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Alltagsdeutsch – Podcast

Bairisch

Schon vormittags essen die Bayern Weißwurst mit süßem Senf und trinken ein Maß Bier dazu. Für Menschen, die nicht aus der Region kommen, ist das bairische Leibgericht etwas gewöhnungsbedürftig. Genauso wie ihr Dialekt!

Frau Fröhmer:

Der Dialekt is für mi des Individuellste was der Mensch überhaupt ham ko. Nur übern Dialekt konn I mich ausdrücken, konn I des sogn, wos I wirklich moan.

Bernhard Stör:

Baorisch is eben für uns a Sprach, des is unser Sprach.

Frau Fröhmer:

Entweder du gspürst des, oder du gspürtst des net.

Bernhard Stör:

Mo kann em sei Lederhosen nehme, mo kann em sei Trachtenanzug nehme, mo kann em sogar sei BMW nehme, aber Sprach macht den Bayer aus, alles andere nidda.

Frau Fröhmer:

"Ich liebe Dich", des horcht sich für uns so gschraubt o. Aber I mog Di, des is vuil mere.

Befragte Personen:

"Bonbons – des sans scho ma erstens Guatel. / Loferl – des sind die Wadelstrümpfe von den Trachtlern. / Hinterfotzig – jemand, der net ehrlich is. / Da di da da – des sogt ma, wenn ma im Urlaub vergisst seine Blumen zu gießen – dann is er Dir verdorrt. / Säubärn – saure Milch. / oder Baradeiser – des san Tomaten. / Loawe – san Semmeln. / Fotzenspangler – is a Zohnarzt. / Oder Dodschen – des san die Steckrüben. / Oachkatzelschwoaf."

Sprecher:

Oachkatzelschwoaf? Eichhörnchenschwanz. Oachkatzelschwoaf – des müssens einfach kenne, um in Bayern nicht sofort als Preiß oder im schlimmsten Fall sogar als Saupreiß beschimpft zu werden.

Umfrage:

A Preiß is jeder, der net so red wie I, weil I bin ja der Bayer und fertig, und des woas dann. / Oaner, der bei di Preußen aufgewochsen is. Olles, was nördlich der Donau is, is scho Preißn.

Sprecher:

Gern wird der Preiß auch mit dem Zuagroasten, dem Zugereisten gleichgesetzt. Nichts hat je mehr Hohn und Spott verursacht, als wenn ein Preiß oder ein Zuagroaster bei dem Versuch scheitert, den Oachkatzelschwoaf richtig auszusprechen. Denn die Vokale sind das A und O in Bayern, erklärt Sammy El-Samahi, der an der Volkshochschule München Bairisch unterrichtet.

Sammy El-Samahi:

Typischer Diphtong für die meisten bayrischen Dialekte ist das oa. Also zum Beispiel "oans", "zwoa". Wenn man genau hinhört, dann hört man, daß das "oans" nasaliert ist und durch die Nase gesprochen, und "zwoa" ist nicht nasaliert. Also es gibt "oa" und "oa".

Sprecher:

Aus dem "ei" wird also ein "oa". "I hoas" für "ich heiße" und "I woas" für "ich weiß". Aber: Achtung Falle. "I woas" heißt zwar "ich weiß". Aber die Farbe "weiß" ist und bleibt "weiß" und nicht "woaß". Es wird also nicht jedes "ei" zum "oa". Wer den "Schwoansbraten" bestellt, wird es in Bayern schwer haben. Denn es ist und bleibt ein Schweinsbraten. Wie produziert man das "oa"? Man fängt mit einem langen "o" wie in "Boot" an und lässt es weich ausklingen in einem nahtlos angehängten kurzen "a": "oa". "Oachkatzelschwoaf". Die Theorie, des is doch alles "Schmarrn"!!! Am besten "es kemmts" nach Bayern, um richtig Bairisch zu lernen. Es kemmts?

Peter Scheuering:

Dass ma zum Beispiel obligatorisch im zweiten Plural "s" dranhängen muss, sonst is es net grammatisch. "Ihr" oder "es". Daß man sogt "es gehts", "es kemmts", "es singts" und so weiter. Des is obligatorisch, sonst is foilsch.

Sprecherin:

So der Dialektforscher Peter Scheuering aus Passau.

