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Fokus Osteuropa

Balkan: Energetischer Zapfhahn Europas?

Südosteuropa ist reich an natürlichen Energieressourcen, die jedoch noch nicht optimal genutzt werden. Bei entsprechender Optimierung könnte sich die Region zum neuen Energiezentrum entwickeln, meinen Experten.

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Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Wind- und Wasser, Sonnen- und Erdwärme. Die Länder Südosteuropas sind reich an Energieressourcen, die bislang jedoch wenig oder noch gar nicht genutzt werden. Das könnte sich allerdings bald ändern, wie jetzt eine vom deutschen Institut für europäische Angelegenheiten organisierte internationale Konferenz in Wolfsburg über die Erschließung erneuerbarer Energien in der Region zeigte. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie hohe Regierungsbeamte aus 20 Ländern nahmen daran teil, darunter aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Serbien.

Großregion mit Zukunft?

Energie, Ökonomie, Ökologie – innerhalb dieses Dreieckes kann eine industrielle Zukunft aufgebaut werden. Durch die Verwendung erneuerbarer Energien wird die Abhängigkeit von fossilen, meist importierten Brennstoffen verringert. Auch das Wirtschaftswachstum kann angeregt werden, und man trägt zum Schutz der Umwelt bei. Gerade die Länder Südosteuropas platzen sozusagen vor Wasser- und Windkraft oder grillen buchstäblich in der Sonne. "Das heißt, es gibt kaum eine Großregion in Europa, die so ideale Umstände hat, sich zukünftig weitestgehend selbst mit Energie zu versorgen und bestimmte Teile der Energie zu exportieren", sagt der Leiter des Instituts für europäische Angelegenheiten aus Düsseldorf, Jürgen Gramke. Er fügt hinzu: "Wenn wir mal in die Zukunft schauen: In den nächsten 15 Jahren, so bin ich überzeugt davon, dass wir Südosteuropa als Energiezentrum für Europa ansehen werden. Das klingt ganz verwunderlich, aber es passt eigentlich alles zusammen für den zukünftigen intelligenten Energiemix."

Politische Weichenstellungen

Die Voraussetzung dafür sei allerdings, so Gramke, dass die Staaten der Region mit Hilfe der Europäischen Union diesem Wirtschaftsbereich schnellstmöglich einen rechtlichen Rahmen gäben, falls dies nicht bereits geschehen sei. "Was bisher geschah, ist ermutigend", so die Einschätzung des Vizepräsidenten der Regierung der serbischen autonomen Provinz Vojvodina, Tihomir Simic. "In allen Ländern, die durch die Transition gegangen sind, wurden in den letzten Jahren durch neue Energie-Gesetze die Voraussetzungen für unternehmerische Initiativen geschaffen, die den Einsatz neuer Technologien im Rahmen der Nutzung erneuerbarer Energien ermöglichen und gleichzeitig Gewinn bringen," erläutert Simic.

Wasserkraft, Biodiesel und Erdwärme

"Das Ziel lautet, den Anteil der erneuerbaren Energien in Einklang mit dem Kyoto-Protokoll bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent zu steigern", sagt der kroatische Experte für Projektentwicklung Dario Luketa. Dazu gehört auch die Wasserkraft, die noch weit unter ihren Möglichkeiten genutzt wird. Denn erst in letzter Zeit entstehen an den Flüssen von Vardar bis Sava zahlreiche kleinere Wasserkraftwerke. Besonders weit ist Bosnien-Herzegowina gekommen, das inzwischen sogar Strom exportieren kann. "Es sind bereits einige Dutzend kleinerer Wasserkraftwerke entstanden, die insgesamt 25 Megawatt Strom bereitstellen. Derzeit arbeitet man an etwa 30 bis 40 weiteren Projekten", erklärt der Vizepräsident der Außenhandelskammer von Bosnien-Herzegowina, Mahir Hadziahmetovic.

Positive Anzeichen, wenn auch in geringerem Umfang, gibt es auch auf anderen Energie-Gebieten. Dario Luketa erläutert: "Kroatien entwickelt sich derzeit auf zwei Schienen. Die eine sind Windkraftfelder, die wir an der dalmatinischen Küste haben; die andere Investitionen in Firmen zur Herstellung von Biodiesel." Betriebe zur Erzeugung von Biodiesel sind freilich momentan der Hit überall in der Region, um die durch das Kyoto-Protokoll und die Europäische Union vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Auch Erdwärme wird bereits genutzt. "Etwa fünfzig Geothermalquellen in der Vojvodina ermöglichen nicht nur die Nutzung dieser Energie für die Heizung von Wohnungen und Ansiedlungen, sondern auch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion", erklärt der Vizepräsident der Provinz-Regierung in Novi Sad, Tihomir Simic.

Suche nach Investoren

Der Beauftragte der mazedonischen Regierung für die Regulierung des Energiemarktes Vladko Gavrilov berichtet: "Wir haben eine öffentliche Ausschreibung gemacht für den Bau von 60 kleinen Wasserkraftwerken. Wir beabsichtigen, in den Bau einer Windkraftanlage von zwei mal 50 Megawatt zu investieren. Wir wollen auch zwei Betriebe für die Herstellung von elektrischem Strom aus Biomasse errichten. Und der Bau einer Fabrik zur Erzeugung von Biodiesel durch eine private Firma befindet sich in der abschließenden Phase." Auch der montenegrinische Wirtschaftsminister Branimir Gvozdenovic erklärt: "Wir haben bereits vier Farmen mit Windgeneratoren in der Planung mit einer Gesamtleistung von etwa 20 Megawatt. Wir erwarten, dass wir bis Ende dieses Jahres einen Marktwettbewerb organisieren, in dem sich dann an diesen Projekten interessierte Partner melden." Insgesamt, so der Eindruck auf der Konferenz in Wolfsburg, sind nun insbesondere Investoren gefragt, die sich an solchen Projekten beteiligen.

Goran Goic
DW-RADIO/Kroatisch, 7.5.2007, Fokus Ost-Südost

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