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Fokus Osteuropa

Bau der kasachisch-chinesischen Erdölpipeline schreitet voran

Der zweite Abschnitt der Erdölpipeline von Kasachstan nach China ist in Betrieb genommen worden. China wird die Leitung in Zukunft wirtschaftliche Vorteile bringen, Kasachstan eher politische.

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Pipeline-Kontrollstation im kasachischen Atasu

Den Bau der Erdölleitung vereinbarten die Länder noch 1997. Das Abkommen kam damals sowohl für die USA als auch für Russland unerwartet. An den Erfolg dieses Projekt glaubten damals nur deren Teilnehmer selbst. Der Bau dieser Pipeline wurde als utopisch bezeichnet. Trotz solcher Prognosen nahm der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew am 15. Dezember, symbolisch einen Tag vor dem Unabhängigkeitstag Kasachstans, eine Pumpanlage in Betrieb. Eröffnet wurde der zweite und mittlere Abschnitt der Pipeline, die von der chinesischen staatlichen Erdölgesellschaft CNPC und der kasachischen staatlichen Erdöl- und Erdgasgesellschaft Kazmunaigaz gebaut wird.

Ziel: 10 Millionen Tonnen Erdöl

Der erste Abschnitt des Erdöl-Projekts wurde im Frühjahr 2003 fertig gestellt. Über den letzten Abschnitt soll in Zukunft das Erdöl bis an die chinesische Grenze gelangen. Mit der Inbetriebnahme der gesamten Pipeline wird nicht vor dem Frühjahr 2006 gerechnet. Durch die neue 988 Kilometer lange Leitung sollen dann jährlich zehn Millionen Tonnen Erdöl aus Kasachstan nach China fließen.

Nasarbajew plant auch Erdgasleitung

Während der Inbetriebnahme des zweiten Abschnitts der Erdölleitung sagte der kasachische Präsident, dies sei ein bedeutendes Ereignis für beide Länder. Nasarbajew ist der Ansicht, dass die Zusammenarbeit Kasachstans und Chinas im Erdölbereich gute Aussichten hat. Dabei erinnerte er auch an den geplanten Bau einer gemeinsamen Erdgasleitung.

Chinas und Kasachstans Erdöl-Interessen

Für Kasachstan hat der Bau der Pipeline eher politische Bedeutung, aber für China bringt sie wirtschaftliche Vorteile. Gerade deswegen übernimmt die chinesische Seite die Hauptlast der Finanzierung. Investiert wurden bisher mehr als 800 Millionen US-Dollar. Am Bau sind mehr als 4500 Menschen beteiligt.

Der Experte vom Moskauer Carnegie-Zentrum, Arkadij Dubnow, sagte der Deutschen Welle: „Es ist nicht verwunderlich, dass China den Bau der kasachisch-chinesischen Erdölleitung finanziert. Der Bedarf Chinas an Rohöl steigt drastisch. In 15 Jahren, im Jahr 2020, wird China jährlich mindestens etwa 450 Millionen und maximal 600 Tonnen Erdöl benötigen. Das ist eine Menge, die heute in ganz Russland gefördert wird.“

Da das Schicksal der geplanten russisch-chinesischen Erdölpipeline im Fernen Osten noch unklar sei, bereite sich China präventiv schon jetzt darauf vor, Erdöl auch aus anderen Ländern zu erhalten, darunter aus Kasachstan, so Dubnow. Außerdem sagte der Experte: „Im Westen Kasachstans, am Kaspischen Meer, haben chinesische Erdölgesellschaften die Konzession zur Erdölförderung. Das Erdöl wird chinesischen Gesellschaften gehören und sie werden es natürlich nach China liefern. Deswegen investieren die Chinesen heute.“

Aber auch für Kasachstan sei die Pipeline von großer Bedeutung, so Dubnow. Kasachstan werde auf diese Weise nicht ausschließlich von russischen Erdölleitungen abhängig sein, denn Russland sei heute das wichtigste Transitland für kasachisches Erdöl.

Natalja Posnjakowa, Jaroslaw Rasumow

DW-RADIO/Russisch, 15.12.2005, Fokus Ost-Südost

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