Peter Scheuering:

Das Wort "kommen" is im ganzen bairischen Dialektraum als "e" Form da. Man sagt "kemme" und net kommen oder irgendwas. Dos is a "e – i"-Wort, so wie "geben – gibt" sagt ma "kemme" und "I kimm, du kimmst, ihr kimmt, mir kemmen" und so weiter.

Sprecher:

Und genau so verhält es sich auch mit dem Wort kinnen von "kennen".

Hosd me? Es kemmts also nach Bayern. Am Münchner Hauptbahnhof steigts aus und dann fragts nach dem Weg zum Hotel. Die Antwort könnte jetzt sein: Ja grias good, deskonnedaschosong, gest Gödestras owe unnauchadnauf zur Schwandalahä und nasigsdasscholinks wodesblaueschuidlsis! Hosd mi? So, jetzt nur keine Panik. Bleibts ruhig. Trotz Grantelei ist der Bayer ein durch und durch höflicher Mensch und erklärt euch alles Schritt für Schritt. Also: Grias Good ist die distanzierte Begrüßungsform in Bayern. Freundlicher und vertrauter ist das Seawas. Sehr beliebt bei älteren Herren ist Hawediäre. Spricht man eine Gruppe an, dann sagt man Griasaichgodbeianand. Deskonnedaschosong, heißt: das kann ich dir schon sagen. Das kann ich dir schon sagen? Dir? Wieso dir? Der Bayer bevorzugt es, fremde Personen zu duzen. Sie sollten das als Kompliment betrachten. Schlimmer ist es, wenn er irgendwann anfängt, Sie zu siezen. Aber jetzt weiter mit der Wegbeschreibung: Gödestras owe unnauchadnauf zur Schwandalahä. Die Goethestraße "owe" also. Nur, dass "owe" im Bairischen nicht rauf oder hinauf heißt, sondern vielmehr das Gegenteil.

Frau Wallner:

"Owe" is ab, hin, hinab. "Affi" is auf hin, also hinauf. "umme" is rüber, "viere" is nach vorn.

Sprecher:

Sie müssen die Geothestraße also "owe" laufen, "runter laufen". Eine kleine Eselsbrücke: beim Trinken sagt man oft "schwammas owe". Das heißt "spülen wirs hinunter". Hosd me? Die Goethestraße also owe und da siehst Du es scho, links, wo das weiß-blaue Schuidl is. Schuidl? Das ist ein Schild. Denn gerne und oft arbeitet der Bayer mit Verkleinerungsformen. Sprachforscher Bernhard Stör:

Bernhard Stör:

Das Bild is im Bayrischen a Buildl. A Rad is grundsätzlich a Radl, ein Träger für Bier is grundsätzlich a Tragl, a Brett is grundsätzlich a Brettl, ganz egal wie groß des is.

Sprecher:

Nachdem Sie nun den Weg zum Hotel gefunden haben, werden Sie jetzt an der Rezeption begrüßt.

Sprecher:

Ja mei, sie san gwis hi von da langa roas. Mia ham Zimma numma zwoa fia eane voagseng … Mit "mei" ist hier nicht der Monat gemeint, es handelt sich vielmehr um eine Art verbales Schulterzucken – kann aber auch mitfühlend gemeint sein … Das Wörtlichen "hi" in dem Satz – "Ja mei, sie san gwis hi von da langa roas" birgt so seine Tücken.

Herr Tänzer:

"Higmacht" kann man zum Beispiel sagen, es ist was kaputt gemacht oder was hingemacht, was hingetan.

Sprecher:

Es hat nämlich – wie viele bairische Wörter – mehrere Bedeutungen.

Herr Tänzer:

Higmacht is gleich was, aber higmacht! I hoab da zum Beispiel so a Ding an am Ding dro. Des war schoa so guat higmacht, dass ma moane hätt kenne, das is überhaubt nimmer zum himache (...).

Sprecher:

Hoasd me? Diesmal nicht! Da bleibt der Preiß verwirrt zurück. Also, zurück an die Rezeption. Mia ham Zimma numma zwoa fia eaner voagseng. "Eaner" heißt in diesem Fall "Ihnen." Man sagt auch nicht "Ihr Gepäck", sondern "eana" oder "eanane sachean". Das bereitet so manchem Zugereisten Schwierigkeiten.

