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Anschläge in Katalonien

Barcelona: Vermisster australischer Junge ist tot

Mitten in die Trauerfeier für die Anschlagsopfer in Katalonien platzt die Nachricht über den Tod des australischen Jungen, dessen Schicksal bisher als ungewiss galt. Notfalldienste haben den Siebenjährigen identifiziert.

Eine der provisorischen Gedenkstätten auf dem Boulevard Las Ramblas in Barcelona (Foto: DW/S. Sezer Bilen)

Eine der "provisorischen" Gedenkstätten auf dem Boulevard "Las Ramblas" in Barcelona

Die Mutter war bei dem Attentat schwer verletzt und von ihrem Kind getrennt worden. Mutter und Sohn hatten in Barcelona Urlaub gemacht. Der Vater war am Samstag nach Spanien gereist. Spanischen Medienberichten zufolge habe die Polizei den Tod des Kindes nicht bestätigen wollen, bevor der Vater in Barcelona eingetroffen sei. Auch der Tod eines Italieners und eines Belgiers wurden bestätigt. 

Der Großvater hatte in sozialen Medien zuvor noch um Hilfe bei der Suche nach seinem Enkel gebeten. Sogar Australiens Regierungschef Malcolm Turnbull äußerte sich zu dem Fall. 

An einer Messe für die Todesopfer in der Basilika Sagrada Familia in Barcelona nahmen neben dem spanischen Königspaar Felipe VI. und Letizia, Ministerpräsident Mariano Rajoy, der katalonische Präsident Carles Puigdemont und die Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau teil. Auch zahlreiche Spitzenpolitiker wie der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa waren gekommen. Die Feier "für den Frieden" in dem weltberühmten, von Antoni Gaudí entworfenen Gotteshaus wurde vom Erzbischof von Barcelona, Juan José Omella, geleitet.

Zahlreiche Gäste begleiteten den Trauergottesdienst in der Basilika Sagrada Familia in Barcelona (Reuters/S. Perez)

Zahlreiche Gäste begleiteten den Trauergottesdienst in der Basilika Sagrada Familia in Barcelona

Das spanische Königspaar hatten am Samstagabend am Anschlagsort In Barcelona, der Flaniermeile "Las Ramblas", Blumen niedergelegt. "Wir haben keine Angst und werden niemals Angst haben", sagte der Monarch. Rund 200 Muslime marschierten unter dem Motto "Wir sind Muslime, keine Terroristen" über die Ramblas. Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel legte Blumen am Tatort nieder. Am Freitag hatte er ein Krankenhaus besucht und mit einer jungen Deutschen gesprochen, die bei dem Anschlag verletzt worden war.

Nach dem Terroranschlag demonstrierten in Barcelona am Anschlagsort Muslime gegen den Terror (picture-alliance/Kyodo/MAXPPP)

Nach dem Terroranschlag demonstrierten in Barcelona am Anschlagsort Muslime gegen den Terror

IS reklamiert Anschlag für sich

Derzeit liegen noch noch 54 Opfer verletzt im Krankenhaus, wie die katalanischen Notfalldienste mitteilten. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt - darunter viele Ausländer. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich. Eine der beiden Frauen schwebe in Lebensgefahr.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte die Angriffe in Spanien für sich reklamiert. Mehrere Glaubenskämpfer hätten sie ausgeführt und "Kreuzfahrer" ins Visier genommen, teilte der IS in einer Erklärung im Internet mit. Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde unter anderem über das IS-Propaganda-Sprachrohr Amak verbreitet.

Ermittler fahnden nach Imam

Unterdessen weitet die Polizei ihre Fahndung aus. "Wir sind sehr nah an einer Person dran, die mit beiden Attentaten in Verbindung steht", erklärten die Sicherheitskräfte auf Twitter. Welche Rolle der Verdächtige gespielt habe, könne noch nicht bestätigt werden.

In dieser Moschee predigte der verdächtige Imam (Getty Images/AFP/P. Barrena)

In dieser Moschee predigte der verdächtige Imam

Im Visier der Beamten sei unter anderem ein Imam. Er stand bis Juni der Moschee der Ortschaft Ripoll vor und könnte für die Radikalisierung der Gruppe verantwortlich sein. Der Geistliche verbüßte eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll Kontakte zu den Verantwortlichen der Zuganschläge 2004 in Madrid gehabt haben, wie die Zeitung "El País" berichtete. "Das waren normale Jungs. Erst als er kam, haben sie angefangen, sich mit Religion zu beschäftigen", sagte die Cousine des Hauptverdächtigen Younes Abouyaaqoub im Interview. Ob der Imam überhaupt noch am Leben ist, ist nicht bekannt.

Mutter von Verdächtigem appelliert an ihren Sohn

Younes Abouyaaqoub könnte Ermittlern zufolge den Lieferwagen in Barcelona gesteuert haben. Behörden schließen nicht aus, dass er auf der Flucht ist. Die Polizei verbreitete Fahndungsbilder des mutmaßlichen Täters. Wie der Imam habe er in der Kleinstadt Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona gelebt. Der 22-Jährige sei der Bruder eines der getöteten Verdächtigen von Cambrils. Die Mutter der beiden appellierte an den Sohn, sich zu stellen. "Er soll zur Polizei gehen und sich stellen. Mir ist es lieber, er kommt ins Gefängnis, als dass er stirbt", sagte sie bei einer Versammlung der muslimischen Bewohner von Ripoll.

Gasflaschen in Alcanar gefunden

Wie die Polizei inzwischen berichtet, hatte die Terrorzelle mindestens 120 Gasflaschen für "einen oder mehrere Anschläge" in der katalanischen Hauptstadt gehortet. Die Gasflaschen hätten sich in einem Haus in Alcanar befunden, wo durch eine Explosion die ursprünglichen Anschlagspläne durchkreuzt worden seien, so die Behörden.

Nach Ansicht des katalanischen Innenministers Joaquim Forn ist die für die Anschläge von Barcelona und Cambrils verantwortliche Terrorzelle zerschlagen. Sie sei durch "die Festnahmen und die Tötung von Personen bei verschiedenen Aktionen" neutralisiert worden. Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido hatte bereits am Samstag von einer Zerschlagung der zwölfköpfigen Gruppe berichtet, jedoch hatten Polizei und katalanische Regionalregierung da noch Zweifel an dieser Einschätzung geäußert.

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einem Netzwerk von insgesamt rund einem Dutzend Verdächtigen verübt wurden. Fünf von ihnen wurden in Cambrils erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt, zu ihnen gehören Abouyaaqoub und dem Prediger.

Die vier in Katalonien festgenommenen Terror-Verdächtigen sollen voraussichtlich am Dienstag dem zuständigen Ermittlungsrichter Fernando Andreu vorgeführt und verhört werden. Sie würden mit speziellen Polizeifahrzeugen von Barcelona aus zum nationalen Staatsgerichtshof in der Hauptstadt Madrid gebracht, berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf die Ermittler. Bei den Verdächtigen handele es sich um drei Marokkaner sowie um einen Mann aus der spanischen Exklave Melilla.

Die Polizei hatte Medienberichten zufolge zudem die sterblichen Überreste von drei Personen in den Trümmern des Hauses in Alcanar entdeckt, wo sich am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

cgn/jv/myk (afp, dpa, rtr)

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