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Politik

Ban Ki Moon sieht "historische Chance" zur Lösung der Darfur-Krise

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon reist in den Sudan, um den weltweit größten Friedenseinsatz in der Krisenregion Darfur vorzubereiten. Rückdeckung für seine Mission erhält er aus Frankreich und Großbritannien.

Soldaten der Afrikanischen Union in der Stadt Mukjar in Darfur (Quelle: AP)

Soldaten der Afrikanischen Union in der Stadt Mukjar in Darfur

Ban startet am Montag (3.9.2007) eine einwöchige Afrika-Reise, die ihn von Sudan über den Tschad bis nach Libyen führt. Erstes Ziel der Reise ist Khartum, die Hauptstadt des Sudan. In der Krisenregion Darfur im Westen des Landes kämpfen seit Februar 2003 Rebellengruppen gegen regierungstreue arabische Reitermilizen.

Ban Ki Moon (AP)

Ban Ki Moon drängt auf schnelles Handeln

Ban hatte Darfur bei seinem Amtsantritt Anfang des Jahres höchste Priorität eingeräumt. Ende Juli beschloss der Sicherheitsrat dann eine Friedensmission für die Region. Sie soll bis Mitte kommenden Jahres auf 26.000 Mann anwachsen, dies wäre die größte Blauhelm-Mission der Welt. "Es gibt keine Zeit zu verlieren", hatte Ban am Dienstag gesagt. "Wir haben eine historische Chance, wir dürfen sie nicht verstreichen lassen."

In Khartum will der UN-Generalsekretär vor allem die Unterstützung von Präsident Omar el Beschir für die UN-Mission einfordern, der den Blauhelmen lange skeptisch gegenüber stand. Außerdem will sich Ban in Darfur selbst ein Bild von der Lage machen.

Klare Worte aus Paris und London

Unterstützung erhält Ban aus Paris und London. Frankreich und Großbritannien fordern ein stärkeres Engagement der Staatengemeinschaft zur Beilegung der Darfur-Krise. Es bleibe eine Kluft zwischen den bisherigen Bemühungen und der "nach wie vor dramatischen Situation" in der westsudanesischen Provinz, schreiben der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown in einem am Freitag von "The Times" und "Le Monde" veröffentlichten Beitrag. "Wir können nicht länger warten, um den Waffenstillstand mit einer starken internationalen Aktion zu sichern."

Nach dem Willen von Brown und Sarkozy soll die Truppe sogar schon bis zum Ende des Jahres einsatzbereit sei. "Wir müssen die Anstrengungen verstärken, um das Massaker zu beenden und den Frieden in die Region zurückzubringen", heißt es weiter. Notwendig für eine politische Lösung seien neben dem Waffenstillstand und der Friedenstruppe auch ökonomische Hilfe sowie Sanktionsdrohungen gegen die Verantwortlichen. Sollte die Waffenruhe nicht eingehalten werden und Friedensgespräche keine Fortschritte bringen, seien Strafmaßnahmen ein mögliches Mittel zur Friedenserzwingung, drohten Brown und Sarkozy der sudanesischen Regierung. Auf der Sitzung des Weltsicherheitsrates im September unter französischem Vorsitz wollen sie die Staatengemeinschaft zu Zusagen drängen.

Hunger auf dem Vormarsch

Der Präsident von Sudan, Omar el Beschir (r.), bei seinem ersten Besuch in Darfur seit Beginn der Krise (AP)

Der Präsident von Sudan, Omar el Beschir (r.), bei seinem ersten Besuch in Darfur seit Beginn der Krise

Der Konflikt zwischen der Bevölkerung von Darfur und regierungsnahen arabischen Milizen hat seit Februar 2003 mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet und 2,5 Millionen Einwohner in die Flucht getrieben. Laut UNO hat die Unterernährung der Bevölkerung inzwischen bedrohliche Ausmaße angenommen. Mehrere Untersuchungen hätten ergeben, dass in einigen Gegenden mittlerweile mehr als 17 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend mit Nahrung versorgt würden, sagte UN-Vize-Hilfskoordinatorin Margareta Wahlström am Samstag (1.9.2007) in New York. Probleme bereite vor allem der Wassermangel und fehlende Hygiene. Die aufflammende Gewalt halte Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zunehmend davon ab, die Menschen in Not zu erreichen.

Hilfe für den Tschad

Am Freitag reist der UN-Generalsekretär weiter in den Tschad. Das Land hat mit der Ankunft zahlreicher Flüchtlinge aus dem Sudan zu kämpfen. Auch in den Tschad soll demnächst eine internationale Truppe entsandt werden. Die gemeinsame UN-EU-Truppe soll die Flüchtlingslager schützen und die Bevölkerung humanitär unterstützen. Allein im Tschad gibt es nach UN-Angaben rund 236.000 Flüchtlinge aus Darfur sowie 173.000 Binnen-Vertriebene. Bans Stopp in Libyen am Samstag gilt vor allem als Dankesgeste. Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi soll hinter den Kulissen maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Sudan der UN-Friedensmission zustimmt. (stl)

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