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Kunst

Banksy - Der "King of Urban Art" als Statussymbol

Viele kennen seine Graffiti, sein Gesicht kennt keiner. Der Streetart-Künstler Banksy lebt incognito. Seine Werke sind begehrte Jagdtrophäen. Auch für Dirk Kronsbein, der über 40 Banksys aus seiner Sammlung zeigt.

Dirk Kronsbein ist stolzer Besitzer von 45 Banksy-Werken, darunter einige Originale. Und das, obwohl der Galerist erst seit einem Jahr sammelt. Das Jagdfieber habe ihn gepackt, sagt der 76-jährige Unternehmer und Kunstmäzen. In seiner Münchener Galerie widmet er Banksy eine erste eigene Ausstellung in Deutschland. Die Galerie gründete Kronsbein 2009, als er selbst schon im Ruhestand war. "Ich hatte endlich Zeit, mich mit den schönen Künsten zu beschäftigen." In seiner Galerie, die mittlerweile von seiner Tochter Sarah geführt wird, spezialisierte er sich auf Pop Art und Urbane Kunst.

Der Galerist Dirk Kronsbein mit seiner Tochter Sarah Copyright: Sabine Brauer

Galerist Dirk Kronsbein mit Tochter Sarah

Auf Banksy stieß Dirk Kronsbein eher per Zufall. "Ich war in Los Angeles und wollte eine Galerie besuchen, die ich kannte, aber da war eine neue Galerie. Sie sagten mir, dass es einen Künstler namens 'Mr. Brainwash' gebe, dessen Studio wir besuchen könnten." Mr.Brainwash entpuppte sich als Mitarbeiter von Banksy und brachte Dirk Kronsbein zwar nicht mit dem Künstler selbst, wohl aber mit seinen Bildern in Kontakt.

Graffiti gegen Gewalt und Soziale Ungerechtigkeit

Kronsbein ging es wie vielen: Die Schablonenbilder, sogenannte Stencils, faszinierten ihn, wenn auch nicht gleich von der künstlerischen Seite her. "Was mich fasziniert, ist die politische Message und wie er die in Bildern umsetzt." So zeigt eine von Banksys letzten Sprühaktionen Steve Jobs auf einer Wand nahe eines Flüchtlingslagers in Calais. Kronsbein erkennt eine klare Botschaft: "Das sagt: Seht her, auch Steve Jobs hat durch seinen leiblichen syrischen Vater einen Flüchtlingshintergrund, und es ist was aus ihm geworden."

Gewalt, soziale Ungerechtigkeit, Waffenhandel, das sind nur einige Themen, die Banksy immer wieder aufgreift - in der Tradition der sogenannten "Kommunikationsguerilla". Er verändert oft bekannte Motive, um so eine andere Sichtweise auf soziale Themen zu schaffen. Weltweit bekannt auf Häuserwänden sind zum Beispiel seine Rattenbilder, die Gangster- oder "Paparazzi Rat". Auch Kronsbein zeigt eins davon - auf Papier - in seiner Ausstellung.

Steve Jobs auf Hauswand gesprüht. Copyright picture-alliance/AP

Steve Jobs als Graffiti und Vorbild am Eingang des Flüchtlingslagers in Calais

Wer etwas auf sich hält, hat einen Banksy an der Wand

Ständig ist der Sammler und Jäger Kronsbein auf der Suche nach neuen Banksy-Werken. Doch da ist er nicht der einzige, denn gerade Prominente schmücken sich und ihr Heim gerne mit einem echten Banksy. "Banksy ist zu einem Statussymbol geworden", meint Kronsbein. Ein Original kostet immerhin eine halbe Million britischer Pfund. Doch zurzeit, so Kronsbein, gäbe es keine neuen Originale mehr zu kaufen.

Obwohl keiner den Künstler kennt, kann man Banksy per Mail Aufträge erteilen oder Fragen stellen. Banksy soll 1976 im englischen Bristol geboren sein, soviel glaubt man zu wissen. Seit 1999 zeigt er seine Werke in selbstorganisierten Ausstellungen und verkauft über eigene Galerien, die von Freunden geführt werden. Den kommerziellen Galerie- und Kunstbetrieb lehnt Banksy ab.

Bansky, der Robin Hood für Arme

Aufträge führt Banksy aber mittlerweile nicht nur für soziale und karitative Organisationen aus, sondern auch für zahlkräftige Privatpersonen wie etwa das Model Kate Moss, das er in Anlehnung an Andy Warhols Marylin Monroe Bilder dargestellt hat. Banksy wird gerne als "Robin Hood" bezeichnet, der das Geld von den Reichen nimmt und den Armen gibt. Er unterstützt Hilfsorganisationen und bleibt nach wie vor ein sozialkritischer Graffiti-Sprayer.

Blick auf Bansky Dismaland mit Schloss und Riesenrad. Photo credit should read: Claire Hayhurst/PA Wire URN:23861201

Ein trostloser Freizeitpark als Bühne für den Künstler Banksy

2013 etwa sorgte er für Aufsehen, als er in New York seine Bilder für Schnäppchenpreise an Laien verkaufte. Mit "Dismaland" kreierte er im tristen verlassenen englischen Ferienort Weston-super-Mare die gruselige "Trash-Version" eines Freizeitparks. Eine Satire auf die Tourismus- und Unterhaltungsindustrie, die der Stadt immerhin 27 Millionen Euro für Sanierungen einbrachte.

Banksy bleibt unerkannt

Es ist erstaunlich, dass die wahre Identität von Banksy nicht bekannt ist. Viele haben versucht, ihn zu enttarnen, doch auch auf die jüngste Enthüllung folgte - wie immer - ein Dementi. Gerne würde der Sammler und Kunstmäzen Dirk Kronsbein Banksy persönlich kennengelernen, aber seine Freunde wie "Mr Brainwash", die auch Kronsbein in seiner Galerie vertritt, halten dicht. Dirk Kronsbein ist sich aber sicher, dass es sich bei Banksy um einen Mann handelt. Banksys Künstlerfreunde haben ihm immerhin gesagt, dass er eine sehr sozial engagierte Frau habe.

Dass Banksy sich irgendwann einmal outen wird, glaubt Dirk Kronsbein nicht. "Er bleibt ja nicht aus Spaß im Verborgenen. Das was er macht ist ja auch ein krimineller Akt, wenn er Häuserwände besprüht und damit in Bethlehem zum Beispiel auf das Palästinenserproblem aufmerksam macht. Er hat sich ja vielfach strafbar gemacht." Für die einen eine Straftat, für andere hochbezahlte Kunst. Und wer weiß, vielleicht hat Dirk Kronsbein Banksy ja schon längst kennen gelernt – ohne es zu wissen.

Die Ausstellung Banksy – King of Urban Art@Munich ist in der Galerie Kronsbein in München vom 15. April bis zum 10. September 2016 zu sehen.

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