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Aktuell Amerika

Baltimore im Ausnahmezustand

Ausgangssperre, Einsatz der Nationalgarde, Ausnahmezustand: Die Entscheidungsträger versuchen, die Lage in Baltimore unter Kontrolle zu bringen. Dort lösten die Krawalle unter anderem einen Großbrand aus.

Wegen der Ausschreitungen in Baltimore hat der Gouverneur des US-Bundesstaats Maryland die Nationalgarde einberufen und den Ausnahmezustand verhängt. "Die heutigen Plünderungen und Gewalttaten in Baltimore werden nicht toleriert", erklärte der Gouverneur von Maryland, Larry Hogan. Er verurteilte die Taten scharf und sagte, es gebe einen großen Unterschied zwischen friedlichem Protest und Gewalt. Die Stadt Baltimore verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Sie gelte ab Dienstag für eine Woche von 22 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, erklärte Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake.

Die Bürgermeisterin kündigte zudem an, dass in Baltimore die Nationalgarde eingesetzt werde, "sobald sie bereit" sei. "Zu viele Menschen haben über Generationen diese Stadt aufgebaut, um sie von Rowdys zerstören zu lassen", sagte Rawlings-Blake. Der Polizeichef von Maryland, William Pallozzi, ordnete an, dass 500 Beamte aus anderen Teilen von Maryland die Polizei in Baltimore unterstützen. Weitere 5000 Polizisten habe er aus der Umgebung des Bundesstaates angefordert. Die Nationalgarde teilte mit, dass 5000 Beamte für einen Einsatz in Baltimore bereitstünden.

Die erneuten Krawalle waren nach der Trauerfeier für den den 25-jährigen Freddie Gray am Montag ausgebrochen, der in Polizeigewahrsam gestorben war. Auf Polizisten in der Ostküstenstadt gingen Steine und Flaschen nieder, die Polizei setzte Tränengas ein. Nach Polizeiangaben wurden bei den Krawallen mindestens 15 Beamte verletzt, zwei von ihnen seien noch im Krankenhaus. 27 Menschen seien festgenommen worden. "Wir werden die Verantwortlichen finden und sie ins Gefängnis bringen", sagte Polizeisprecher Eric Kowalczyk. Etliche Polizeiautos wurden in Brand gesetzt. Auf Flugblättern an Schulen und im Internet wurde zu einer "Säuberung" aufgerufen.

Obama sichert Hilfe zu

Im Osten der 620.000-Einwohner-Stadt, in der vielerorts Armut herrscht, ging ein großes Gebäude in Flammen auf. US-Fernsehsender zeigten Bilder des Großbrandes. Nach Angaben lokaler Medien handelt es sich um ein neu errichtetes kirchliches Altenzentrum. Bereits zuvor setzten Unbekannte einen großen Drugstore in der Innenstand in Brand. Mehrere Geschäfte wurden nach Angaben der Polizei geplündert. Die Ausschreitungen fanden nur wenige Kilometer vom Hafen Baltimores statt, der als Vergnügungsviertel bei Einwohnern und Touristen beliebt ist. Baltimore liegt rund 60 Kilometer von Washington entfernt.

US-Präsident Barack Obama telefonierte mit Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake, um sich über die Lage zu informieren, und sagte seine Unterstützung zu. Regierungsvertreter sprachen auch mit Gouverneur Hogan.

Gray wurde am Montag nach einem Gottesdienst beerdigt. Rund 3000 Menschen erschienen zu der Trauerfeier in einer Kirche in Baltimore. "Wir sind hier wegen Freddie Gray, aber wir sind auch hier, weil es viele Freddie Grays gibt", sagte der Anwalt der Familie, William Murphy, bei der Zeremonie. Murphy prangerte eine "Aushöhlung der Justiz" an und forderte eine Polizeireform. Der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Jesse Jackson beklagte auf einer Pressekonferenz vor der Trauerfeier eine "Epidemie der Morde" in den USA. "Wir sind zu gewalttätig geworden, zu hasserfüllt."

Bereits in der Nacht zum Sonntag war es zu Demonstrationen mit mehreren verletzten Polizisten gekommen. Der Pastor, der Grays Grabrede gehalten hatte, verurteilte die Ausschreitungen. "Das ist nicht, worum die Familie gebeten hat, ausgerechnet heute", sagte Jamal Bryant. "Das war ein heiliger Tag, um abzuschließen."

Gangs sollen sich zusammengeschlossen haben

Verschiedene Gangs haben sich laut Polizei zusammengeschlossen, um Polizisten "auszuschalten", darunter die eigentlich rivalisierenden Crips, Bloods und die Black Guerilla Family. Die Behörden gehen von einer ernsthaften Bedrohung aus. Die Universität und mehrere Geschäfte wurden wegen der Ausschreitungen vorzeitig geschlossen. Mehrere Straßen wurden gesperrt und U-Bahnhöfe abgeriegelt.

Polizisten vor einem geplünderten Geschäft (Foto: Reuters)

Polizisten vor einem geplünderten Geschäft

Schon am Wochenende waren zunächst friedliche Proteste in Baltimore in Gewalt umgeschlagen. Nach Behördenangaben gab es dabei mehr als 30 Festnahmen, sechs Polizeibeamte seien verletzt worden. Sowohl die Behörden in Baltimore als auch das US-Justizministerium haben Ermittlungen zu Grays Tod eingeleitet. Sechs Beamte wurden für die Zeit der Untersuchung vom Dienst suspendiert.

Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. Er war am 19. April - eine Woche nach seiner Festnahme - an schweren Rückenmarksverletzungen gestorben. Die genauen Umstände sind noch unklar. Auf Videos ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Krankenhaus ins Koma.

stu/gmf (ap, afp, dpa, rtr)

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