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Aktuell Deutschland

Bangen um die Deiche

Die Hochwasserlage hält die Menschen in Ostdeutschland und Bayern weiter in Atem. Angesichts völlig durchweichter Deiche und überfluteter Ortschaften brachten die Behörden tausende Menschen in Sicherheit.

Besonders kritisch war am Donnerstag die Lage in Halle in Sachsen-Anhalt, wo unter anderem ein Deich an der Saale zu brechen drohte. Dann würde der Stadtteil Halle-Neustadt mit 30.000 Bewohnern überflutet werden. Rund 1000 Menschen mussten ihre Häuser schon verlassen. "Die Deiche sind aufgeweicht", sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegend. Die Situation in der Stadt sei "äußerst angespannt".

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Lage in Hochwassergebieten bleibt kritisch

In Sachsen ist die Situation in den überschwemmten Gebieten entlang der Elbe weiterhin kritisch - das Hochwasser des Flusses erreichte am Donnerstag seinen Höhepunkt. In Dresden stand der Pegel der Elbe am Mittag bei 8,76 Meter. Normal sind knapp zwei Meter. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt anders als bei der Flutkatastrophe 2002 bislang verschont. Der hohe Wasserstand soll vier bis fünf Tage anhalten. Nach Angaben der Stadt waren rund 9000 Haushalte ohne Strom.

Der überflutete Dresdner Stadtteil Gohlis (Foto: dpa)

Der überflutete Dresdner Stadtteil Gohlis

Elbabwärts bereiten sich die Länder Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf die heranströmenden Wassermassen vor. Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke schätzt die Situation schwieriger ein als bei der Jahrhundertflut 2002. "Mit jeder Stunde die es länger dauert, wird es schwieriger werden", sagte der SPD-Politiker. "Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu." In Mecklenburg-Vorpommern erwartet Umweltminister Till Backhaus ein nie dagewesenes Hochwasser an der Elbe. In Dömitz erreichte der Fluss schon jetzt eine Höhe von 4,42 Meter, normal sind gut zwei Meter. Ausgelegt sind die Deiche für ein Hochwasser von 7,50 Meter. Vorsichtige Entwarnung hingegen für Niedersachsen: Nach einer neuen Prognose wird das Elbe-Hochwasser vermutlich weniger bedrohlich ausfallen als befürchtet. Die erwarteten Höchststände wurden nach unten korrigiert.

"Unbeschreiblich schlimm"

In den bayerischen Hochwassergebieten ist das Schlimmste vorüber, die Pegel sinken. In der besonders gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing an der Donau drohten die durchgeweichten Dämme an einigen Stellen aber weiterhin zu brechen. Insgesamt mussten mehr als 4000 Menschen in der Krisenregion ihre Häuser verlassen. Ministerpräsident Horst Seehofer machte sich mit einem Hubschrauberflug ein Bild von der Lage. "Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen", sagte er danach in Deggendorf.

Bundeskanzlerin Merkel mit freiwilligen Helfern und Bundeswehrsoldaten in Bitterfeld (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel mit freiwilligen Helfern und Bundeswehrsoldaten in Bitterfeld

Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte den Menschen in den Hochwassergebieten erneut Unterstützung zu. "Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird", sagte sie bei einem Besuch in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Dort droht das Wasser des Goitzschesees in die Innenstadt zu strömen. Merkel lobte die Solidarität der Menschen und den Einsatz der unzähligen freiwilligen Helfer. In einem Sofortprogramm hat die Bundesregierung für die vom Hochwasser betroffenen Menschen finanzielle Hilfen in Höhe von hundert Millionen Euro zugesagt. Finanzminister Wolfgang Schäuble kündigte im Bundestag jetzt weitere längerfristige Hilfe an.

SPD will Milliardenfonds

Die SPD forderte für die hochwassergeschädigten Gebiete einen Hilfsfonds mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro. "Ich halte einen Hilfsfonds wie 2002 für erforderlich", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann. Nach der sogenannten Jahrhundertflut von 2002 an der Elbe hatten Bund und Länder einen «Aufbaufonds» mit einem Ausgabevolumen von 7,1 Milliarden Euro gebildet. Damit wurden Firmen und Privatleute unterstützt sowie die zerstörte Infrastruktur etwa in den Kommunen wieder aufgebaut.

wl/qu (dpa, afp, rtr)

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