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Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich

Barenboim warnt vor Nationalismus in Europa

Er macht in aller Welt Musik, hat mehrere Pässe und spricht mehrere Sprachen. Der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, warnt vor wachsendem Nationalismus. Ein gesunder Patriotismus reiche aus.

Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim vor einem weiteren Erstarken des Nationalismus in Europa gewarnt. Angesichts der Siegeschancen der rechtsgerichteten Front National sagte Barenboim, der Nationalismus sei auch eine Folge des Unbehagens mit der Globalisierung, aber er sei "das genaue Gegenteil von wahrem Patriotismus". Er könne zwar den Unmut vieler französischer Wähler mit den bisherigen Regierungen in Paris nachvollziehen, so der 74-Jährige, ein nationalistischer Rückschlag wäre aber fatal für Europas Zukunft.

Patriotismus, ja – Nationalismus, nein

Barenboim sieht einen Gegensatz zwischen Nationalismus und Patriotismus. Wer sich seiner eigenen Identität, seiner Werte und Kultur sicher sei, könne auch gut mit anderen Menschen auskommen und zusammenarbeiten. "Der Patriotismus schließt die anderen ein, der Nationalismus als Reaktion auf die Globalisierung schließt sie aus", so Barenboim.

Die EU habe die Idee eines europäischen Kulturraumes aufgegeben, sagte der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper: "Das hat nichts mehr mit den Vorstellungen von François Mitterrand und Helmut Kohl zu tun." Der ursprüngliche Gedanke, dass sich etwa Franzosen und Deutsche auch über ihre Kultur verständigen und besser kennenlernen, sei einer rein wirtschaftlichen Ausrichtung gewichen. Der Euro alleine reiche aber nicht aus.

Kurswechsel durch die EU

Eröffnung des Pierre Boulez Saal in Berlin (picture-alliance/dpa/K. D. Gabbert)

Barenboim dirigiert das West Eastern Divan Orchestra

Tatsächlich habe die Globalisierung einzigartige, unterschiedliche Lebensgewohnheiten ausgehöhlt, so der Kosmopolit. Doch erst Diversität schaffe unverwechselbare Kulturen und Menschen, die dann auch in der Lage seien, sich gegenseitig zu beeinflussen und zu befruchten.

Statt jetzt den Brexit und ein Erstarken nationalistischer und rechtsgerichteter Strömungen nur zu bedauern, müsse die EU einen Kurswechsel angehen, "hin zu einer kulturellen Gemeinschaft", sagte der argentinisch-israelische Dirigent.

In der kommenden Woche gehen Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra auf Europa-Tournee mit Auftritten in Aarhus, Helsinki, Stockholm, Hamburg, Berlin und Wien.

kk/pg (dpa)