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Amerika

Banges Warten am Golf von Mexiko

Hat der Energiekonzern BP das Ölleck am Meeresboden endlich verschließen können, oder geht die Ölpest ungebremst weiter? Ob die Operation "Top Kill" erfolgreich ist, steht nach etlichen Stunden immer noch nicht fest.

Das Live-Video einer Kamera zeigt, wie Öl aus dem Leck strömt (Foto: dpa)

Mehr als 26 Millionen Liter Öl sollen bereits ins Meer geflossen sein

Zwar hat der Konzern BP nach Angaben der US-Küstenwacht Fortschritte bei der beispiellosen Aktion im Golf von Mexiko gemacht. Geschlossen sei das Leck aber noch nicht, erklärte Küstenwachtkommandeur Tony Russell am Donnerstag (27.05.2010). BP-Chef Tony Hayward rechnet damit, dass es erst am späten Donnerstagabend Klarheit darüber gibt, ob der jüngste Versuch im Kampf gegen die Ölpest von Erfolg gekrönt ist. Der Energiekonzern hatte am Mittwoch damit begonnen, im Golf von Mexiko unter hohem Druck große Schlammmassen in das Bohrloch zu pumpen. Die sogenannte "Top-Kill"-Methode soll das unablässig sprudelnde Öl stoppen.

Hayward hatte die Erfolgschancen mit 60 bis 70 Prozent beziffert. Eines der größten Risiken sei, dass sich das Leck durch den Beschuss mit Schlamm noch vergrößern könne. Das Verfahren wurde noch nie in 1500 Metern Tiefe erprobt. Dennoch hatte die amerikanische Küstenwacht grünes Licht für "Top Kill" gegeben.

Bei dem Verfahren "Top Kill" werden durch zwei Leitungen und das Sicherheitsventil ("Blowout Preventer"), das auf dem Bohrloch sitzt, Tausende Liter Schlamm pro Minute dem ausströmenden Öl entgegengepumpt. Anschließend soll das Leck dann mit Zement versiegelt werden.

Obama kündigt härtere Gangart an

Eine Unterwasserkamera zeigt Gerätschaften, die für 'Top Kill' eingesetzt werden (Foto: AP)

Mit hohem Druck wird Schlamm in die Tiefe gepumpt

US-Präsident Barack Obama warnte, es gebe keine Garantie für einen positiven Ausgang. Seine Regierung werde aber nicht eher ruhen, bis das Öl gestoppt und die Schäden beseitigt seien. Die USA müssten sich angesichts der "herzzerreißenden" Ölpest nach alternativen Energiequellen umschauen. "Unser Planet hält das nicht aus", warnte er.

Obama kündigt inzwischen als Konsequenz aus der Ölkatastrophe eine härtere Gangart gegen die Ölindustrie an. Genehmigungen für Bohrungen in tiefen Küstengewässern sollten erst nach wesentlich strengeren Prüfungen erteilt werden, sagte Obama in Washington. Er verlängerte das Moratorium für neue Bohrungen im Meer um sechs Monate. Zwei geplante Probebohrungen in den Gewässern vor Alaska wurden ausgesetzt. Außerdem sollen 33 laufende Bohrungen im Golf von Mexiko gestoppt werden.

Operation wird von Houston aus beobachtet

Eine Unterwasserkamera zeigt Gerätschaften, die für 'Top Kill' eingesetzt werden (Foto: AP)

"Top Kill" gilt als riskante Methode

BP-Chef Hayward verfolgte den Fortgang des Versuchs gemeinsam mit US-Energieminister Steven Chu im Kontrollzentrum in Houston. Bisher ist der Konzern mit seinen Versuchen, das Bohrloch zu schließen, immer wieder gescheitert. Sollte auch die jüngste Operation misslingen, wolle BP drei bis vier Tage später versuchen, den Ölfluss mit einer Sicherheitshülle zu stoppen, sagte Hayward am Mittwoch. Wegen der schleppenden Arbeit ist der britische Konzern BP zunehmend in die Kritik geraten.

Bei der Ölpest ist nach Berechnungen amerikanischer Wissenschaftler deutlich mehr Öl ins Meer geflossen, als bisher angenommen. Bis zu vier Millionen Liter pro Tag seien seit der Katastrophe am 20. April ausgetreten, teilte die Leiterin einer Expertenkommission in Washington mit. Das wäre fünf Mal soviel, wie von BP bislang geschätzt. Insgesamt wäre seit der Explosion der Bohrinsel am 20. April damit weit mehr Öl ins Meer geflossen als bei dem Unglück des Tankers "Exxon Valdez" 1989 in Alaska.

Austretendes Öl wird schwerer

Eine Unterwasserkamera zeigt Gerätschaften, die für 'Top Kill' eingesetzt werden (Foto: AP)

Das Verfahren "Top Kill" soll den Ölfluss stoppen

Unterwasseraufnahmen zeigen, dass das austretende Öl dunkler geworden ist. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern deutet das darauf hin, dass inzwischen schwereres Öl austritt, dessen Zerstörungspotenzial für die Umwelt noch höher ist als bisher.

Im US-Bundesstaat Louisiana hat der Ölteppich inzwischen die artenreichen Sumpfgebiete erreicht. Mehr als 160 Kilometer Küste sind bereits verseucht, wie Louisianas Gouverneur Bobby Jindal berichtete. Auch an den Bundesstaaten Mississippi und Alabama wurde bereits Ölschlick angeschwemmt. Als Nächstes könnten die Strände Floridas betroffen sein.

Autorin: Ursula Kissel/Reinhard Kleber (rtr, dpa, afp, apn)
Redaktion: Martin Schrader/Hajo Felten

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