Zugereiste:

So die ersten Tagen, die ich hier hatte, da hörte ich diesen Satz mal, "do kimmt eaner mo.", und ich hab angenommen, es geht um eine Dame, die "Erna Mo" heißt.

Sprecher:

Das bereitet schon so manchem Zugereisten Schwierigkeiten.

Zugereiste:

Es heißt natürlich, "da kommt Ihr Mann".

Sprecher:

An der Rezeption fragts dann, was Sie in München unternehmen können. Bei dem Sauwedder dad i sogn, gez hoid nacha ins Hohfbräuhaus. Dad i sogn. Der Bayer behauptet von sich, ein tatkräftiger Mensch zu sein, und das spiegelt sich natürlich auch in der Sprache wider. Gern verwendet er deswegen zusätzlich das Verb doa – tun, um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen. Dabei wird der Konsonant t von tun weich ausgesprochen. Aus dem t wird ein d. "Tun" wird zu "dua", und "täte" zu "dad". Wie in "dad I sogn". Im Hofbräuhaus angekommen, habts a Mordsduascht und bestellts a Mass, a Mass Bier, einen Liter Bier.

Gast:

Die meisten Norddeutschen sagen "Maaß", und des is halt komplett foilsch, also es muss "Mass" hoaßen.

Sprecher:

Mass – mit kurzem, klarem, "dunklem a", Mass, und – mit Vorfreude auf den kommenden Genuss – mit a bisserl lang gezogenem, ausklingendem "s": "a Mass Bia". Zu unterscheiden von dem "hellen a", erklärt Sammy El-Samahi.

Sammy El-Samahi:

A Merkmal vom Boarischen is des überhelle "a", nämlich des "a". Des kimmt vor in Werter wie "Kas", "Zach", "Schar", "Radi" oder "Anden". Zu Hochdeutsch: "Zeh", "Schere", "Rettich" oder "Ente".

Sprecher:

Als Preiß oder Zugroaster do kennts Euch beim Essen in Bayern schnell daneben benehmen: a Todsünd begehen.

Wirt:

Dass man zum Beispiel frägt, warum die Wurst nicht angebraten ist. Dass man einen scharfen Senf benützt, das wär tödlich. Also, man nimmt eigentlich immer den süßen Weißwurschtsenf.

Gast:

Mir ham ja vorhin Weißwurschtfrühstück ghabt, und meine ganzen Kollegen hier ham die Weißwurst gschnitten, mim Messer! Sowas macht ma einfach net,

ma zuzelt die aus.

Sprecher:

Sie zuzeln also eine Weißwuarscht aus, die das zwölf Uhr Läuten noch nicht gehört hat und – die net zu "koit" is. "Koit"? Bei "kalt" und "Holz" wird das "l" vokalisiert. Man sagt also nicht "kalt", sondern "koit" und nicht "Holz", sondern "Hoiz".

Peter Scheuering:

Viele Leute existieren, die net in der Lage san, sog I, von einem "koit" wegzugehen. Sie san net in der Lage. Es mutet ihnen dermaßen überkandidelt an und fremd, dass sie's net tun würden.

Sprecher:

Hosd me? So richtig wichtig ist dem Bayern vor allem die Geselligkeit. Jeder Anlass wird liebend gern genutzt, um der Gemütlichkeit freien Lauf zu lassen.

Opa:

I kann ma Gmitlichkei so virstelln: wenn sie do sitzen, an saubern Stuil, a Weißbier, un an woarmer Leberkäs und weit und breit keine Weiber. Des is, sogn mol, des is gmitlich. Un a Musi dazu natürlich.

Sprecher:

Mit der bairischen Gemütsruhe geht auch eine gewisse Mundfaulheit einher.

Gast:

Leniwendantum brotsenda.

Sprecher:

Der Bayer liebt es, kurze, kleine unbedeutende Wörter auf einen einzigen Laut zusammenzukürzen.

Gast:

Leniwendantum brotsenda

Sprecher:

Was möchtens?

Gast:

Leni wende die Ente um, brate sie auf der anderen Seite auch. Leniwendantum brotsenda.

Sprecher:

Der Bayer hat also eine große Vorliebe für die Aneinanderreihung von Silben ohne Sprechpause.

