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Politik

Bangen um zweite Geisel

Die Bundesregierung bemüht sich weiterhin um die Freilassung der zweiten deutschen Geisel in Afghanistan. Der Leichnam des in Geiselhaft gestorbenen Deutschen soll obduziert werden. Noch ist die Todesursache unklar.

Ein deutscher ISAF-Soldat in Afghanistan. Foto: DPA

Die ISAF-Soldaten bleiben in Afghanistan - trotz aller Forderungen der Entführer.

Die Bemühungen um das Leben des zweiten in Afghanistan verschleppten Deutschen gehen weiter. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Montag (23.07.07) in Brüssel, die Bundesregierung dringe "mit aller Kraft" auf die Freilassung des am Mittwoch in der Provinz Wardak verschleppten Ingenieurs. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor versichert, man werde alles daran setzen, die Geisel freizubekommen. Den von einem Taliban-Sprecher verlangten Rückzug der Bundeswehr lehnte sie weiter strikt mit dem Hinweis ab, die Bundesregierung sei nicht erpressbar.

Die Leiche des in Geiselhaft gestorbenen deutschen Ingenieurs wird am Donnerstag in Deutschland obduziert. Die Obduktion soll Aufschluss darüber geben, ob der Mann durch Schüsse starb oder bereits tot war, als auf ihn geschossen wurde. Das Auswärtige Amt war zunächst davon ausgegangen, dass der Ingenieur an Erschöpfung gestorben ist, hat aber inzwischen bestätigt, dass die Leiche Schusswunden aufweist.

Diskussion über Bundeswehr-Einsatz

Karte Proviz Wadek in Afghanistan

Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend auf die Forderung von ISAF-Kommandeur Dan McNeill, das deutsche Kontingent um 500 bis 1000 Soldaten aufzustocken. Deutschland stellt derzeit 3000 Soldaten der NATO-geführten Internationalen Sicherheitstruppe. Die deutschen Soldaten sind im Norden des Landes im Einsatz. Statt auf eine Aufstockung oder Verlegung in den umkämpften Süden setzt die Bundesregierung auf eine stärkere Ausbildung afghanischer Kräfte. "Wir müssen unsere Ausbildungsanstrengungen sowohl bei der Polizei als auch beim afghanischen Militär ausbauen, um Hilfe zu Selbsthilfe zu geben", sagte Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt in der ARD.

Der Bundestag muß im Herbst alle drei Bundeswehr-Mandate für Afghanistan verlängern - den Einsatz der ISAF, der Tornado-Aufklärungsflugzeuge und die deutsche Beteiligung am Anti-Terror-Kampf "Enduring Freedom". Die Bundesregierung hält die Verlängerung aller drei Mandate für notwendig, während sich im Bundestag vor allem gegen den US-geführten Einsatz "Enduring Freedom" Widerstand regt.

23 Südkoreaner weiter in Geiselhaft

Angehörige der südkoreanischen Geiseln. Foto: AP

Angehörige der südkoranischen Geiseln

Unterdessen bemühen sich die afghanische und die südkoreanische Regierung weiter um die Freilassung der 23 entführten christlichen Südkoreaner. Sie waren am Donnerstag in Ghasni im Süden Afghanistans verschleppt worden. Die Regierung in Seoul halte weiter über direkte oder indirekte Kanäle Kontakt zu den Geiselnehmern, sagte ein Regierungsbeamter. Die Taliban fordern im Gegenzug die Entlassung von 23 Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft.

Die Saemmul-Gemeindekirche, der die Geiseln angehören, kündigte am Montag an, ihre Hilfe in Afghanistan einzustellen. Ein Vertreter der Freikirche in dem Seouler Vorort Pundang wies den Vorwurf zurück, die Entführten hätten am Hindukusch vor allem missionarisch arbeiten wollen. Die Gruppe habe medizinische und andere Hilfe anbieten wollen. (nw)