1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Bank

Auf eine Bank kann man sich setzen. Denn sie ist ein Möbelstück. Eine Bank ist aber auch ein Geldinstitut. Und wenn sie als solches kein Geld mehr hat? Dann ist die Bank bankrott und keiner kann mehr auf sie setzen.‎

Früher hatte jeder eine Bank, sie galt nicht viel. Entsprechend heißt es in einer alten Lebensregel: "An der Bank anfangen und am Tisch aufhören". Das heißt: Klein beginnen und gut enden.

Fürsten vorn und Faule hinten

Wenn man sich für Chancengleichheit stark machen wollte, so lebte man nach dem Grundsatz, alle "durch die Bank" gleich zu behandeln. Ähnlich ist der Sinn der vergessenen Wendung "jemanden auf eine Bank mit einem andern setzen". Es geht hier ursprünglich um eine alte Tischsitte. Bei den Mahlzeiten wurden alle der Reihe nach ohne Bevorzugung bedient. Durchaus ungewöhnlich, denn im mittelalterlichen Reichstag hatten die Bänke (z. B. die Fürstenbank) eine strenge Rangordnung.

Und gibt es nicht heute auch noch "Hinterbänkler"? Aber ja! Das sind Abgeordnete, die als mäßig Fleißige oder minder Erfolgreiche auf den hinteren Plätzen sitzen müssen und dort dadurch auffallen, dass sie nicht auffallen.

ABC und 1, 2, 3

Wofür braucht man die Bank? Die schlichte Antwort "am häufigsten zum Sitzen", entnommen dem Grimmschen Wörterbuch. Immerhin kennt es insgesamt 316 Bank-Arten: von der "ABCE-Bank" ("auf der ABCE-Bank sitzen" heißt "auf der untersten Schulbank sitzen") bis zur Zoll-Bank (eigentlich "der Tisch des Zöllners" wie "die Bank des Wechslers" oder "Spielers"). Die Zollbank ist ein schönes Beispiel, wie die beiden großen Bank-Arten Möbelstück (Tisch) und Geldhaus (Wechselbank) eine Verbindung eingehen. Das scheint historisch verbürgt.

Man muss wissen, dass es in Italien üblich war, dass die Geldwechsler ihre Zähltische (Bänke) im Freien hatten. Der Tisch (italienisch "banca") wurde umgeworfen oder zerbrochen, wenn sich der Wechsler etwas zuschulden kommen ließ. Es wurde ihm das Symbol seiner Tätigkeit zerschlagen – "banca rotta ruptus". Ob "banca rotta" so konkret zu verstehen ist? Der Duden sagt nein. Der Tisch sei nämlich nie zerschlagen worden. Wer heutzutage bankrott geht, ist seinen finanziellen Verpflichtungen, meistens einer Bank gegenüber, nicht nachgekommen.

Kein kurzer Prozess

Von der konkreten Sitzbank abgeleitet ist auch die Wendung "etwas auf die lange Bank schieben". Diese Redensart entstammt der Welt des Rechts, ihr Ursprung liegt wahrscheinlich in der Verwendung der Bank als Sitzgelegenheit im Gerichtssaal. Das Urteil musste ja im Sitzen gefunden werden. Der Richter saß gewöhnlich auf einem Stuhl, die Schöffen auf der Schöffenbank.

Die Taktik der Prozessverlängerung durch langwierige Verhöre war für den wiederholten Aufschub und die Verlängerung der Prozessdauer verantwortlich, durchaus eine taktische Finesse. Die armen entnervten Schöffen waren nämlich gehalten, bis zur Urteilsfindung auf ihrer Bank auszuharren.

Unbequeme Sitzplätze

Wie eingangs gesagt: Eine Bank galt nicht viel. Jemanden lange warten zu lassen, hieß im Schwäbischen "einen auf die Ofenbank setzen". Als unbequem und lästig gilt auch die so genannte harte Bank der Opposition. Wer auf ihr Platz nehmen muss, entbehrt ja die vielfältigen Vorteile einer Regierungspartei.

Auch wer als Fußballer auf der Ersatzbank sitzen muss, ist davon nicht begeistert. Doch ist das alles komfortabel gegenüber den Unannehmlichkeiten einer Streckbank, einem Folterinstrument der heiligen Inquisition. Auf die Beschreibung dieses schmerzhaften Liegemöbels wird hier verzichtet. Davon mögen andere ein Lied singen.

Alte Leier, leere Kirchen

Wer singt, der möchte gehört werden. So war es bei Festen und Jahrmärkten beliebt, sich auf Bänke zu stellen, so dass möglichst viele in den Hörgenuss kamen. Professionalisiert wurde dieser Bänke-Gesang durch die Bänkelsänger, die ihrem Publikum Geschichten, sogenannte Moritate, zur Drehleier vorsangen.

Heute ist diese Kunst weitgehend ausgestorben. Der Bänkelsänger gehörte irgendwann zu jenen, die keine Zuhörer mehr finden, er musste "leeren Bänken predigen". Mit diesen "Bänken" sind zweifellos Kirchenbänke gemeint. Sandbänke kaum. Von denen gibt es freilich immer mehr, weil es immer weniger Wasser gibt. Pech für die Schiffe.

Geld her!

Allgemein sieht es auf dem "Bank-Konto" aber anders aus: Von einst vielen Bänken des öffentlichen Lebens sind nicht mehr viele übrig. Warum sollen dann ausgerechnet die – früher mal so genannten – Geldinstitute übrig bleiben?

Erich Kästner dichtete schön "Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank":

"Uns erfreut das bloße Sparen.

Geld persönlich macht nicht froh.

Regelmäßig nach paar Jahren

klaut Ihr's uns ja sowieso."

Das ist eine Bank – darauf ist Verlass. Leider.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads