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Amerika

Banken brauchen weniger Geld als befürchtet

Zehn der 19 größten US-Banken brauchen knapp 75 Milliarden Dollar weiteres Kapital, um die Wirtschaftskrise überstehen zu können. Das ergab der so genannte Banken-Stresstest.

Symbolbild Bankenstresstest USA (Foto: AP/Montage: DW)

Laut US-Regierung werden alle Banken die Rezession überleben

Experten hatten zuvor mit einem zusätzlichen Kapitalbedarf der Banken von bis zu 200 Milliarden Dollar gerechnet. Die Zahl von rund 75 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) ist das Ergebnis des Banken-"Stresstests", das Finanzministerium und Notenbank Fed am Donnerstag (07.05.2009) in Washington vorlegten.

US-Finanzminister Timothy Geithner nannte das Testergebnis ermutigend. Er sei einigermaßen zuversichtlich, dass die Banken die Kapitallücken ohne staatliche Hilfe schließen können. Notenbank-Chef Ben Bernanke äußerte die Erwartung, dass die Testergebnisse "die Investoren und die Öffentlichkeit erheblich beruhigen". Die betroffenen Banken sind laut Bernanke in einer guten Position, um das Kapital innerhalb der vorgegebenen Frist von sechs Monaten auf dem privaten Markt zu beschaffen. Andernfalls werde die Regierung weitere Hilfen bereitstellen, hieß es in einer Erklärung des Fed-Chefs.

Notenbanchef Ben Bernanke (Foto: AP)

Notenbanchef Ben Bernanke glaubt an die positive Wirkung des Stress-Tests

Die größte Finanzlücke hat die Bank of America mit 33,9 Milliarden Dollar, danach folgen Wells Fargo mit 13,7 Milliarden, die General-Motors-Bank GMAC mit 11,5 Milliarden und die Citigroup mit 5,5 Milliarden Dollar. Einige der überprüften Banken erwiesen sich den Angaben zufolge als gesund, darunter JPMorgan, Goldman Sachs und American Express. Die US-Regierung machte deutlich, dass wohl alle Geldhäuser die Rezession überleben würden. Dennoch hätten die Tests in den Bilanzen einiger Banken größere Löcher offenbart als bisher angenommen. Die Ergebnisse zeigten aber, dass das US-Finanzsystem - genau wie die Gesamtwirtschaft - auf dem Weg der Genesung sei.

Banken haben einen Monat Zeit

Die US-Regierung setzte den kapitalbedürftigen Banken eine einmonatige Frist. Bis zum 8. Juni müssen die Geldinstitute einen von den Aufsichtsbehörden genehmigten Plan vorlegen, wie sie an zusätzliches Kapital gelangen wollen. Danach bleiben fünf weitere Monate zur Beschaffung des Geldes. Wer aus dem von der Regierung aufgelegten 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsprogramm aussteigen will, muss nachweisen, dass er sich auch ohne Hilfe des staatlichen Notprogramms frisches Kapital beschaffen kann.

Unmittelbar nach Veröffentlichung der Testergebnisse kündigten mehrere Geldinstitute eine rasche Rückzahlung der staatlichen Hilfsgelder an. Goldman Sachs, Morgan Stanley und andere Großbanken erklärten, sei seien in der Lage, die Gelder bald zurückzuzahlen.

Auf Herz und Nieren geprüft

Die Zentrale der Wells Fargo Bank in Los Angeles (Foto: AP)

Die Wells Fargo Bank gehört zu den zehn Geldinstituten mit weiterem Kapitalbedarf

Die Banken mussten sich dem "Stress-Test" auf Geheiß der US-Regierung unterziehen. Die Tests sind ein zentraler Teil in der Strategie der Regierung von Präsident Barack Obama zur Stabilisierung des Finanzsektors. Sie sollen vor allem Aufschluss darüber bringen, was mit den Bank-Bilanzen passiert, falls sich die Wirtschaftslage in den USA weiter verschlimmert.

Die vorgelegten Befunde sind das Ergebnis eines 45-tägigen Prüfungsverfahrens, in dessen Verlauf mehrere hundert Mitarbeiter von Finanzministerium, Notenbank und Bankenaufsicht die Bücher der größten US-Banken untersucht haben. In Rechenmodellen spielten sie durch, ob die Banken mit ihrer derzeitigen Kapitalausstattung auch bei einer Verschärfung der Rezession ihren Bestand und ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe sichern könnten.

Zugrunde gelegt wurden dabei verschiedene Szenarien über die weitere Konjunkturentwicklung. Ebenfalls eingeflossen in die Berechnungen sind mögliche Wertverluste aus Ramschpapieren, die nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts weitgehend unverkäuflich geworden sind. (fg/gri/afp/ap/rtr/dpa)

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