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Wirtschaft

Bank of America kaufte Merrill Lynch

Die Bank of America wurde als möglicher Käufer für die angeschlagene Invesmentbank Lehman Brothers gehandelt. Doch als sich Amerikas größte Bank zum Kauf von Merrill Lynch entschloss, wurde die Lehman-Pleite besiegelt.

Logo von Merril Lynch in New York (Foto: AP)

Logo von Merril Lynch in New York

Es ist der 14. September 2008: Hinter eisernen Türen und vergitterten Fenstern der New Yorker Notenbank hatten sich zwei Tage lang die wichtigsten Köpfe der US-Finanzwelt verschanzt, um zu beraten, wie es mit den angeschlagenen Investmentbanken weiter gehen soll. Eines der gigantischen Sorgenkinder: Der Investmentriese Merrill Lynch.

Am Sonntag Nachmittag berichtet das "Wall Street Journal" online, dass die Bank of America, die damals größte Bank der Vereinigten Staaten, den Investmentriesen Merrill Lynch kaufen will, für 50 Milliarden Dollar – am nächsten Tag ist es Gewissheit. "Wir wissen, dass harte Arbeit auf uns zu kommt, aber genau darin sind wir gut", sagt Ken Lewis, Chef von Bank of America, auf der Pressekonferenz und versucht Gelassenheit zu verbreiten. „Wir werden die beste Übernahme der Welt und den besten Finanzdienstleister der Welt schaffen“, verkündet er nicht ganz glaubhaft.

Dritte Rettungsaktion

Merrill Lynch in Japan (Foto: AP)

Vorbote der Schockwelle: der Invesmentriese Merrill Lynch wird geschluckt

Merrill Lynch hatte sich im Markt der Hypothekenpapiere verzockt. Sie hatten auf ein Kartenhaus gesetzt, erklärt Sharyn O‘Halloran, Politökonomin von der Columbia University in New York: "Die Hypotheken verloren an Wert, damit konnten die Institute ihre kurzfristigen Kredite nicht mehr in langfristige umwandeln". Der Wert der Papiere fiel ins Bodenlose. Der Deal mit Bank of America bedeutete den Abstieg von einer der weltweit führenden Investmentbanken zur Tochtergesellschaft einer anderen Bank – innerhalb weniger Monate.

Die Folge für Merrill Lynch: Milliardenverluste und ein dramatischer Kursverfall seit 2007. Der 50 Milliarden-Dollar Deal vom 14. September ist bereits die dritte Rettungsaktion im Krisen-Jahr: Schon im März war der kleinere Merrill-Konkurrent Bear Stearns in einem Notverkauf an den Finanzkonzern JP Morgan gegangen und erst eine Woche zuvor wurden die Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht.

Aufatmen vor dem nächsten Schock

Ken Lewis, Chef von Bank of America (AP)

Wirkte nicht überzeugend: Ken Lewis, Chef von Bank of America

Aber ans Aufatmen dachte an der New Yorker Wall Street erst mal niemand. "Zuerst dachten alle, dass der Zusammenschluss mit der Bank of America ein guter Deal war und die Leute gratulierten dem Merrill-Chef John Thain", erinnert sich Arthur Cashin, ein Wall-Street-Händler mit jahrzehntelanger Erfahrung. "Aber als der Tag voranschritt und der Druck auf Lehman wuchs – wusste man, dass der Preis noch nicht gezahlt war". Die Bank of America galt neben der britischen Barclays Bank als möglicher Käufer für die ebenfalls schwer angeschlagene Konkurrenzbank Lehman Brothers. Doch mit der Merrill Lynch Übernahme, hatte die Bank of America ihr Pulver verschossen: Noch in der Nacht zum Montag wurde klar: Lehman muss Insolvenz anmelden.

Autoren: Jens Korte und Miriam Braun

Redaktion: Zhang Danhong

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