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Asien

Bali-Attentäter gibt sich reuevoll

Umar Patek hat als islamistischer Terrorist einen eng beschriebenen Lebenslauf. Der Indonesier gilt als Haupttäter des Bombenanschlags von Bali im Jahr 2002. Vor Gericht distanzierte er sich jetzt von der Tat.

Anfang April kam es in einem Gerichtssaal im Westen Jakartas zu einem ungewöhnlichen Auftritt. Umar Patek, angeklagt wegen der Bombenanschläge in Bail von 2002 mit über 200 Toten, brach plötzlich in Tränen aus. Stotternd bat er um Verzeihung. Er beteuerte, seine Taten zu bereuen. Umar Patek (46) ist Indonesier. Er wird auch in anderen Ländern von der Justiz gesucht, unter anderem auf den Philippinen wegen Beteiligung an Anschlägen, die von der muslimischen Terrorgruppe Abu Sayyaf verübt wurden. Australien will ihm den Prozess machen, weil 88 seiner Staatsbürger beim Bali-Attentat getötet wurden. Die USA betrachten Umar Patek als einen der gefährlichsten Terroristen und hatten für seine Ergreifung eine Belohnung von einer Million US-Dollar ausgesetzt.

Terror-Ausbildung in Aghanistan

Anfang der 1990er Jahre ging Umar Patek als Dschihadist nach Afghanistan. Er wurde dabei vom südost-asiatischen Terror-Netzwerk Jemaah Islamiyah (JI) unterstützt, das enge Verbindungen zu Al Kaida unterhielt. Seit Mitte der 1980er Jahre hatte JI knapp 300 Dschihadisten nach Afghanistan entsandt.

1994 gründete Umar Patek mit anderen Dschihadisten aus Indonesien, Malaysia und den Philippinen ein Ausbildungslager in Torkham im Grenzgebiet zu Pakistan. Nach fünf Jahren wurde er Führer und Ausbilder, er konnte mit schweren Waffen umgehen und Bomben bauen. Die Terrorismusexpertin der International Crisis Goup für Südostasien, Sidney Jones, nennt Umar Patek einen charismatischen Anführer und intelligenten und fanatischen Dschihadisten.

Weinende Frauen nach den Ansdchlägen von Bali von 2002

Trauer nach den Anschlägen vom Oktober 2002

Durch diese Eigenschaften und Fähigkeiten war Umar Patek prädestiniert für eine Terroristen-Laufbahn in seiner Heimat Indonesien und auf den Philippinen. Vor Gericht bezeichnete Umar Patek den Terroranschlag von Bali als einen Racheakt für den Tod von Muslimen in Palästina. "Ich habe die anderen gefragt: 'Warum auf Bali? Der Anschlag sollte in Palästina verübt werden.' Aber sie haben gesagt, dass sie nicht wüssten, wie sie nach Palästina gelangen sollten."

Umar Patek war nach eigener Aussage am Bau der Bombe beteiligt. "Ich habe mich um die Mischung der Chemikalien gekümmert. Dr. Azahari (ein inzwischen getöteter Terrorist aus Malaysia – Red.) baute die Bombe fertig und brachte sie ins Auto. Währenddessen blieb ich im Zimmer und las den Koran."

Patek gilt auch als mitverantwortlich für die Anschläge auf sechs Kirchen in Jakarta an Heiligabend im Jahr 2000. Er stellte seine Fähigkeiten auch auf den Philippinen in die Dienste terroristischer Gruppen, Moro Islamic Liberation Front (MILF) und Abu Sayyaf. Letztere ernannte ihn sogar zum Anführer. 1998 traf Umar Patek in einem MILF-Stützpunkt seine spätere Frau Ruqoyah binti Husen Luceno, eine zum Islam übergetretenen Christin.

Nicht ohne seine Frau

Umar Patek 2007 in einem Lager der Terrorgruppe Abu Sayyaf auf der Insel Jolo (Philippinen) (Foto: AP)

Umar Patek 2007 in einem Lager der Terrorgruppe Abu Sayyaf auf der Insel Jolo (Philippinen)

Anders als die meisten Dschihadisten, die polygam leben, hat Umar Patek nur eine Frau, der er laut Sidney Jones treu ergeben ist. Indonesische Medien zeigten Fotos von Umar Patek, wie er seine Frau im Gericht umarmt. Ein ungewöhnliches Verhalten für einen Dschihadisten, denn seine Zuneigung zu einer Frau, auch der Ehefrau, in der Öffentlichkeit zu zeigen ist im Kreis der fanatischen Islamisten ein Tabu.

Sidney Jones vermutet, dass die Entschuldigung Pateks vor Gericht Teil einer Abmachung mit der Polizei war, damit er seine Frau weiter treffen darf. "Als er in Pakistan verhaftet wurde, äußerte Umar Patek ständig die Sorge, seine Frau nicht mehr sehen zu können, wenn er nach Indonesien zurückgeschickt würde. Er wollte unbedingt mit Ruqoyah nach Hause", erklärt Sidney Jones.

Umar Patek wurde im Januar 2011 im pakistanischen Abottabad verhaftet. Der Top-Terrorist war in Pakistan, weil er schon lange Mitglied der Dschihad-Gruppe von Sirajuddin Haqqani werden wollte. Vor Gericht beteuerte Patek, niemals mit Osama Bin Laden zusammengetroffen zu sein, der im Mai 2012 in seinem Haus in Abottabad von US-Soldaten getötet wurde.

Drei wegen des Bali-Anschlags Verurteilte wurden bereits 2008 in Indonesien hingerichtet. Dieselbe Strafe soll nach dem Willen der Anklage auch gegen Umar Patek verhängt werden.