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Kultur

Bali: Verhandeln um zu verhandeln

Nach den gescheiterten Verhandlungen in Nairobi stehen die Delegierten unter Erfolgsdruck. Ihr Ziel: Grundlagen für Verhandlungen für ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll schaffen.

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Die Klimaanlage im Bali Convention Centre läuft nur mit kleiner Leistung. Man will Strom sparen und damit das Klima schonen. Entsprechend locker ist die offizielle Kleiderordnung: Keine Krawatten, keine Jacketts. Damit allein lässt sich das Weltklima nicht retten - aber immerhin: Vielleicht bringt das ein bisschen Entspannung in die sicher wieder verbissen geführten Verhandlungen.

UN: Fahrplan für internationale Klimapolitik aufstellen

Die Vereinten Nationen haben klare Vorstellungen, was am Ende der kommenden zwei Wochen stehen soll: Ein Fahrplan für die internationale Klimapolitik bis 2012. Dann nämlich läuft das sogenannte Kyoto-Protokoll aus, und es muss etwas Neues her. Bis 2009 soll ein unterschriftsreifes Dokument auf dem Tisch liegen und auf der übernächsten Konferenz in Kopenhagen soll es verabschiedet werden. Diese Roadmap dürften die rund 10.000 Delegierten aus 190 Ländern wohl zustande bringen, denn es ist der kleinste gemeinsame Nenner. Läuft es wirklich gut auf Bali, dann ist sogar noch mehr drin: Vielleicht sogar eine klare Zielvorgabe, die vorschreibt, was die Wissenschaftler des Weltklimarates fordern: Eine Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050.

Inder und Chinesen gegen Industriestaaten

Aber das wird schwer. Es wird schwer, weil man dazu beispielsweise Inder und Chinesen mit ihren rasant wachsenden Volkswirtschaften ins Boot bekommen müsste. Die aber zeigen zu Recht auf die Industrienationen, denn die haben in den vergangenen einhundert Jahren mit ihrem gigantischen Ressourcenverbrauch und oft ohne Rücksicht auf Umwelt und Klima ihren Wohlstand aufgebaut. Also geht es bei den Verhandlungen auch um Gerechtigkeit.

Und es wird schwer, weil man zugleich den armen Ländern - die am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden werden - helfen muss, sich anzupassen an das, was nicht mehr zu verhindern ist: Mehr Dürren, noch weniger Ernten, noch drastischere Wetterkapriolen.

Einige EU-Mitglieder halten Kyoto-Vorgaben nicht ein

Es wird schwer, weil die Europäische Union zwar mit einem hehren Ziel nach Bali kommt. Schließlich haben sich die Europäer vorgenommen, in den kommenden 13 Jahren mindestens zwanzig Prozent weniger Treibhausgase in die Luft zu pusten. Aber einige EU-Mitglieder haben schon jetzt echte Probleme, die Kyoto-Vorgaben ansatzweise einzuhalten: Spanien beispielsweise hat seine Emissionen mehr als verdoppelt. Ein gutes Beispiel? Wohl kaum.

Es wird schwer, weil Gastgeber Indonesien stellvertretend für die Nationen mit großen Regenwäldern den Schutz dieser Wälder in dem neuen Vertrag als Beitrag zum Klimaschutz verankern will. 20 Prozent der Treibhausgase entstehen jedes Jahr durch das Abholzen der Wälder, die als enorme Kohlenstoffspeicher wirken.

Lichtblick: Australien ratifiziert Kyoto-Protokoll

Aber es könnte gelingen. Die gewaltige UN-Bürokratie macht für gewöhnlich nur kleine Schritte, weil man unterwegs niemanden verlieren darf. Aber manchmal kommt Schützenhilfe von unerwarteter Seite: Just zu Beginn der Konferenz ratifizierte ein paar Tausend Kilometer südöstlich in Canberra Australiens neuer Premier Kevin Rudd in seiner ersten Amtshandlung das Kyoto-Protokoll. Damit ist den US-Amerikanern ein wichtiger Verbündeter ihrer Anti-Kyoto-Politik verlorengegangen. Und plötzlich - man höre und staune - versprechen eben diese Amerikaner einen konstruktiven Einsatz an einem neuen Klimaschutzvertrag.

Nach der gescheiterten Weltklimakonferenz von Nairobi vor einem Jahr ist der Erfolgsdruck enorm - auch angesichts neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Scheitert Bali, steckt die UN-Klimapolitik fest. Daher hat man vorsichtshalber die Erwartungen ziemlich nach unten geschraubt. Steht am Ende der Fahrplan für neue Verhandlungen, dann sind die 40.000 Tonnen Kohlendioxid nicht umsonst gewesen, die die Anreise der vielen Tausend Delegierten verursacht hat.

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