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Bassem Youssef: „Habe keine Kristallkugel“

Seine Satireshow erzielte Traumquoten in Ägypten. Bassem Youssef stellte seine Sendung trotzdem ein. „Der Druck war zu groß“. Auf Einladung der DW sprach er in Berlin mit Klaus Staeck.

„Es war nie die Frage, ob die Show eingestellt wird, es war nur die Frage, wann. Das war uns vom ersten Tag der Show an klar“, so Youssef am Freitag, 4. Juli, in Berlin. Seine Sendung Al Bernameg (Das Programm), habe zuletzt 40 Millionen Zuschauer gehabt. Rund 100 Gäste aus Medien und Politik waren der Einladung in die Akademie der Künste gefolgt. Sein satirischer Wochenrückblick war bis vor kurzem auch im arabischsprachigen TV-Programm der DW zu sehen. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, forderte Solidarität mit Bassem Youssef: „Wir haben uns für Ai Wei Wei eingesetzt, für russische Dissidenten. Der Freiheitsvirus ist nicht unterdrückbar.“

„Wir haben vor jeder Sendung gelästert: Ah, dieser Witz wird die Show stoppen, nein, dieser. Wir sagten: See you in prison“, so Youssef rückblickend. Was Politiker in Ägypten an seiner Show so bedrohlich fänden, wollte DW-Moderator Jaafar Abdul Karim wissen. Neu war, so Youssef, reale Nachrichten aus dem Fernsehen mit Satire und Comedy zu mischen. Aber bedrohlich seien eher die hohen Einschaltquoten gewesen, die Wirkung der Show als Massenphänomen, mutmaßte Youssef im Gespräch. „Sie sagten uns: Ihr habt schlechte Quoten. Das Gegenteil war der Fall. Wir hatten teilweise die höchste Einschaltquote überhaupt“, so Youssef. Was immer unter der Woche an Nachrichten lief, die Zusammenfassung in Al Bernameg – das war es, was sich die Leute ansahen.“

In Deutschland sei Politik den Menschen oft „zu dröge“, sagte Klaus Staeck, die Satire kommentiere das Geschehen und liefere eine zweite Ebene. Satire zu unterdrücken sei dumm, weil sie ein Ventil sei. Das hätten Politiker hierzulande gelernt. Deutschland sei geradezu „ein langweiliges Land“ geworden, da man hier inzwischen fast alles dürfe. Anders als in Ägypten.

Auch hier und heute sei der Druck für ihn präsent, sagte Youssef. Mit Blick auf kritische Beiträge ägyptischer Medien – etwa zu seinem Auftritt beim Deutsche Welle Global Media Forum vor wenigen Tagen in Bonn – sagte er, es gebe einige Medien, die, „was immer du machst, verdrehen“. Das sei heute nicht anders als unter den Muslimbrüdern. Es sei „eine Art mentaler Terrorismus“, so Youssef. „Sie wollen erst, dass du vorsichtig wirst, dann angepasst, dann, dass du schweigst.“ Aber Menschen würden den Einfluss indoktrinierender Medien auch immer wieder dulden – das gelte überall auf der Welt. Die Leute wüssten zwar, dass da etwas nicht stimme. „Sie akzeptieren es aber trotzdem.“ Ein kritischer Umgang mit Medien müsse von den Menschen selbst kommen. Aber man habe immer eine Entschuldigung, etwa Angst vor Terrorismus. Auf die Frage, wohin sich die Medienlandschaft in Ägypten entwickeln werde, sagte Youssef: „Ich habe leider keine Kristallkugel.“

Dennoch glaubt er, dass sich die Jüngeren in Ägypten nicht mehr alles sagen lassen. Es sei sehr schwierig, heute ein Land zu regieren wie in den 1950er- oder 70er-Jahren. Ägypten sei ein sehr junges Land. „Die Jungen wissen, wie man mit Informationen umgeht und kennen den offenen Himmel des Internets.“ Die Menschen seien kritisch gegenüber dem, was als unantastbar galt. Heute sage man: „Was in den Schulbüchern steht, stimmt so nicht.“ Die Jungen seien dabei, die „Mythen zu enttarnen“. Youssef: „Man wird merken, dass man so nicht eine ganze Generation regieren kann.“ Man könne temporär unterdrücken und könne das Internet einschränken, so wie in China oder im Iran. „Du kannst aber die Köpfe und Herzen so nicht gewinnen.

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com