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Fußball

Ballyhoo für Arme

Bayern München gegen Borussia Dortmund. Das könnte spannend sein, ist es aber nicht, findet DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Da können sich die Verantwortlichen beider Vereine noch so zoffen.

Ballyhoo gehört zum Geschäft. Das weiß nicht nur der Boxer, dem "Fallobst" vor die Fäuste gesetzt wird. Würde er das ehrlich einräumen, interessierte sich niemand für den Kampf. Also erweckt er den Anschein, als handle es sich um den stärksten aller möglichen Gegner und die Erde drehe sich nur weiter, wenn alle Welt diesen wichtigsten Kampf des Jahrhunderts livehaftig verfolge. In etwa diese Kategorie passt auch der Schlagabtausch zwischen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und dem designierten Bayern-Präsidenten Karl Hopfner vor dem Bundesliga-Duell München gegen Dortmund an diesem Samstag (12.04.2014, 18.30 Uhr MESZ).

Von Mutter Theresa zu Münchhausen

BVB-Trainer Jürgen Klopp und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Foto: dpa-pa

BVB-Geschäftsführer Watzke (l.) greift an ...

Watzke legte den Ball vor: Dass der FC Bayern und Uli Hoeneß Borussia Dortmund 2005 vor dem Ruin gerettet habe, sei "in der kolportierten Form eine Legende". Hoeneß, so Watzke, habe dem BVB zwei Millionen geliehen, "wohlgemerkt zu acht Prozent Zinsen. Mutter Teresa war da also nicht im Spiel." Watzke äußerte sich am 1. April, und die Bayern schienen es tatsächlich zunächst für einen Aprilscherz gehalten zu haben. Jedenfalls brauchten sie über eine Woche, um die Vorlage des BVB-Geschäftsführers anzunehmen und zu verwerten. Dann endlich - oh Wunder, genau rechtzeitig zum Bundesligaduell beider Teams - bezichtigte Hopfner, Bald-Präsident der Bayern, Watzke der Lüge: "Baron Münchhausen wäre ja noch geschmeichelt." 1,5 Millionen Euro der Kreditsumme seien zinsfrei gewesen. Watzke räumte ein, dass die Zinsen niedriger gewesen seien, als in seiner ersten "spontanen Reaktion" auf die

Gefängnisstrafe gegen Hoeneß

behauptet. Im Kern bleibe er aber bei seiner Aussage.

Wie Goethe mit Schreibblockade

Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß mit seinem designierten Nachfolger Karl Hopfner. Foto: dpa-pa

... Bald-Bayern-Präsident Hopfner (r.) schlägt zurück

Lieber Herr Watzke, lieber Herr Hopfner, wen interessiert das? Verabreden Sie sich doch einfach vor oder nach dem Spiel am Samstag zu einem Weißbier und schaffen Sie den vermeintlichen Disput über Mutter Theresa und Münchhausen aus der Welt! Wenn es sein muss, kippen Sie sich gegenseitig das Bier über die Köpfe, aber bitte verschonen Sie uns! Wir haben verstanden, dass sie dem Spitzenspiel eine neue Spitze hinzufügen wollten, weil die eigentliche, die sportliche abhanden gekommen ist. Die Bayern sind schon

längst Meister

und haben keine Lust mehr auf das bedeutungslos gewordene Ligagekicke. Und Borussia Dortmund hat als Tabellen-Zweiter den Champions-League-Startplatz schon so gut wie sicher und damit das selbst gesteckte Saisonziel ebenfalls in der Tasche. Wenn schon reinhängen, dann vielleicht im DFB-Pokal, wo immerhin noch ein Titel möglich ist. Aber doch nicht im deutschen "Clasico", der im Augenblick so klassisch ist wie Goethe mit Schreibblockade.

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