Balkanpolitiker Dodik will Grenzänderungen | Europa | DW | 20.11.2017
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Balkan

Balkanpolitiker Dodik will Grenzänderungen

Der Präsident der serbischen Teilrepublik in Bosnien-Herzegowina spricht im DW-Interview von einem Unabhängigkeits-Referendum. Davor sorgte bereits ein anderes Interview für Aufregung.

Präsident der Republika Srpska Milorad Dodik (DW)

Milorad Dodik (r.) im Gespräch mit den DW-Journalisten Zorica Ilic und Bahri Cani

"Ich träume von einem Referendum", sagte Milorad Dodik, der Präsident der serbischen Teilrepublik in Bosnien-Herzegowina, "Republika Srpska", im DW-Interview. Das Gespräch gehört zu einer Interview-Reihe der Westbalkan-Redaktion der Deutschen Welle mit führenden Politikern der Region über die Zukunft des Balkans.   

"Falls ich nur eine klitzekleine Chance dafür sähe, würde ich sofort ein Referendum ausrufen", sagte Dodik. Man bereite "ein politisches Klima für die Unabhängigkeit vor". Beim Treffen mit den DW-Journalisten zeichnete er auf einer Karte ein, wie er sich den Balkan in zehn Jahren vorstellt. 

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Wie Dodik die Zukunft des Balkans sieht

Die "Republika Srpska" und das überwiegend von Serben bewohnte Nordkosovo sollten zu Serbien gehören, so Dodik. Der Rest von Bosnien-Herzegowina wird seiner Meinung nach in einen muslimischen und einen kroatischen Teil zerfallen.        

Vergangene Woche hatte ein Interview mit Bakir Izetbegovic, einem Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina, in der Region hohe Wellen geschlagen. In diesem Präsidium sind alle Volksgruppen des Landes vertreten: Bosniaken, Serben und Kroaten.

Auf die Frage, ob er auch zu einem bewaffneten Konflikt bereit wäre, um ein Unabhängigkeitsreferendum in der "Republika Srpska" zu stoppen, hatte Bakir Izetbegovic zuvor im DW-Interview mit "ja" geantwortet. Darauf angesprochen, erklärte Dodik später, er sei nicht bereit, "um jeden Preis" ein Referendum auszurufen. Der Grund sei aber nicht, dass er Angst vor Izetbegovic habe, sondern aus Verantwortung gegenüber dem Volk, betonte der Präsident der Republika Srpska.

Auch die Antwort auf die Frage, ob Bosnien-Herzegowina das Kosovo als unabhängigen Staat anerkennen sollte, löste in der Region Kontroversen aus: "Ich hoffe, ja", antwortete Izetbegovic. Das Thema ist sehr brisant, weil Serbien seine ehemalige Provinz Kosovo nicht als eigenen Staat anerkennt.

Die regierungsnahe serbische Nachrichtenagentur Tanjug zitierte Izetbegovics Antwort lediglich als "Ja", was in vielen serbischen Medien zur Schlagzeile "Bosnien will die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen" führte. In Belgrad soll sogar auf der Sitzung des Rats für nationale Sicherheit über die Äußerungen von Izetbegovic im DW-Interview gesprochen worden sein.      

Seine Aussage wurde allerdings falsch zitiert und aus dem Kontext gerissen. Izetbegovic hatte davor im DW-Interview betont, dass alle Entscheidungen in Bosnien-Herzegowina im Konsens getroffen werden müssen. Da aber die Serben gegen eine Anerkennung des Kosovo seien, sei diese im Moment ausgeschlossen, erklärte Izetbegovic. "Ich persönlich denke, dass wir das Kosovo schon anerkennen sollten. Aber alle unsere Versuche, dies zu tun, haben den Beziehungen innerhalb Bosnien-Herzegowinas nur Schaden zugefügt, und das hat dem Kosovo auch nicht geholfen", sagte Izetbegovic. Dieser Kontext wurde in der Meldung der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug nicht erwähnt.   

das/Westbalkanredaktion

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