauern nach dem Adel, der Geistlichkeit und den Bürgern der so genannte vierte Stand. Besonders die Bürger sahen auf die Bauern herab. Der Gegensatz Stadt - Land begann sich bereits in so früher Zeit zu entwickeln. Das Wort 'bäurisch' oder der Ausdruck 'sich wie ein Bauer benehmen' hatte nie einen guten Klang. Der Hochmut des Städters machte aus dem Bauern allzu leichtfertig einen dummen und groben 'Bauerntölpel'.

Aber zurück zur Geschichte des Bauerntums. Verlust der Selbständigkeit, Umwandlung der Naturalabgaben in Geldzins, vielfach unerträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen führten unter anderem zu den Bauernkriegen, die im frühen 16. Jahrhundert begannen. Die Aufhebung der Leibeigenschaft war eine der wichtigsten Forderungen der aufständischen Bauern. Besonders im 18. Jahrhundert nahm das seit dem 30jährigen Krieg praktizierte Bauernlegen zu. Bauernlegen bedeutete, der Grundherr zog ein Bauerngut, das zu wenig Zins abwarf kurzerhand ein und vereinigte es mit dem Herrschaftsgut.

Von dummen Bauern und dicken Kartoffeln

Erst das 19. Jahrhundert bringt die Bauernbefreiung, die Leibeigenschaft wird beseitigt. Aber nachdem Industrialisierung und Rationalisierung in der Landwirtschaft Einzug gehalten hatten, nahm das Bauernsterben, also das Zurückgehen der Anzahl bäuerlicher Betriebe und infolge dessen die Landflucht der Bauernsöhne und -töchter, immer mehr zu. Die traurige Geschichte der Landflucht hat zur Folge, dass die zu Hause auf dem Land Gebliebenen als dumm und rückständig gelten.

Redensarten haben hier ihren Ursprung. 'Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln'. Das heißt im Klartext: Eigentlich verdient es jemand, der dumm ist nicht dass es ihm so gut geht. Oder: 'Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht'. Merke: frisst nicht isst! Was bleibt dem Bauern, um sich gegen seine hochnäsigen Spötter zu wehren? Es bleibt ihm die Bauernschläue, die schon so manchem Hochgebildeten zum Verhängnis wurde, die aber leider nicht immer aus der Not hilft. Sonst hätte das böse Wort von der Bauernfängerei nicht entstehen können. Es stammt aus der Berliner Gaunersprache und bedeutet, jemand Unwissenden aufs Kreuz legen. Übertölpeln.

Bäuerlich als Qualitätssiegel

Es gibt freilich Dinge aus dem bäuerlichen Lebensraum, die dem Bürgertum - oder sagen wir besser den Städtern - sehr wohl gefallen. Da gibt es zum Beispiel das gute Bauernbrot, das die Spezialbäckerei im Holzofen so richtig nach Bauernart bäckt. Es gibt natürlich den Bauernhof als solchen, der mit allem Komfort die Ferien auf demselben bietet. In der Bauernstube steht vielleicht ein Bauernschrank, der ganz gut in die Diele zu Hause passen könnte. So als Einzelstück. Womit wir schon so gut wie bei der bäuerlichen Kunst sind. Der Bauernmalerei auf den rustikalen Bauernmöbeln.

Merkwürdig, dass uns jetzt noch das Bauernopfer in den Sinn kommt. Das ist ein Fachausdruck aus dem Schachspiel. Von den Schachfiguren sind Bauern die nicht so wichtigen. Deshalb sind sie auch in der Mehrzahl. Sie zugunsten einer wichtigeren Figur zu opfern, das nennt man ein Bauernopfer.

Fragen zum Text

Der Begriff bäurisch

1. hat einen negativen Klang.

2. ist seit jeher Zeichen von Güte und hohem Ansehen.

3. wird als Kompliment verwendet.

Der Begriff Bauernsterben bezeichnet ...

1. eine tödliche Krankheit, die unter Bauern weit verbreitet war.

2. eine Literaturepoche.

3. das Zurückgehen der Anzahl bäuerlicher Betriebe.

Die Redewendung die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln bedeutet, dass …

1. dicke Kartoffeln nur von dummen Bauern geerntet werden.

2. jemand, der dumm ist, es nicht verdient, dass es ihm so gut geht.

3. schlaue Bauern kleine Kartoffeln bevorzugen.

Arbeitsauftrag

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft in Ihrem Land? Sind Bauern hoch angesehen oder haben sie den Ruf dumm zu sein? Schreiben Sie einen Aufsatz über die Bedeutung der Landwirtschaft in Ihrem Heimatland.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

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