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Wirtschaft

Barclays gibt Kampf um ABN AMRO auf

Nach einem langen Übernahmekampf hat die britische Großbank Barclays ihr Angebot für den niederländischen Konkurrenten ABN AMRO zurückgezogen. Damit ist der Weg frei für das Konsortium um die Royal Bank of Scotland.

Flaggen von ABN AMRO und Barclays vor ABN-Zentrale in Amsterdam

Sie konnten zusammen nicht kommen: ABN AMRO und Barclays

Barclays habe nicht die angestrebte Zustimmung der ABN AMRO-Anteilseigner von 80 Prozent bekommen, teilte ein Barclays-Sprecher am Freitag (5.10.2007) in London mit. Damit ist der Weg frei für das Dreierkonsortium um die Royal Bank of Scotland (RBS), das mehr Geld für ABN AMRO geboten hat. Die Anmeldefrist für diese Offerte lief am Freitagnachmittag ab. Das Ergebnis soll nächste Woche bekannt gegeben werden. Im Gegensatz zu Barclays hat sich das Konsortium einen Zuschlag auch bei weniger als 80 Prozent Zustimmung offengehalten.

Es handelt sich um die bisher größte Übernahme im Bankensektor. ABN AMRO soll nach den Plänen des Konsortiums zerschlagen und unter den Käufern aufgeteilt werden. Nach Angaben von Gewerkschaften sind 19.000 Jobs in Gefahr.

Kaum Reaktionen am Aktienmarkt

Logo der Royal Bank of Scotland

Das Konsortium um die Royal Bank of Scotland macht das Rennen

RBS hatte zusammen mit dem belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis und der spanischen Banco Santander 71,1 Milliarden Euro für die größte Bank der Niederlande geboten, zum Großteil in bar.

Barclays wollte dagegen nur 67,5 Milliarden Euro zahlen. Da dieses Angebot zum großen Teil aus Aktien bestand, war der Wert in den vergangenen Wochen während der Krise an den Finanzmärkten auf 62,1 Milliarden Euro gesunken. Die Aktien der Banken des RBS-Konsortiums reagierten kaum auf die Nachricht. Marktteilnehmer hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Auch die Papiere von ABN AMRO und Barclays zeigten sich unbewegt. Marktbeobachter hatten einen Rückzieher von Barclays bereits erwartet.

Die Bedingungen für die Offerte seien nicht erfüllt worden, begründete Barclays die Entscheidung. Das Institut startete stattdessen einen Aktienrückkauf und verlangt von der niederländischen Bank 200 Millionen Euro für die fehlgeschlagene Übernahme. Die Forderung ergibt sich aus einer Vereinbarung, dass der ABN-AMRO-Vorstand seinen Aktionären das Barclays-Angebot ausdrücklich empfiehlt. Davon hatten der Vorstand aber zuletzt abgesehen.

"Ein Segen für Barclays"

Das ABN-AMRO-Management hatte zu Beginn des Übernahmekampfes im April die Barclays-Offerte bevorzugt und das Konkurrenz-Gebot abgelehnt. Einige ABN-Aktionäre bevorzugten jedoch das höhere Gebot des Konsortiums. ABN reagierte mit einer "Giftpille" und wollte sich mit einem Verkauf der für das Konsortium interessanten US-Tochter LaSalle unattraktiv für die Gruppe machen. Der Streit um diese Veräußerung ging bis vor das oberste Gericht in den Niederlanden, das den Verkauf dann letztlich zuließ.

Das Konsortium stieg anschließend aber nicht aus, sondern verbesserte die Struktur seines Angebots noch einmal. Möglich wurde das verbesserte Angebot durch eine Beteiligung der staatlichen China Development Bank (CDB) und des staatlichen Investmentfonds Temasek aus Singapur. Barclays wäre selbst bereit gewesen, den Adler aus seinem Logo zu nehmen und das Hauptquartier nach Amsterdam zu verlegen.

Marktbeobachter nannten den Rückzug "einen Segen" für Barclays, da sich die Bank mit der Übernahme in der gegenwärtigen Bankenkrise übernommen hätte. Analysten hatten auch betont, dass RBS zu viel für die Niederländer bezahlen würde.

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