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Wirtschaft

Banken-Präsident: "Staat muss für Hilfen vergütet werden"

Angesichts der Finanzkrise spricht sich der Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, klar für staatliche Eingriffe aus. Im DW-WORLD.DE-Interview lobt Müller zudem das Verhalten der Privatkunden.

Klaus-Peter Müller (Foto: dpa)

Klaus-Peter Müller, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Aufsichtsratschef der Commerzbank AG

DW-WORLD.DE: Herr Müller, auch die Bundesregierung ist bereit, die Kapitalbasis von Banken zu stärken. Ist der Staat als Teilhaber willkommen?

Klaus-Peter Müller: In dieser Situation ist jede Hilfe, die der Staat geben kann, von den Banken zu begrüßen. Die Hilfe muss nicht auf viele Jahre angelegt werden, aber im Moment würde der Staat den verstopften Kapitalmärkten zu Hilfe kommen.

Aber das wird natürlich etwas kosten, denn anders ist das ja dem Steuerzahler nicht zuzumuten.

Das muss natürlich etwas kosten. Der Staat muss für sein Engagement angemessen vergütet werden. Darüber gibt es überhaupt keinen Zweifel, das ist auch nicht umstritten.

Wenn der Staat zur Rettung von Banken antritt und frisches Geld zur Verfügung stellt, wird er damit Auflagen verbinden. Akzeptieren Sie das und wo ist für Sie die Grenze?

Es ist natürlich schwer, jetzt zu Auflagen Stellung zu nehmen, die ich noch nicht kenne. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Staat an seine Hilfe Auflagen bindet. Da muss sich jeder überlegen, ob er sich damit einverstanden erklären kann oder ob er sagt, das geht mir zu weit, ich möchte den Staat in dieser Rolle nicht sehen.

Wie ist die Situation in den Schalterhallen der privaten Banken? Hat die Garantie der Bundesregierung für Bankeinlagen von Privatkunden gewirkt?

Was ich bisher auf Privatkundenseite gesehen und gehört habe, betrachte ich mit Respekt. Viele Anleger haben viele Fragen, wir haben sehr viel mehr beraten müssen als jemals zuvor. Das ist eine sehr logische Entwicklung. Aber die privaten Anleger haben sich außerordentlich besonnen verhalten. Dafür bin ich dankbar, denn unbesonnenes Handeln bringt jetzt nichts. Wenn wir es jetzt schaffen, zu ordentlichen Lösungen zu kommen, dann werden genau diese Anleger auch von der Erholung der Werte wieder profitieren. Das wünsche ich ihnen natürlich auch.

Auch Sie fordern eine bessere Regulierung der Finanzmärkte. Aber Sie wollen sich dabei nicht in Ihren Handlungsmöglichkeiten einschnüren lassen. Innovationen müssen auch künftig möglich sein.

Ich akzeptiere, dass es Regulierung gibt, die Handlungsräume beschneidet. Hier geht es einfach darum, in welcher Tiefe und ich welcher Quantität reguliert wird. Wir brauchen eine qualitativ sehr anspruchsvolle Regulierung, die sich nicht zwangsläufig quantitativ sehr breit machen muss.

Wenn künftig eine stärkere internationale Koordination bewerkstelligt wird, dann braucht man ja einen Koordinator. Sehen Sie da eine neue Rolle für den internationalen Währungsfonds?

Der internationale Währungsfonds bietet auf der multinationalen Ebene mehr als jede andere Institution an, weil fast alle, an die man überhaupt denken kann, ihm angeschlossen sind. Das wäre eine der neuen wichtigen Aufgaben für den IWF und ich denke, dass er diese Aufgabe an sich ziehen sollte.

Es gibt zur Zeit ja eine Diskussion über die Fehler der Banken, über Fehlverhalten und die Übertreibungen, die es gegeben hat. Bundespräsident Köhler hat die Banken hart kritisiert. Sehen Sie die Branche ungerechtfertigt an den Pranger gestellt?

Jede pauschal getroffene Aussage trifft sehr leicht auch die Falschen trifft. Ich nehme an, dass der Bundespräsident primär die Investmentbanker meint. Wenn dieses Urteil pauschal alle Mitarbeiter von Banken trifft, wird daraus sehr leicht eine unrechte Schelte.

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