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Kultur

"Bauchfrei" in der Schule

Die Schule ist keine Modenschau, und das Klassenzimmer ist kein Laufsteg. Hier sollen sich die Schüler vielmehr auf den Unterricht konzentrieren. Müssen nackte Bäuche deshalb draußen bleiben?

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Nabelschau erhitzt die Gemüter

Wenn junge Mädchen in deutschen Schulen selbst im Winter nackte Haut zwischen Hose und T-Shirt zeigen, schütteln viele Lehrer den Kopf. Das ist doch viel zu kalt, mögen sie sich denken, aber verbieten können sie den Modetrend nicht. "Bauchfrei" ist völlig normal geworden. Oder doch nicht? In der Kleinstadt Friedland bei Neubrandenburg wurde kürzlich eine dreizehnjährige Schülerin des Unterrichts verwiesen, weil sie ihren Nabel zeigte. Im Sommer hatte sich niemand an der Hüfthose und dem kurzen Top gestört, aber als das Wetter schlechter wurde, regten sich die Lehrer plötzlich auf. Kurzerhand wurde die Schulordnung um einen Passus verschärft, der "übertrieben freizügige Bekleidung" an der Schule verbietet. Die Schulleiterin begründete das Bauchfrei-Verbot damit, dass es die Jungs zu sehr ablenke, wenn sie mit zuviel nackter Haut konfrontiert seien – und die Lehrer übrigens auch.

Die Mutter der Schülerin ging dem vorprogrammierten Ärger aus dem Weg. Ihre Tochter wechselte die Schule. Der Vorfall führte in Mecklenburg-Vorpommern allerorts zu Diskussionen über die passende Schulkleidung. Das Bildungsministerium in Schwerin hielt ein Eingreifen jedoch nicht für notwendig. Einen Kleiderkodex gibt es in Mecklenburg-Vorpommern ebenso wenig wie in anderen Bundesländern.

Kleiderordnung im Klassenzimmer

Eine kleine Ausnahme findet sich in Baden-Württemberg. Hier ist das Tragen von Baseball-Kappen verboten. Begründung: Der Mützenschirm könne den notwendigen Augenkontakt mit dem Lehrer verhindern und dazu führen, dass die Schüler so leichter bei Klassenarbeiten abschreiben könnten.

In den anderen Bundesländern ließen die Ministerien verlauten, dass ein Dress-Code zwar im Ermessen jeder Schule liege, aber schwer vorstellbar sei. Moderne Kleidung sei ein normaler Teil der Jugendkultur. Allerdings sollten die Eltern darauf achten, wie ihre Kinder aus dem Haus gehen. Manche Schulen verbieten das Tragen von Springerstiefeln, Bomberjacken und Tarnhosen im Unterricht.

Auch Hessens Schülerinnen dürfen bauchfrei zum Unterricht erscheinen. Verbote von allzu freizügiger Kleidung werden nur in Extremfällen verhängt, etwa bei völlig durchsichtigen T-Shirts.