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Wirtschaft

Bauarbeiter streiken

Auf den deutschen Baustellen hat am Montag (17. Juni 2002) der erste bundesweite Streik seit dem Kriegsende begonnen. Dabei konzentriert die Gewerkschaft IG BAU ihre Streikmaßnahmen auf Großbaustellen.

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Zum Auftakt traten nach Gewerkschaftsangaben mehrere tausend Bauarbeiter unter anderem in Berlin, Hamburg, Bremen und Dortmund in den Ausstand. Allein in der Hauptstadt legten rund 1000 Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Industrie-Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) will ihre Aktionen nach und nach auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnen. Die Arbeitgeber drohen im Gegenzug mit Aussperrungen. Möglicherweise gibt es aber noch im Laufe der Woche wieder neue Verhandlungen.

98 Prozent waren für den Streik

In dem seit Februar 2002 dauernden Tarifkonflikt waren alle Schlichtungsversuche gescheitert. Mehr als 98 Prozent der Beschäftigen hatten sich vergangene Woche in der Urabstimmung der IG BAU für einen Arbeitskampf zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen ausgesprochen.

Krise in Baubranche hält an

Die Gewerkschaft fordert für die 850.000 Beschäftigten Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent. Die Arbeitgeber bieten eine stufenweise Erhöhung von 3,0 und 2,1 Prozent. Streit gibt es insbesondere über die Anhebung der Mindestlöhne in den neuen Bundesländern.

Hintergrund des Arbeitskampfes ist die seit Jahren anhaltende Krise am Bau. Nach Gewerkschaftsangaben gingen seit 1995 rund eine halbe Million Arbeitsplätze verloren. Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Zugleich boomt die Schwarzarbeit.

Ende des Vereinigungs-Booms

Anfang der neunziger Jahre profitierte die Branche vom Bauboom nach der Wiedervereinigung und stockte ihre Kapazitäten stark auf. Als dann die Nachfrage wieder zurückging, lieferten sich vor allem die großen Baukonzerne einen ruinösen Preiskampf. Mit der Pleite der Frankfurter Holzmann AG wurde die prekäre Finanzsituation vieler Bauunternehmen offenbar.

Die Krise der Bauindustrie begann in Deutschland Jahre vor der aktuellen Wirtschaftsflaute. In anderen europäischen Ländern präsentiert sich die Branche in besserem Zustand - und mit ihr die Situation der Bauarbeiter: So ist beispielsweise in Irland die Anzahl der Bau-Beschäftigten in den letzten acht Jahren von 80.000 auf 180.000 gestiegen.

IG BAU kampfbereit

Angesichts der schwierigen Verhältnisse in der deutschen Bauindustrie kritisierten die Arbeitgeber das Vorgehen der IG BAU im aktuellen Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft nehme die Vernichtung weiterer Arbeitsplätze in Kauf, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel zeigte sich unterdessen kampfbereit: Sollten die aktuellen Arbeitsniederlegungen keine Wirkung zeigen, "sind wir in der Lage, dies ständig zu steigern", sagte er der Deutschen Welle.(pg/pt/jf)

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