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Wirtschaft

Bald weniger Bonus für Banker?

Ein gutes Grundgehalt - und dann noch mal das 30fache oben drauf: Bonus-Zahlungen für Banker kannten bisher keine Grenzen. Die EU will das ab 2014 ändern. Aber wird es dann bessere Banker geben?

Der raffgierige, egoistische Banker - seit der Wirtschaftskrise hat sich dieses Bild in den Köpfen festgesetzt. Einige Absolventen der elitären Harvard Business School reagierten schon vor einiger Zeit darauf, indem sie aus eigener Initiative einen Ethik-Eid ablegten. Sie bekundeten so ihren Willen, der Gesellschaft zu dienen. Aber wie soll eine so theoretische Formulierung in die Praxis umgesetzt werden?

Tatsächlich muss ein Banker nicht nur der Gesellschaft dienen, meint der Würzburger Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Wenger. Er müsse mehrere Parteien zugleich glücklich machen.Es gehe ihm darum, seine eigene Existenz, seinen Arbeitsplatz zu sichern - aber nicht nur: "Einerseits soll der Kunde nicht geprellt werden, und andererseits soll die Bank profitieren."

Der Banker als Allrounder

Wirtschaftsethiker Christoph Lütge (Foto: TU München)

Wirtschaftsethiker Christoph Lütge

Was aber ist nun ein "guter" Banker? Der Münchner Wirtschaftsethiker Christoph Lütge nennt Qualitäten wie Ehrlichkeit, Gesetzestreue und Loyalität zum eigenen Institut. Ein "guter" Banker müsse aber nicht nur schnell und im Auftrag der Kunden handeln, sondern auch die Nachhaltigkeit im Auge behalten - und das alles möglichst transparent. Lütge hält hohe Bonuszahlungen dann für gerechtfertigt, "wenn man die Anreize richtig setzt und sagt: 'Ja, wir zahlen hohe Boni, aber nur, wenn ihr nachhaltig wirtschaftet.'"

Doch gerade die Nachhaltigkeit ist lange Zeit nicht belohnt worden, sagt Ekkehard Wenger im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Die Leute wurden für Sachen vergütet, die kurzfristig wie Erfolge aussahen und sich am Ende als Rohrkrepierer entpuppten."

Maschine verführt Mensch

Das sei spätestens seit den 1980er Jahren verstärkt der Fall gewesen, meint der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser. Im DW-Interview spricht er von einer finanzwissenschaftlichen Revolution: "Wissenschaftler haben Modelle entwickelt, die Risiken angeblich weitgehend ausschließen können. Es ist nicht mehr der Banker, der das Vertrauen ausstrahlt, es ist der Algorithmus, die Technik."

Euroscheine (Foto: Fotolia)

Moral und Geld: Wie passt das zusammen?

Damit sei auch die tendenzielle Kriminalität in die Bankenwelt eingezogen, meint Abelshauser. Durch die scheinbar unfehlbaren Algorithmen seien viele Banker verleitet worden. Auch Wirtschaftsethiker Lütge warnt im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Das System kann dazu führen, dass die menschliche Seite des Geschäfts untergeht." Jeder Mensch brauche klare Regeln. Sonst sei er schnell überfordert. Deshalb hält Lütge auch den Ethik-Eid von Harvard für wenig hilfreich, denn ein einzelner Banker könne nun mal nicht das Bankensystem ändern.

Neue Regeln sind nötig

Werner Abelshauser, Wirtschaftshistoriker an der Universität Bielefeld (Foto: dpa)

Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser

Viele Banken haben allerdings in der jetzigen Wirtschaftskrise erkannt, dass das System der kurzfristigen Boni sie nicht weiterbringt. Deshalb haben sie ihre Bonuszahlungen umgestellt und belohnen nun mittel- oder langfristige Erfolge.

Die just beschlossene Höchstgrenze für Boni in der Europäischen Union ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Die Sonderzahlungen sollen ab 2014 das jährliche Fixgehalt nicht mehr übersteigen, in Ausnahmefällen wäre noch die doppelte Summe möglich. Dadurch sollen Banken und das Bankensystem weniger krisenanfällig werden. In der Schweiz hat das Volk am Sonntag (03.03.3013) der Initiative "Gegen die Abzockerei" zugestimmt. Auch dort geht es unter anderem darum, überzogene Gehälter und Boni gesetzlich zu verbieten.

Moral und Profit

Ob das letztlich zu einem moralischeren Handeln im Bankwesen führt, bleibt abzuwarten. Der Ethiker Christoph Lütge rät angehenden Bankern, die Scheuklappen abzulegen und sich auch einmal mit Philosophie oder anderen Geisteswissenschaften zu beschäftigen.

Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Wenger sieht es pragmatischer: "Es macht ja keinen Sinn von einem Banker zu verlangen, dass er ein besserer Mensch ist als vielleicht ein Politiker, der seine Wähler für dumm verkauft. An den stellt man ja auch nicht so hohe Anforderungen."

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