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Deutschland

Bahnstreik: Wenn Vertrauen verloren geht

Die Bahn geht juristisch gegen den Streik der GDL vor. Bislang ohne Erfolg. Doch selbst wenn die Züge wieder fahren: Das Vertrauen in den Standort Deutschland ist beschädigt, Pendler wenden sich von der Bahn ab.

Die Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen weiter auf die ersehnte Nachricht warten: Das Unternehmen ist vorerst mit dem Versuch gescheitert, gerichtlich gegen den Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) vorzugehen. Das Frankfurter Arbeitsgericht lehnte es ab, den Arbeitskampf als unverhältnismäßig zu verbieten.

Die Arbeit im Güterverkehr hatten Gewerkschaftsmitglieder bereits am Mittwoch um 15 Uhr niedergelegt. Im Personenverkehr wird seit zwei Uhr am Donnerstagmorgen gestreikt, geplantes Ende ist Montag um vier Uhr. Sollte auch die nächste Instanz - das Landesarbeitsgericht - zugunsten der GDL entscheiden und die Lokführer nicht zwingen, die Arbeit wieder aufzunehmen, wäre der aktuelle Streik mit fünf Tagen der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG 1994.

Immer weniger Verständnis in der Bevölkerung

Symbolbild Streik Bahnstreik Deutschland GDL

Zugfahrer müssen sich - noch - auf erhebliche Behinderungen einstellen

Viele Deutsche scheinen ihr Urteil über die GDL schon gefällt zu haben: Mit ihren immer häufigeren Streiks - zuletzt hatten die Lokführer im Oktober die Arbeit niedergelegt - bringt die Gewerkschaft die Bürger gegen sich auf. Bei einer Umfrage auf tagesschau.de gaben bereits im Oktober rund 81 Prozent der User an, dass sie kein Verständnis mehr für das Verhalten der GDLer haben. Nur knapp 18 Prozent bekannten das Gegenteil.

Auch Axel Kurths Geduldsfaden steht kurz vor dem Zerreißen. Der Mitarbeiter der Bremer Finanzbehörde pendelt täglich mit dem Zug von Hannover in die Hansestadt. "Das nervt schon zunehmend", sagt er über die Arbeitsniederlegungen der GDL. "Bei den ersten Streiks konnte ich das noch nachvollziehen, aber das Verständnis stelle ich jetzt zunehmend in Frage."

Im aktuellen Tarifkonflikt hat die Lokführergewerkschaft bereits fünfmal gestreikt. Sie will künftig nicht mehr nur für die Lokführer verhandeln, sondern auch für andere Berufsgruppen wie zum Beispiel Zugbegleiter. Die werden bisher noch von einer anderen Gewerkschaft vertreten.

Schaden für Unternehmer und Pendler

"Der Bahnstreik ist ein Konjunkturschock", sagt Alexander Schumann vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Der Chefvolkswirt des DIHK betont, dass Unternehmen wie beispielsweise Automobilhersteller jetzt durch Lieferengpässe in große Schwierigkeiten geraten. "Bei dem Streik ist neben der Länge ganz klar auch das Timing wichtig, und er kommt einfach zur falschen Zeit. Er kommt zu einer Zeit, in der es der Wirtschaft gerade nicht gut geht, wo die Stimmung gedrückt ist."

Alexander Schumann

Schumann: Denkbar ungünstiger Zeitpunkt für Bahnstreik

Auch wenn der Streik noch am Donnerstag beendet werden sollte - psychologische Schäden für den Standort Deutschland gebe es durch die häufigen Streiks jetzt schon. "Das ist ein schlechtes Signal für die Unternehmer und kann sich mittelfristig auch auf Investitionsentscheidungen und Standortverlagerungen auswirken", sagt Schumann.

Neben Unternehmen leiden auch die Pendler besonders, die täglich mit dem Zug oder mit S-Bahnen der Deutschen Bahn zur Arbeit fahren. "In vielen Großstädten ist es so, dass die Leute, die in der Innenstadt arbeiten, etwa zur Hälfte mit der Bahn, also ICE, Regionalzügen, S-Bahn kommen", sagt Dirk Vallée, Professor für Stadtverkehr an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Die häufigen Streiks sorgen laut Vallée dafür, dass die Leute nicht mehr auf die Bahn vertrauen, und generell wieder häufiger das Auto nehmen. Das erlebte auch Axel Kurth: Am Donnerstagmorgen saß er fast allein im einzigen Zug, der trotz Streik von Hannover nach Bremen fuhr. "Mit diesen Streiks besteht das Risiko, dass lange verkehrsplanerische Bemühungen durchkreuzt werden", sagt Vallée. S-Bahnen, die in die Innenstadt fahren, und "Park and Ride" Systeme seien schließlich nur dann sinnvoll, wenn die Kunden sich auch auf sie verlassen könnten, so der Verkehrsforscher. Durch die Streiks ist das aber immer weniger der Fall. "Das, was wir uns für die Städte eigentlich wünschen, nämlich nicht zu viele Autos, damit wir als Fußgänger und Radfahrer Platz und saubere Luft haben, und damit Lebensqualität herrscht, wird davon auch negativ beeinflusst."

Egal wie das Gericht also am Donnerstag entscheidet - die Deutsche Bahn wird das Vertrauen der Bevölkerung erst mühsam zurückgewinnen müssen, damit wieder mehr Menschen Zug fahren und weniger Autos die Straßen verstopfen.

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