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Kultur

"Barfüßige Diva" Cesária Évora gestorben

Sie galt als eine der bekanntesten Stimmen der Weltmusik - die kapverdische Sängerin Cesária Évora. Erst mit mehr als 50 Jahren gelang ihr der Durchbruch. Mit 70 Jahren ist sie nun gestorben.

Die große kapverdische Sängerin Cesaria Évora (Foto: AP)

Die große kapverdische Sängerin Cesaria Évora

Die als "barfüßige Diva" bekannt gewordene Musikerin starb am Samstag (17.12.2011) im Alter von 70 Jahren in einem Krankenhaus in ihrer Heimat. Cesária Évora sei einer "akuten, schweren Herz- und Atem-Schwäche" erlegen, sagte Alcides Gonçalves, Direktor der Klinik Baptista de Sousa auf der Insel São Vicente. Erst vor drei Monaten hatte Évora wegen gesundheitlicher Probleme ihr Karriereende bekanntgegeben.

Évoras Musik vereint traditionelle Klänge ihrer Heimat mit lateinamerikanischen Einflüssen. Mit ihrer temperamentvollen Stimme sang sie vor allem melancholische Lieder. Viele Jahre trat Évora in den Bars von Mindelo auf, der Inselhauptstadt von São Vicente. Der Durchbruch gelang ihr erst spät mit dem Album "Miss Perfumado", als sie bereits 52 Jahre alt war. Der Weltmusikstar nahm insgesamt 24 Live- und Studio-Alben auf und verkaufte Millionen Platten und CDs. 1998 und 1999 erhielt sie den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. 2004 gewann sie den Grammy in der Kategorie Weltmusik für das Album "Voz D'Amor" – es war die Krönung ihrer Karriere.

"Ein absoluter Verlust"

Der Präsident der Inselrepublik vor der Westküste Afrikas, Jorge Carlos Fonseca, rühmte am Samstag die "symbolische Bedeutung" der Sängerin. Immer wenn auf der Welt von Kap Verde die Rede sei, falle der Name Évora, sagte Fonseca. Der Kulturminister Mario Lúcio Sousa, selbst ein Sänger, sagte, er habe mit Évora eine "große Freundin" verloren. Sie soll in der kommenden Woche in Mindelo beigesetzt werden.

Peter Maffay bei der Verleihung des Echo-Preises 2010 (Foto: dapd)

Auch Peter Maffay sang zusammen mit Cesario Évora

Der Musiker Peter Maffay, der mit Évora den Song "Saudade" aufgenommen hat und sie auch zuhause besuchte, sagte der Nachrichtenagentur dpa in Berlin, er habe die Sängerin sehr bewundert. "Das war eine großartige Dame mit einer wunderschönen Musik, die sie machte." Für die musikalische Welt sei ihr Tod "ein absoluter Verlust".

Durchbruch mit "Miss Perfumado"

Évora wurde am 27. August 1941 in Mindelo auf São Vicente geboren und wuchs in einer Musikerfamilie auf. Nach dem frühen Tod ihres Vaters, des Geigers Justino da Cruz Évora, wurde sie von Pflegeeltern aufgezogen. Sie trat in jungen Jahren in den Kneipen in Mindelo auf, bekam erst mit 47 Jahren ihren ersten Plattenvertrag.

Dann ging es aber rapide bergauf: Mit ihrem fünften Album "Miss Perfumado" (1993) erzielte sie weltweiten Erfolg. Évora wurde zur Königin der Morna, der süß-melancholischen, bluesartigen Sehnsuchts-Musik ihrer Heimat, einer ehemaligen Kolonie Portugals.

Évora bei einem Konzert in Larnaca auf Zypern 2009 (Foto: AP)

Évora bei einem Konzert in Larnaca auf Zypern 2009

Nach einem Schlaganfall im März 2008 während einer Tournee in Australien hatte die "barfüßige Diva", die in der Regel ohne Schuhe auf der Bühne stand, die Zahl ihrer Konzerte eingeschränkt. Évora litt seit Jahren unter gesundheitlichen Problemen und war im Mai 2010 in Paris sechs Stunden lang am offenen Herzen operiert worden. Noch im April dieses Jahres gab sie ein Konzert in Paris. Doch kurz nach ihrem 70. Geburtstag am 27. August, den sie in ihrer Heimatstadt Mindelo feierte, kehrte sie nach Angaben ihrer Plattenfirma "in einem sehr geschwächten Zustand" nach Paris zurück. Nach der Ankündigung ihres Karriereendes begab sich Évora nach Mindelo, wo sie bis zu ihrem Tod blieb.

Autor: Reinhard Kleber (afp, dpa, dapd)
Redaktion: Ulrike Quast