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Wirtschaft

Bank of England schraubt am Leitzins

Die Briten nehmen seit geraumer Zeit wegen des niedrigen Zinsniveaus in großem Ausmaß Kredite auf. Gleichzeitig steigen die Hauspreise dramatisch an. Die Banker versuchen gegen zu steuern.

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Die Bank of England schreitet ein


Die Bank von England hat angesichts des überhitzten Immobilienmarktes und überschuldeter Privathaushalte den Leitzins am 10. Juni 2004 erneut um 0,25 Punkte auf nunmehr 4,5 Prozent erhöht. Das ist bereits die vierte Zinserhöhung innerhalb von sieben Monaten. Die Bank begründete ihren Schritt mit dem Ziel, die Inflationsrate mittelfristig bei zwei Prozent zu halten.

John Butler, Analyst von HSBC, sieht in der Zinserhöhung ein Anzeichen für einen sich beschleunigenden Zyklus der geldpolitischen Straffung. "Jetzt wird das Tempo verschärft", erklärte er nach der Zinsentscheidung. "Ich glaube, das bedeutet von jetzt an häufigere und aggressivere Zinsschritte." Die meisten Analysten begrüßten den Schritt.

Künstliche Abkühlung

"Es ist lebensnotwendig, die Verbraucher zur Zurückhaltung bei der Neukreditaufnahme zu ermutigen", sagt auch Howard Archer von Global Insight. "Oder die Zinsen werden langfristig deutlich stärker steigen müssen." Durch die zunehmende Zahl von Single-Haushalten steigt die Nachfrage an Wohneigentum, während gleichzeitig so wenig neue Wohnungen gebaut werden wie sonst nirgendwo in der Europäischen Union.

Wenn der Immobilienmarkt nicht von alleine zur Ruhe kommt, könnte der Leitzins bis Ende 2004 weiter steigen. Erwartet wird einer Erhöhung auf 5,0 oder gar 5,25 Prozent. Der Council of Mortgage Lenders (dt. Rat der Hypothekenverleiher) hat im März 2004 Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass die Kreditaufnahme einiger Immobilienkäufer bis an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit geht. Denn in Großbritannien ist es üblich, den zu erwartenden Wertzuwachs der Immobilie in die Kreditfinanzierung mit einzukalkulieren.

"Im Rahmen des Erschwinglichen"

Gemessen am derzeitigen durchschnittlichen Einkommensniveau britischer Haushalte sind die Immobilienpreise nicht einmal übertrieben hoch. In vielen Familien leben Doppelverdiener, die bereit sind, für eine Erhöhung ihrer Lebensqualität einen entsprechenden Preis zu zahlen. Im Vertrauen auf eine finanziell gesicherte Zukunft nehmen sie bereitwillig Kredite auf und verschulden sich auf 30 und mehr Jahre. "Wer jetzt einsteigen oder verkaufen will, der sollte einkalkulieren, dass die Zinsen weiter in die Höhe gehen könnten, die Hauspreise aber nicht unbedingt", gibt der Gouverneur der britischen Notenbank, Mervyn King, zu bedenken. Es kann passieren, dass in absehbarer Zeit viele Leute ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. (arn)