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Asien

Bangladesch bald unter Wasser?

Wenn der Meeresspiegel ansteigt, drohen Bangladesch in den kommenden Jahrzehnten Überschwemmungen bis weit ins Landesinnere. Millionen Menschen verlieren dann ihre Existenz und werden zu Klimaflüchtlingen.

Junge mit Krug in Wasser (Foto: dpa)

Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren in Bangladesch zu Überschwemmungen

Bangladesch wird oft als Paradebeispiel genannt, um die Folgen des Klimawandels zu verdeutlichen. Denn das flache südasiatische Land wird unter verschiedenen Folgen des Klimawandels gleichzeitig leiden: Anstieg des Meeresspiegels, häufigere und stärkere Stürme, Überschwemmungen und Trockenheit. Allein der ansteigende Meeresspiegel wird dramatische Auswirkungen haben, erklärt Mahaboob Hasan vom Umwelt-Forschungsinstitut "Bangladesch Unnayan Parishad" in der Hauptstadt Dhaka. Denn durch das eindringende Salzwasser sei das ganze landwirtschaftliche Ökosystem in Gefahr. "Die Reisfelder werden unterspült. Aber Reis erträgt kein Salzwasser. Das wird die Nahrungssicherheit der Menschen in den Küstengebieten bedrohen."

Katastrophe mit Ansage

Flutopfer in Bangladesch (Foto: AP Photo/Pavel Rahman)

Wenn die Anbauflächen für Reis und Gemüse verschwinden, gehen auch die entsprechenden Arbeitsplätze verloren. Die Existenzgrundlage von Millionen Kleinbauern, Feldarbeitern und Tagelöhnern in den Küstengebieten ist gefährdet. "30 bis 40 Millionen Menschen, etwa 19 Distrikte an der Küste, werden vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein", schätzt Umweltexperte Hasan. Vor diesem Hintergrund sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Millionen Menschen in andere Landesteile aufmachten. Damit droht dem mit rund 150 Millionen Einwohnern schon heute übervölkerten Land möglicherweise eine humanitäre Katastrophe. "In einem Land, das so extrem arm ist wie Bangladesch, erwarten Klimaflüchtlinge, die zuhauf in die Großstädte strömen, elende Lebensbedingungen", sagt Thomas Hirsch von der deutschen Entwicklungshilfeorganisation "Brot für die Welt". Viele müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. "Oft muss die ganze Familie mit anpacken, inklusive der Kinder, um gerade mal eben überleben zu können."

Frauen im Wasser mit Fernseher (Foto: dpa)

Schwierige Suche nach Lösungen

Zusammen mit Entwicklungshilfeorganisationen wie "Brot für die Welt" sucht Bangladesch bereits heute nach Wegen, um mit dieser ökologischen und sozialen Herausforderung umzugehen. Ziel ist es, zusammen mit den Gemeinden und Dörfern Anpassungsstrategien zu entwickeln. So könnten von Versalzung betroffene Regionen versuchen, auf salz-resistenten Reis umzustellen. Wichtig sei es außerdem, nach neuen Erwerbsmöglichkeiten für die Menschen zu suchen, meint Thomas Hirsch. "Wir versuchen, gemeinsam mit der Bevölkerung, Auswege zu finden und dann auch daran zu arbeiten, solche Strategien langfristig tragfähig umzusetzen." Tatsächlich hat die Regierung von Bangladesch bereits damit begonnen, die Küstengebiete aufzuforsten, um das Abschwemmen des Bodens aufzuhalten. Erdwälle werden aufgeschüttet, damit das Salzwasser nicht eindringen kann. Steinhäuser, die auf Stelzen stehen, sollen Menschen bei Überschwemmungen Schutz bieten.

Status ungeklärt

Menschen im Wasser (Foto: ap)

Aber nicht immer ist Anpassung nach Auffassung des Umweltexperten Hasan tatsächlich das Richtige. Daneben sei es wichtig, die Menschen auch auf ganz andere Perspektiven hinzuweisen. Eine Möglichkeit sei beispielsweise ein Neuanfang im Ausland. "Arbeitskräfte sind preiswert in Bangladesch, und im Nahen Osten gibt es einen großen Bedarf. Wir werden bald kurze Trainingskurse anbieten und die Teilnehmer dann in andere Länder senden, damit sie dort eine Arbeit finden und ihr Überleben sichern können." Die Migrationsströme werden nicht an den Landesgrenzen anhalten. Experten fordern daher dringend, konkrete Kooperationen mit Ländern in der Region und außerhalb Südasiens aufzubauen. Bisher allerdings gibt es noch nicht einmal einen international gültigen Rechtsstatus für Klimaflüchtlinge.

Autorin: Ana Lehman
Redaktion: Esther Broders

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