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Welt

Bankgeschäfte unterm Baum – Mikrokredite in Namibia

Namibia ist geprägt von Armut und Arbeitslosigkeit. Deshalb sollen Mikrokredite bei der Existenzgründung helfen. Doch in Namibia genießen sie eher einen zweifelhaften Ruf.

Szenen aus dem ländlichen Namibia. Namibier sitzen unter einem Baum und erhalten eine Beratung zum Thema Mikrokredite

Schule im Freien: Der Einsatz eines Mikrokredits will gelernt sein

"Ich habe sie gebeten, mir noch eine Chance zu geben, ich habe sie angefleht, aber sie kamen einfach in mein Haus und haben alles genommen." Anna Beurkes hockt auf ihrem abgewetzten, kastanienbraunen Sofa. Das Gesicht von Sorgenfalten zerfurcht, erzählt sie von dem Abend, an dem die Kredithaie in ihr Haus stürmten.

Anna Beurkes lebt in Katutura, einem Vorort von Namibias Hauptstadt Windhuk. Die Menschen hier leben in Wellblechhütten ohne Strom oder Wasser, Arbeit gibt es nur für wenige.

Schwerer Start in die Selbständigkeit

Die Namibierin Anna Beurkes mit Kindern vor ihrem Kindergarten in Windhuks Township Katatura

Anna Beurkes mit Kindern aus ihrem Kindergarten

Als Anna Beurkes ihren Job als Haushälterin verlor, beschloss sie einen Kindergarten zu eröffnen. Für Stühle, Stifte und ein paar Malbücher lieh sie sich 500 namibische Dollar, ungefähr 50 Euro von illegalen Kreditverleihern - mit verheerenden Folgen. Weil Anna mit den Raten in Verzug geriet, drangen die Kredithaie in Annas Hütte ein und nahmen Kühlschrank und Fernseher mit.

Viele Menschen in Namibia, die Geld brauchen, wenden sich an die illegalen Kreditverleiher und die nutzen die Armut ihrer Kunden aus. Weil nur die wenigstens Existenzgründer Sicherheiten vorweisen können, bleiben ihnen Kredite bei den Banken versagt.

Koshi Yomuti – Bankgeschäfte unterm Baum

Menschen im ländlichen Namibia; Verkauf von eigenen Produkten (Gemüse und Gebäck) aus einer Schubkarre heraus

Einstieg ins Geschäftsleben - ein Mikrokredit macht es möglich

Diesen Missstand zu beheben, hat sich die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ, zum Ziel gesetzt. Mit ihrem Projekt "Koshi Yomuti" bietet sie im Norden Namibias Kleinstkredite an - gedacht für die Mittellosen. Das niedrigste Darlehen beträgt ungefähr 20 Euro.

Vielen reicht das, um sich eine Existenz aufzubauen: Berta Newumbo kaufte Öl und Mehl, um die beliebten Fatcakes, faustgroße, fetttriefende Teigbällchen zu backen, die sie auf dem Markt anbietet. Jeden Morgen läuft die schmächtige Frau zum Markt; über sandige Straßen schiebt sie mühsam ihre mit Fatcakes beladene Schubkarre vor sich her. Ein Fatcake kostet bei Berta Newumbo einen namibischen Dollar, rund 10 Cent. Damit bringt sie es auf 50 Euro Gewinn im Monat. Genug, um Essen zu kaufen, die Schulgebühren der Kinder zu zahlen und die Mutter zu unterstützen.

Kreditauszahlung per Motorrad

Taschenrechner und Bargeld auf einer roten Decke unter einem Baum im ländlichen Namibia

Auch die Kreditraten werden im ländlichen Namibia unterm Baum bezahlt

Ohne die GTZ hätte Berta Newumbo vermutlich nicht einmal einen Kredit beantragen können, denn in den ländlichen, dünn besiedelten Regionen Namibias gibt es nur wenige Banken - und ein Ausflug in die nächst größere Stadt ist oft zu teuer. Die Mitarbeiter der GTZ aber fahren auf ihren Motorrädern dorthin, wo die Kunden von Koshi Yomuti leben. So mancher Kreditnehmer zahlt seine Raten im Schatten eines Baumes mitten auf dem Land.

Mehr als 6000 Namibier haben schon von Koshi Yomuti profitiert, demnächst könnten es noch mehr sein: Zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau will die GTZ die erste Mikrofinanzbank Namibias eröffnen - Kunden wie Anna Beurkes wären dann nicht mehr auf Kredithaie angewiesen.

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