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Welt

Barack Obama: Spiegelbild amerikanischer Hoffnung

Der selbst ernannte "Ein-Mann-Schmelztiegel" könnte als erster Schwarzer US-Präsident werden. Seine Biographie liest sich wie der amerikanische Traum. Doch was vielen Hoffnung gibt, nutzt die Konkurrenz zum Angriff.

Barack Obama während einer Rede, Quelle: AP

Fingerzeig Richtung Weißes Haus - Barack Obama bei den Vorwahlen in Texas

Es mag kein großer Sieg für Barack Obama gewesen sein. Nichts im Vergleich zu seinem Triumph beim Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Aber symbolträchtiger hätte er kaum sein können: der Grammy in der Kategorie "Spoken Word" für sein Hörbuch "The Audacity Of Hope: Thoughts On Reclaiming The American Dream". Am 10. Februar 2008, genau ein Jahr nach seiner offiziellen Kandidatur zum US-Präsidenten für die Demokraten, gewann Obama bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles den Oscar der Musikbranche. Er setzte sich dabei ausgerechnet gegen den ebenfalls mit einem Hörbuch nominierten Bill Clinton, den Mann seiner schärfsten Konkurrentin, durch.
Bunte Familienmischung: Barack Obama (r.) als Kind mit seiner Mutter Ann und Halbschwester Maya (m.) sowie seinem Steifvater Lolo Soetoro (l.), Quelle: dpa

Bunte Familienmischung: Barack Obama (r.) als Kind mit seiner Mutter Ann und Halbschwester Maya (m.) sowie seinem indonesischen Stiefvater Lolo Soetoro (l.)

Das war ein symbolträchtiger Erfolg - gilt Obama bei vielen als eine Art Polit-Rockstar. Seine Wahlkampftour quer durch die USA erinnert an die Tournee einer Rockband. Wo Obama auftritt, herrscht Ausnahmezustand: Schon Stunden bevor der Star die Bühne betritt, drängen sich tausende Fans an den Absperrgittern, feiern ihr Idol mit Sprechchören und schwenken Plakate mit seinem Konterfei. Seit einem Jahr schwappt die Obamania nun schon durchs Land, und was anfangs keiner für möglich gehalten hätte, könnte nun wahr werden: Barack Obamas Chancen, US-Präsident zu werden, stehen nicht schlecht. Ein schwarzer John F. Kennedy? Was zeichnet das Phänomen Barack Obama aus? Die Auszeichnung in der Kategorie "Spoken Word" verweist auf eine große Stärke des 46-Jährigen: Obama ist ein brillianter Redner. Seit seinem Auftritt als Hauptredner beim Nominierungsparteitag in Boston 2004 gilt er als neuer Hoffnungsträger der US-Demokraten. Wenn Obama vom Wechsel spricht und die "Wir schaffen das"-Mentalität beschwört, sind die Massen begeistert. Die Medien feiern ihn wahlweise als jungen Martin Luther King oder schwarzen John F. Kennedy. Der amerikanische Traum und Verweise auf seine eigene Biographie tauchen immer wieder in Obamas Reden auf.

Eine schwarze Frau mit einem Wahlplakat für Obama, Quelle: AP

Seine Anhänger feiern ihn wie einen Rockstar

Als Sohn eines "rabenschwarzen Vaters und einer milchweißen Mutter", wie er selbst sagt, bezeichnet sich Obama als "amerikanischer Ein-Mann-Schmelztiegel". Obamas Vater ist ein kenianischer Einwanderer aus einer Bauernfamilie, seine Mutter stammt aus Kansas. Geboren in Hawaii geht er nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter für einige Jahre nach Indonesien, bevor er als Zehnjähriger zu seinen Großeltern zurück in die USA geht. Dort wächst Obama in einfachen Verhältnissen auf. So überrascht es nicht, dass er nach seinem Politikstudium zunächst als Sozialarbeiter in einem Schwarzen-Stadtteil von Chicago arbeitete. Erst 1988 kommt er an die renommierte Harvard Law School, wird dort als erster Schwarzer zum Präsidenten der angesehenen Fachzeitschrift "Harvard Law Review" gewählt und beendet sein Jurastudium mit "magna cum laude" - um fortan als Anwalt zu arbeiten. Zur Politik kommt Obama erst 1996 mit dem Einzug in den Senat von Illinois. 2005 zieht er als einziger Schwarzer und erster schwarzer Senator der Demokraten überhaupt in den US-Senat. Vision von einem vereinten Amerika

So viele Facetten wie Obama in seiner Biographie vereint, so will er auch das Land einen. "Es gibt nicht ein liberales und ein konservatives oder ein schwarzes und ein weißes Amerika. Es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika", lautet einer seiner Slogans. Diese Botschaft scheint auch bei den Unentschlossenen und Politikverdrossenen anzukommen. Die Wahlbeteiligung ist schon bei den Vorwahlen höher als bei den letzten Wahlen im Jahr 2004.

Auch Obamas gebetsmühlenartige Widerholung des Wechsels scheint nach 16 Jahren Bush- und Clinton-Regiment im Weißen Haus den Nerv vieler Amerikaner zu treffen. Obama gehört nicht zum Washingtoner Polit-Establishment. Er ist jung und unverbraucht.

Doch was einige als Stärke ansehen, ist für andere seine größte Schwäche: Obama ist politisch unerfahren. Seine Worte kann er kaum mit Taten belegen. Zu kurz war seine bisherige politische Karriere, als dass er sich hätte auszeichnen können. Doch sein persönliches Charisma und die Strahlkraft seiner Vision von einem besseren Amerika für alle scheint das zu überdecken.

Kurze Störung

Auf der Zielgeraden des Vorwahlkampfes entbrannte eine hitzige Debatte über Obamas Identität als Schwarzer und seine Freundschaft zum umstrittenen Prediger Jeremiah Wright. Auch in der Krise besann sich der Senator dann aber auf seine größe Stärke. Und Obamas Rede über die Rassenfrage wurde gefeiert und löste eine Grundsatzdiskussion über das Miteinander von Schwarzen und Weißen in den USA aus.

Diese Kluft muss Obama überwinden, um auch Clinton-Anhänger von sich zu überzeugen. Seine Biographie zeigt, das er das Zeug dazu hat.

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