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Kultur

Bangladesch: Leben in den Fluten

Die Zahl der Toten bei dem seit Juli anhaltenden verheerenden Hochwasser in Bangladesch ist auf mehr als 800 gestiegen. Viele Überlebende leiden an Durchfall, Gelbsucht, Lungenentzündung oder anderen Krankheiten.

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Große Gebiete in Bangladesch und Indien sind von der Flut betroffen

Flutkatastrophe in Bangladesch

Ein Junge in Dhaka kämpft sich durch die Wassermassen (23.7.2004)

Verloren ragt die Bambushütte von Lucky und Saiful Hossen aus der schwarzen und stinkigen Brühe. Etwa die Hälfte ihres mithilfe von Plastiktüten und Bananenblättern gebauten ärmlichen Heims am Rande von Dhaka steht unter Wasser. Trotzdem sagt die 20-jährige Lucky stolz: "Das ist mein Haus."

Die junge Familie mit einer dreijährigen Tochter gehört zu den rund 30 Millionen Opfern der schlimmsten Überschwemmungen in Bangladesch seit 1998. Obwohl ihnen das Wasser buchstäblich bis zum Halse steht, zögern Lucky und Saiful Hossen ebenso wie viele andere auch, ihr Zuhause zu verlassen. Luckys 14-jährige Schwester Akhi und ihre Eltern wohnen in einer Nachbarhütte. Schlangen und Schmutz zum Trotz sind sie froh, überhaupt ein Heim zu haben - und wollen bleiben.

Hunderte Todesopfer

Ungeachtet der Seuchengefahr, die in den inzwischen von Abwässern verdreckten Fluten lauert, watet Akhi durch das Wasser. Sie wirkt fast wie ein Symbol für den überzeugten Willen vieler Slumbewohner, die schweren Überschwemmungen auszusitzen.

Lucky und ihr Mann hoffen, dass das ihre Bambushütte umspülende Hochwasser in vier Wochen zurückgehen wird. Seit Mitte Juli rollen die Wassermassen über Bangladesch hinweg. Zu Hochzeiten waren zwei Drittel des 140-Millionen-Einwohner-Landes überflutet. Etwa 800 Todesopfer wurden bislang gezählt. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) zeigte sich Anfang August besorgt über einen dramatischen Anstieg von Lungenentzündungen. Vor allem Kinder seien so geschwächt, dass sie eine solche Erkrankung nicht überlebten.

"An manchen Tagen hungern wir"

Nach Einschätzung der Regierung in Dhaka benötigt ein Großteil der Bevölkerung zudem dringend Lebensmittelhilfen. "Bisher haben wir nichts bekommen, nicht ein einziges Reiskorn", sagt Lucky. Auch die Arbeitsstätte ihres Mannes fiel den Fluten zum Opfer, so dass die Familie gezwungen ist, von dem zu leben, was sie irgendwie kriegen kann. "Wir leben von der Hand in den Mund", sagt sie. "An manchen Tagen hungern wir, an anderen essen wir ein bisschen."

Flutkatastrophe in Bangladesch

Fahrrad-Rikscha in Dhaka (Archiv)

Lucky und Saiful Hossen sind in der Hoffnung auf Arbeit vom Land in die Hauptstadt gezogen. Wie viele andere auch: Seit 1971 kletterte die Zahl der Einwohner Dhakas von einer auf mehr als zwölf Millionen. "Auf dem Land hatten wir nichts, hier hat mein Vater einen Teestand und mein Mann verdient als Arbeiter etwa einen Dollar pro Tag", sagt Lucky. Trotzdem sind ihre Tage in der kargen Bambushütte gezählt: In der Nähe des Slums wird ein Appartmenthaus gebaut. Sobald das Gebäude fertig ist, will der Besitzer die Bewohner des Armutsviertels fortjagen.

Lucky sagt: "Wie sind wie Schmetterlinge, die von einem Ort zum anderen fliegen. Nur zurück auf's Land werden wir nicht gehen." (afp)

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  • Datum 11.08.2004
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