Gast:

Der Grabotsieeeee – der Rabe badet sich.

Frau Fröhmer:

A Musikant sogt zum Beispiel, "des e war e o und jetzt is a a o".

Sprecher:

Es kann auch passieren, dass mehrere Vokale aufeinander stoßen, ohne dass "wen schdeard".

Frau Fröhmer:

Also, bei der Gitarre: das "e" war sowieso abgerissen, und jetz is des "a" auch abgerissen. Also "des e war e o und jetzt is a a o".

Frau Dorsch:

"I ha ia e oi ja o oar ui dan", des hoast: I hab ihr eh alle Jahre ein Ei hinunter gelegt. Ich wiederhole es noch einmal: "I ha ia e oi ja o oar ui dan".

Sprecher:

Den Bayer stört so schnell rein gar nichts. Er neigt dazu sich aus allem rauszuhalten. Dem is "alles wurscht". Das heißt, "er kimmert sich net um de Lait ernare Ansichte".

Sammy El-Samahi:

Es gibt a koi Genitiv. Man sagt net…ja, des gibt’s auf boarisch net: "Das Auto des Vaters" heißt bei uns "am Vatter sei Audo". Oder "die Ansichten der Leute" ward auf Boarisch "de Lait ernare Ansichten".

Sprecher:

Irgendwie sind den Bajuwaren die Tüpfellaute "ö" und "ü" "zwida", einfach zu spitz. Darum wird alles Mögliche daraus: "ea" oder "ia". So wird aus "müde" "miad", aus "Glück" "Gligg" und aus "über" "iber".

Herr Triebel:

Bei uns gibt’s kei "über". Der Bayer spitzt sein Mund nur zum Küssen, net zum "ü" sogn.

Sprecher:

Kein Gentiv, kein ü, kein ö. Es gibt also Regeln, an die man sich halten kann. Aber Bairisch ist vor allem eine Sache des "Gfuils" – des Gefühls. Und das variiert, von Region zu Region.

Herr Stör:

Das sogenannte "viel zu viel Gefühl". Im Münchnerischen und Westmittelbairischen, Pfaffenhofen, Weilheim: "Vuil zvuil gfuil. Im Zentralmittelbairischen, Freising, weite Teile von Niederbayern und Chiemgau: "Veil zvei gfei". Dann ham ma noch des Berchtesgadener Land: "Vi zvi Gfi". Im nordöstlichen Niederbayern, die sogn "vü zfü Gfü", so ähnlich wie die Oberpfälzer sogn "vül zfül Gfül".

Sprecher:

Pünktlich mit dem Zwölf-Uhr-Läuten hams Ihre Weisswuarscht ausgezuzelt. Ja natürlich mit süßem Senf. Als sich eine echte Münchnerin an ihren Tisch setzt. Sie erkennt Sie sofort als Zuagroasten und übt mit Ihnen den "Oachkatzelschwoaf". Aber:

Bedienung:

Besser wie der Oachkatzelschwoaf, des probierns jetz a mol zum sogn. Des sag I einmal vor. "Sechs dequetschte Zwetschgen und sechs derquetschte Zwetschgen san zwelf derquetschte Zwetschgen. Wenns des sogn kinne, dann sans a Münchner, weil an Oachkatzelschwoaf, des konn jo scho jeder heit."

Fragen zum Text

Ein Zuagroaster

1. kommt aus Bayern.

2. kommt nicht aus Bayern.

3. ist jemand, der sehr gut bairisch spricht.

Ein Maß Bier ist …

1. ein Schluck Bier.

2. eine Flasche Bier.

3. ein Liter Bier.

Welches Gericht zuzeln die Bayern?

1. die Blutwurst

2. die Weißwurst

3. die Schwarzwurzel

Arbeitsauftrag

Mehr Informationen über Bayern finden Sie im Dialektatlas der Deutschen Welle (www.dw-world.de/dialektatlas) unter der Rubrik Bairisch. Sie erreichen die Seite auch über den unten angehängten Link. Auf der Seite finden Sie unter "Vokabeln lernen" bairische Wörter. Hören Sie sich die Aussprache der Vokabeln an, indem Sie auf die jeweilige Vokabel klicken. Viel Spaß!

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