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Wirtschaft

Bahnstreik belastet Wirtschaft vorerst kaum

Auf deutschen Schienen läuft es nicht mehr so wie es soll: Die Lokführer streiken. Und das hat auch Folgen für die Wirtschaft, denn per Zug werden Rohstoffe, Vor- und Endprodukte transportiert.

Container und Güterzuege stehen auf einem Umschlagbahnhof der Deutschen Bahn (DB) in Leipzig unter einer Kranbrücke. Foto: dapd

Container und Güterzüge bleiben stehen

Der Streik im Güterverkehr hat in der Nacht zum Donnerstag zu erheblichen Einschränkungen beim Warentransport auf der Schiene geführt. "Es haben sich über 500 Kolleginnen und Kollegen am Arbeitskampf beteiligt", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Norbert Quitter. Das habe zur Folge gehabt, dass mehr als 600 Güterzüge ausfielen oder sich über Stunden verspäteten.

Erstmals im laufenden Tarifkampf bestreikt die GDL damit auch den Schienengüterverkehr. Damit könnten wichtige Teile der Infrastruktur ausfallen, die die weltweite Bedeutung und den Erfolg des Standorts Deutschland auszeichnen. Meist jedoch machen sich solche Maßnahmen erst nach Tagen bemerkbar. "Wenn der Streik wie angekündigt nur einige Stunden dauert, bleiben die wirtschaftlichen Folgen überschaubar", sagt Patrik Thiele, Verkehrsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Berlin. Denn in der Regel kann die Industrie auf Reserven zurückgreifen oder Gütertransporte auf die Straße verlegen. "Doch je länger ein Streik dauert, desto gravierender sind die Folgen", so Thiele.

Autobauer zuerst betroffen

Ein Bahnmitarbeiter kontolliert Güterzüge in Dresden, Foto: AP

Viele Güter werden per Bahn transportiert

Und die werden sich zuerst in der Automobilindustrie bemerkbar machen. Porsche wird es bei seinen Modellen Cayenne und Panamera vermutlich als einer der ersten merken, wenn der Güterverkehr lahm liegt. Beide Modelle werden in Leipzig nur montiert. Damit vollständige Autos das Werk verlassen können, müssen ständig Teile zugeliefert werden. Und wenn der Schienengüterverkehr bestreikt wird, droht dem Montagewerk schnell die Arbeit auszugehen.

Neben der Automobilindustrie gibt es aber auch andere Branchen, die bevorzugt auf die Bahn als Transportmittel setzen, zum Beispiel die chemische Industrie und die Mineralölwirtschaft. Auch die Energieerzeuger und die Stahlkocher sind auf regelmäßige Lieferungen angewiesen - Kohle für Kraftwerke und Eisenerz für Hochöfen wird über die Schiene transportiert. Und solche Massengüter kann man auch nicht kurzfristig auf Lastkraftwagen verlagern. "Wollte man das Transportvolumen der Bahn auf die Straße verlagern, müsste man 100.000 Lastkraftwagen zusätzlich auf die Straße bringen", hat Claudia Kempfert ausgerechnet, Rohstoff-Expertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Schienenverkehr wächst schneller

Ein Lastwagen fährt auf der Autobahn A43 bei Dülmen unter einer Maut-Kontrollbrücke durch. Foto: dpa

70 Prozent der Güter werden per Lastwagen transportiert

Zwar verzeichnet der Straßengüterverkehr mit rund 70 Prozent weiterhin den stärksten Anteil am Transportaufkommen in Deutschland. Seit 2002 wächst der Güterverkehr auf der Schiene jedoch deutlich stärker als auf der Straße. So ist der Marktanteil der Eisenbahnen im Güterverkehr innerhalb der vergangenen sieben Jahre um 1,5 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent angestiegen. Während die Güterbahnen im Jahr 2010 mit zwölf Prozent eine der höchsten Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahr unter den Verkehrsträgern erzielten, verzeichneten die Lastwagen einen Anstieg von 5,5 Prozent.

Bereits heute werden vom und zum Hamburger Hafen 70 Prozent aller Containerverkehre sowohl im Export als auch im Import auf der Schiene transportiert. Auch die anderen deutschen Seehäfen setzen auf die Bahn. Darüber hinaus transportiert die globalisierte Wirtschaft Waren über immer längere Strecken. Rund 60 Prozent des Schienengüterverkehrs gehen über internationale Grenzen - Tendenz steigend. Im Schienengüterverkehr hatte die Deutsche Bahn AG 2009 einen Marktanteil von 75,4 Prozent. Scho einmal haben die Lokführer gestreikt, und zwar eine Woche lang im Jahr 2007. Damals wurde der volkswirtschaftliche Schaden auf 500 Millionen Euro beziffert.

Autor: Rolf Wenkel (dapd, rtr, afp)
Redaktion: Insa Wrede

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